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Dissertationsprojekt von Nils Bühler

Der Staat gegen das verführerische Spiel: Automaten- und Computerspielkontrolle in Preußen, der Weimarer Republik, dem NS-Staat und der Bonner Republik

Mit Computerspielen und Spielautomaten sind heute Wertungen, Emotionen, diskursive Regeln und Rechtspraktiken verbunden, die zunächst einmal entstehen, sich gegen andere Zuschreibungen und Regularien durchsetzen und zu ihrer Alltäglichkeit finden mussten. Meine Dissertation widmet sich der Genese dieses selbstverständlich scheinenden Diskurses. Ausgehend von den ersten Verboten mechanisch betriebener Spielautomaten in Preußen um 1904 bis zum Ende der ersten ‚Welle‘ von Computerspielindizierungen 1990 verfolgt die Arbeit, auf welche Weise und mit welchen Begründungen Regierungen und Behörden Spielautomaten und Computerspiele verboten oder reguliert haben. Anhand ministerieller und behördlicher Akten rekonstruiere ich dabei den Zusammenhang zwischen Wissensdiskursen, emotionalen Wertungsmustern und Rechtsdiskursen.

Die Arbeit verfolgt einen diskurs- und emotionshistorischen Ansatz, um die Erforschung medialer Kontrolle, die sich bisher hauptsächlich mit der Buch-, Zeitschriften- und Filmzensur auseinandersetzt, mit einem Blick auf die Kontrolle technisch vermittelter Spiele zu ergänzen und die Perspektive der ausführenden Behörden und Akteur:innen näher zu beleuchten. Dabei geraten Aspekte der Moral- und Wissensgeschichte ebenso in den Fokus wie Aspekte der Rechtspraxis und -genese sowie der Verwaltungsgeschichte. Das Ziel der Arbeit ist, ‚den‘ kontrollierenden Staat nicht als ein einheitliches, mächtiges Individuum zu verstehen (wie dies in Diskursen um die staatliche Regulierung von Spielen häufig der Fall ist), sondern die Vielzahl an Akteur:innen, Paragraphen, Dokumenten und Wertungen in ihrem Zusammenspiel zu beschreiben.

Kurzbiogafie

Nils Bühler, geboren 1992, studierte Medienkulturwissenschaft, English Studies und Linguistik an der Universität zu Köln, wo er 2025 mit dem beschriebenen Thema promoviert wurde. Er forscht an der Schnittstelle von Medien, Geschichte und Recht und ist freiberuflicher Autor und Dozent für Wissensmanagement in der Forschung. Bühler war mehrere Jahre lang als Assistenz und Onlineredakteur in der Kölner Digitalagentur result gmbh tätig.

Mailadresse: kontakt(at)nilsbuehler(dot)de

Homepage: nilsbuehler.de

Veröffentlichungen:

Bühler, Nils. 2025. „Der Mythos des missverstandenen Computerspiels als Identitätsstifter der jungen Game Studies“. In Spielgeschichte(n): Games und Game Studies in medienkulturgeschichtlicher Perspektive, herausgegeben von Yana Lyapova und Tobias Unterhuber. Game Studies 10. Bielefeld: transcript, 2025. DOI: 10.14361/9783839400593-006

Bühler, Nils. 2023. „Politiken der Spielwirkung: Computerspiele und Indizierung in der Bonner Republik“. In Politiken des (digitalen) Spiels, herausgegeben von Arno Görgen und Tobias Unterhuber, 239–48. Game Studies 4. Bielefeld: Transcript. https://doi.org/10.14361/9783839467909-013.

Bühler, Nils. 2023. „Taking It Public: Walking the Fine Ethical Line of Game Regulation“. In Freedom | Oppression | Games & Play, herausgegeben von Nikolaus Koenig, Natalie Denk, Alexander Pfeiffer, Thomas Wernbacher, und Simon Wimmer, 375–89. Krems an der Donau: University of Krems Press. https://doi.org/10.48341/ttmb-rz82.

Bühler, Nils. 2023. „Technisierung des Menschlichen: Disruptionen naturalisierter Spielbegriffe am Beispiel der Digitalisierung“. Spiel|Formen 2: 125–44. https://doi.org/10.25969/mediarep/19724.

Bühler, Nils. 2022. „Protecting the Youth by Controlling the Ludic: BPjS Indexing Practices in 1980s Western Germany“. In Mental Health | Atmospheres | Video Games: New Directions in Game Research II., herausgegeben von Jimena Aguilar Rodríguez, Federico Alvarez Igarzábal, Micheal S. Debus, Curtis L. Maughan, Su-Jin Song, Miruna Vozaru, und Felix Zimmermann, 35–50. Studies of Digital Media Culture. Bielefeld: Transcript. https://doi.org/10.14361/9783839462645-005.

Vorträge:

Von Spielimaginationen und Verbotsbegründungen: Automaten- und Computerspielkontrolle in den deutschen Staaten 1900-1990, Vortrag auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaften "Macht", Universität Paderborn, 17.09.2025.

Was kam vor "Year One"? Zum notwendigen Mythos vom missverstandenen Computerspiel, Vortrag im Rahmen der Tagung "Spielgeschichte(n) – Games und Game Studies in medienkulturgeschichtlicher Perspektive", Universität Innsbruck, 13.04.2024.

Historische Wechselspiele: Zur Dialektik von Spielkultur und Recht, Vortrag im Rahmen des Symposiums »Recht im Spiel, Spiel im Recht«, Universität Innsbruck, 30.11.2023.

Technisierte Spiele als Krise des modernen Anthropozentrismus: Wie Spielautomaten und Computerspiele den Humanismus ängstigten, Vortrag im Rahmen der 3. Jahrestagung der Bamberg Graduate School for Literature, Culture, and Media »Machine Modernisms«, Otto-Friedrich-Universität, 17.06.2023.

Game Regulation Between Oppressing and Facilitating Freedom, Vortrag im Rahmen der 6. Future and Reality of Gaming Conference (FROG) "Freedom, Oppression, Games & Play", Donau-Universität für Weiterbildung Krems, 26.11.2022.

Fearing the Hybrid: How the Spread of Personal Computers Caused Concerns of Dehumanisation, Vortrag im Rahmen der 7. Cambridge AHRC International Conference "Hybridity", St Catherine's College, Cambridge, 21.09.2022.

Censoring Video Games Through a Youth Protection Pretext, Vortrag im Rahmen der 10. Clash of Realities, Cologne Game Lab der Technischen Hochschule Köln, 19.11.2019.

Lehre:

Selbstsicheres Recherchieren in Zeiten von KI: Aktuelle Methoden der Online- und Literaturrecherche, praktischer Kurs im Rahmen des Studium Integrale, ProfessionalCenter, Universität zu Köln, Sommersemester 2026.

Mit René Lang: Wissenschaftliche Kontroversen: Forschungsmethoden im Zeichen der (Post-)Digitalisierung, Kolloquium im Rahmen des a.r.t.e.s. Research Masters, a.r.t.e.s. Graduate School for the Humanities Cologne, Wintersemester 2025/26.

How to Write an Academic Paper, Übung, ifs Internationale Filmschule Köln, Sommersemester 2024.

Über interaktive Medien schreiben, Übung am Institut für Medienkultur und Theater, Sommersemester 2024.

Gutes Spiel, schlechtes Spiel: Die soziale Konstruktion von Mediennutzung am Beispiel des digitalen Spiels, Seminar am Institut für Medienkultur und Theater der Universität zu Köln, Sommersemester 2023.

"Bei a.r.t.e.s. erhalte ich wertvolle interdisziplinäre Impulse für meine Arbeit. Vor allem die Graduiertenklassen ermöglichen Forschenden, voneinander und von den jeweiligen Projekten zu lernen."