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Dissertationsprojekt von Mona Schubert

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Ausstellungsansicht mit Aufnahmen aus den Südstaaten (1935 – 1936) von Walker Evans. documenta 6 (1977). © documenta archiv / Foto: Georg Nemec

(Re-)Konstruktion eines Mediums. Die Fotografie auf der documenta 6 (Arbeitstitel)

Ein einziges Mal in der Geschichte der documenta-Ausstellungen wurde der Fotografie eine eigene Ausstellungssektion gewidmet. Unter dem Motto „Kunst in der Medienwelt. Medien in der Kunst“ strebte die documenta 6 (d-6) 1977 aufgrund der ihr zugrundeliegenden Medienkritik an, die Erarbeitung der Kunst nach Gattungen abzulösen und stattdessen Konzepte der Medialität zu reflektieren. Nach diesem unter der künstlerischen Leitung von Manfred Schneckenburger realisierten Konzept wurden die sogenannten neue Medien – Film, Video und Fotografie – erstmalig in autonomen Sektionen neben den tradierten Kunstgattungen Malerei und Plastik in die Ausstellung integriert. Allerdings sah nur die von Klaus Honnef und Evelyn Weiss kuratierte Fotosektion vor, anhand bekannter, heute dem kunsthistorischen Kanon zugehörigen Fotografien 150 Jahre Mediumsgeschichte nachzuerzählen, auf die fotografische Arbeiten der 1970er Jahre rückgebunden werden sollten. Diese als „Rehabilitation der Fotografie“ vermarktete Sektion soll im avisierten Promotionsvorhaben auf der Folie des spätestens seit der documenta 5 erstarkten fotografischen Ausstellungswesens untersucht werden. Hierbei wird die 1977 kontrovers diskutierte (Re-)Konstruktion des Mediums Fotografie aufgearbeitet und in Bezug zu den weiteren Sektionen der d-6 sowie den Diskussionen der Fotografie als Ausstellungsmedium seit 1945 gesetzt. Auf der Grundlage der im documenta archiv in Kassel und im Zentralarchiv für deutsche und internationale Kunstmarktforschung (ZADIK) in Köln befindlichen Archivalien soll die erste kritische Studie und räumliche Ausstellungsrekonstruktion der Fotosektion der documenta 6 vorgelegt werden.

 

Praxisprojekt

Schon in den Jahren vor der Covid-19-Pandemie ­haben virtuelle Ausstellungen, digitalisierte Installationsansichten und Online-Sammlungen in der kunsthistorischen, künstlerischen und musealen Auseinandersetzung zunehmend an Bedeutung gewonnen. Dabei richtet sich das Interesse nicht nur auf die Zugänglichkeit und Aufbereitung von Forschungsmaterial, sondern auch auf virtuell vermittelte Erfahrungen und auf die Interaktion mit Besucher:innen. So eröffnete das documenta archiv 2019 seine erste virtuelle Ausstellung unter der Fragestellung Wie viel Bauhaus steckt in der documenta? Eine Spurensuche. An dieses website-basierte Pilotprojekt anknüpfend, soll ausgehend von meiner Promotionsforschung und meiner kuratorischen Expertise in Kooperation mit dem documenta archiv und im Austausch mit dem ZADIK eine (virtuelle) Ausstellung zur Fotosektion der documenta 6 erarbeitet werden. Im Zentrum stehen dabei folgende Fragen:

  • Wie können Archivmaterial und -recherchen digital aufgearbeitet und vermittelt werden?
  • Wie kann die Genese einer Ausstellung virtuell nachgezeichnet werden?
  • Wie kann die Öffentlichkeit dialogisch miteinbezogen werden?

Weitere Informationen zum Kooperationspartner unter: https://www.documenta-archiv.de/

 

Kurzbiografie

Mona Schubert, M.A., ist Kunsthistorikerin und freie Kuratorin. Ihre Forschungsinteressen umfassen Fotografie an der Schnittstelle von Kunst-, Technik- und Mediengeschichte, fotografische Ausstellungen nach 1945 und (post-)digitale Bildpraktiken. Seit Mai 2021 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin des FWF-Projekts Bildtechniken der Ko-Produktion von Prof. Dr. Robert Felfe am Zentrum für Kulturwissenschaften der Karl-Franzens-Universität Graz und Teil der DFG-Forschungsgruppe Dimensionen der techne in den Künsten. Erscheinungsweisen – Ordnungen – Narrative. 2019-2021 war sie wissenschaftliche Volontärin/Assistenzkuratorin am Fotomuseum Winterthur und ko-kuratierte das experimentelle Forschungs- und Ausstellungsformat SITUATIONS. Parallel zu ihrem Studium war sie 2013-2018 wissenschaftliche Hilfskraft von Prof. Dr. Herta Wolf am Kunsthistorischen Institut der Universität zu Köln, wo sie derzeit über die Fotografie auf der documenta 6 promoviert. Seit Oktober 2021 ist sie zudem Fellow im Mercator-Programm und Kollegiatin der Klasse 5 im Integrated Track der a.r.t.e.s. Graduate School for the Humanities der Universität zu Köln.

Kontakt: mona.schubert(at)uni-graz.at

 

Veröffentlichungen (Auswahl)

Herausgeber_innenschaften

---. (hg. mit Doris Gassert und Fabio Paris), Eva & Franco Mattes – Dear Imaginary Audience, Ausst.-Kat. Fotomuseum Winterthur, Leipzig: Spector Books 2021.

---. Fleeting Media. Publishing Post-Photography, Ausstellungsbegleitende Google-Doc-Website, Fotobibliothek Passage, Fotozentrum Schweiz, 01/2021 –, bit.ly/fleeting_media

Aufsätze/Katalogbeiträge

---. „Hijacking the Patriarchy. Pussy Riot’s and LasTesis’s Networked Performances”, in: On_Culture: The Open Journal for the Study of Culture, Nr. 13 [ = Jana Tiborra u. Katharina Wolf (Hg.), In_Visibilities], 2022.

---. „Blissful thinking. Alan Butler’s Deskscapes (2016–ongoing)“, in:  EIKON - Internationale Zeitschrift für Photographie und Medienkunst, Nr. 115, 2021, S. 34­-41.

---. „Sun Pictures in Scotland (1845). William Henry Fox Talbots Hommage an Sir Walter Scott, die Kalotypie und das Reisen“, in: Fotogeschichte, Jg. 41, Nr. 160 [= Herta Wolf u. Clara Bolin (Hg.), Keepsake / Souvenir. Reisen, Wanderungen, Fotografien 1841 bis 1870], 2021, S. 5-12.

---. „Katarína Dubovskás Intertwined Conditions, oder, die Fallstricke des vernetzten Daseins/or, The Pitfalls of Networked Existence“, in: Camera Austria, Nr. 154, 2021, S. 41-50.

---. „Gilbert Simondons ‚Die Existenzweise technischer Objekte‘ (1958) und das fotografische Dispositiv“, in: Engelhardt, Nina u. Johannes Schick (Hg.), Erfinden, Schöpfen, Machen. Körpertechniken und Imaginationstechniken, Bielefeld: transcript Verlag 2021, S. 165-188.

---. „‚Die Fotografie war mit der Demokratie groß geworden. Oder umgekehrt.‘ Adrian Sauers Arbeiten als Metaphern des innerdeutschen und (post-)fotografischen Wandels“, in: Christina Leber (Hg.), Adrian Sauer. Identitäten und Ideologien, Ausst.-Kat., Kunststiftung DZ BANK, Frankfurt 2021, S. 18-31.

---. „‚The sum of all photographs is the ruin of the world’. Felicity Hammond‘s Dystopian Utopias“, C/O Berlin Zeitung, 10. Jg., Nr. 27, September 2020, S. 30-35.

---. „How Photography (Re-)entered documenta 6“, in: Ronald Kolb, Shwetal A. Patel u. Dorothee Richter (Hg.), Contemporary Art Biennials. Our Hegemonic Machines in Times of Emergency, OnCurating, Issue 46, 2020, S. 442-453, https://www.on-curating.org/issue-46-reader/how-photography-re-entered-documenta.html#.YaTE-i1XbJx.

---. „Color Floating in Space/Im Raum schwebende Farbe. Barbara Kastens ‚Architectural Sites‘“, in: Barbara Flückiger, Eva Hielscher u. Nadine Wietlisbach (Hg.), Color Mania. The Material of Color in Photography and Film/ Color Mania. Materialität Farbe in Fotografie und Film, Ausst.-Kat. Fotomuseum Winterthur, Zürich: Lars Müller Publishers 2019, S. 179-186.

---. „I’d rather invent a legend of my own’. Die fotografischen Rhein-Ansichten Charles Marvilles in 'Les Bords du Rhin' (1853) und Francis Friths in 'The Gossiping Photographer on the Rhine '(1864)", in: Christoph Schaden (Hg.), bilderstrom. Der Rhein und die Fotografie 2016-1853, Ausst.-Kat. LVR-LandesMuseum Bonn, Berlin: Hantje Cantz Verlag 2016, S. 222-229.

 

Vorträge (Auswahl)

„Open Circuits. Conceptual Art and the Agency of the Camera“, The Automated Condition. Manifestations and Narratives in Art, Literature and Culture, Organisation der interdisziplinären Graduate Student Konferenz, Department of German, Princeton University und Zentrum für Kulturwissenschaften, Karl-Franzens-Universität Graz, Princeton, 13.05.2022.

„Pussy Grabs Back. Feministischer Widerstand und das vernetzte Bild“, Symposium Cont·Act! Fotografie und Handlungsmacht, Museum Folkwang, u. Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, Essen, 16.10.2020.

„insta-males. Self-Pornification on Social Media“, Lecture-Performance mit Andy Kassier, Konferenz You, porn, IULM University/Milano Photo Week, Mailand, 07.06.2019.

„Das dirigierte Bild. Gilbert Simondons ‚Die Existenzweise technischer Objekte‘ (1958) und das fotografische Dispositiv“, Workshop Fotografie und Technik, AG Fotografieforschung der Gesellschaft für Medienwissenschaft am Institut für Medienwissenschaft u. Deutsches Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg, Philipps-Universität Marburg, 14./15.06.2018.

 

Veranstaltungen (Auswahl)

The Automated Condition. Manifestations and Narratives in Art, Literature and Culture, Ko-Organisation der interdisziplinären Graduate Student Konferenz, Department of German, Princeton University und Zentrum für Kulturwissenschaften, Karl-Franzens-Universität Graz, Princeton 12./13.05.2022.

Unfinished Business. Strategies on Decolonisation, Organisation der Online-Paneldiskussion, moderiert von Thato Mogotsi, Fotomuseum Winterthur, 17.12.2020.

Exposing the Unexposed. Feminist Collectives and Street Photography, Organisation und Moderation der Online-Paneldiskussion des Fotomuseum Winterthur in Kooperation mit Unexposed Collectives, Hardcore Street Collective, Offset Projects, Head On Photo Festival und der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia, 15.11.2020.

The Googlified Image, Organisation und Moderation, Fotomuseum Winterthur in Kooperation mit PhotoIreland Festival 2020: ON/OF, 11.07./19.07.2020.

Die Sprache der Bilder. Flucht in Kunst und Medien, Organisation und Moderation der interdisziplinären Benefizvortragsreihe u. Auktion, Weitblick Köln e.V. in Kooperation mit der Universität zu Köln u. dem FORUM Volkshochschule der Stadt Köln, 09/2016–07/2017.

Handbuchwissen. Die Fotografie als angewandte Wissenschaft, Mit-Organisation des Workshops, Kunsthistorisches Institut, Universität zu Köln, 07./08.04.2016.