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Dissertationsprojekt von Alisa Hajdarpašić

Titelbild: Peter Paul Rubens: A Forest at Dawn with a Deer Hunt; Quelle: The Metropolitan Museum of Art. (Der Wald, die Dämmerung und die Hirschjagd stellen in den Mahrtenehegeschichten ein typisches Setting für die Begegnung mit den andersweltlichen Wesen dar.)

DAS VERHÄLTNIS VON REGEL UND FALL IM FRÜHNEUZEITLICHEN PROSAROMAN

(Fortunatus, Knabenspiegel, Von guten und bösen Nachbarn)
 

Am Beispiel der drei frühen deutschen Prosaromane (Fortunatus, Knabenspiegel und Von guten und bösen Nachbarn) untersucht die Arbeit die Epistemologie des Exemplarischen im Rahmen des Romans als Archivs. Exemplarisches Erzählen wird als ein epistemologisches Problem aufgefasst, das Regel-Fall-Verhältnisse suggeriert und mit dem topischen Orientierungswissen einer Gemeinschaft operiert. Es handelt sich um Annahmen, Wahrscheinlichkeitsvorstellungen und Muster der Urteilsbildung, die soziale Akzeptanz genießen und sich einerseits dazu eignen, die jeweils vorgeführten Zusammenhänge zu plausibilisieren, andererseits auch widersprüchliche und untereinander nicht-hierarchisierbare Aussagen über die Welt miteinschließen. Im 16. Jahrhundert gewinnen in einer Reihe an Diskursen einerseits die Kontingenzthematik, andererseits die Topik und die Wahrscheinlichkeit als Orientierungskategorie an Bedeutung. Die Prosaromane des 16. Jahrhunderts eignen sich deswegen besonders gut für die Erörterung der hier knapp skizzierten Problematik. Die Komplexität sozialer Interaktion, die in ihren Beispielfällen greifbar wird, ergibt sich an erster Stelle daraus, dass sich die soziopolitischen und geographischen Kulissen, vor denen sich die Handlung abspielt, episodenweise ändern und dabei gegensätzliche Ansprüche an die Handelnden stellen oder neues Wissen erforderlich machen. Die Arbeit fragt nach den Argumentationsstrukturen und Regel-Fall-Zusammenhängen, die in einzelnen Beispielfällen, in Lebensgeschichten der Figuren und im übergreifenden Romansyntagma um die Geltungshoheit ringen.

 

Kurzbiographie

Alisa Hajdarpašić studierte Deutsche Sprache und Literatur (Deutsch als Fremdsprache) an der Universität Montenegro, mit Aufenthalten an der FU Berlin, als DAAD-, und an der Universität Wien, als OeAD-Stipendiatin. Sie schrieb ihre Abschlussarbeit über Den Mann ohne Eigenschaften Robert Musils als Bildungsroman des 20. Jahrhunderts. Das Studium setzte sie fort an der Università degli Studi di Palermo, Universität Bremen und Universidade do Porto als Erasmus Mundus Stipendiatin im Masterstudiengang German Literature in The European Middle Ages (GLITEMA). Dem Masterstudium und insbesondere Prof. Dr. Laura Auteri und Prof. Dr. Stephan Jolie hat sie auch das Interesse an der frühen deutschen Literatur im europäischen und transkulturellen Kontext zu verdanken. Im Anschluss an das Masterstudium arbeitete sie am Studiengang für Deutsche Sprache und Literatur der Universität Montenegro sowie an der Fremdsprachenschule des Jugend- und Berufsbildungszentrums „Don Bosco“ in Podgorica. Seit April 2018 promoviert sie an der Universität zu Köln als Kollegiatin im DFG-Graduiertenkolleg 2212 „Dynamiken der Konventionalität (400–1550)“ mit dem oben beschriebenen Projekt zum frühen deutschen Prosaroman. Im Jahr 2021 war Alisa Hajdarpašić Mentee im Mentoring Program for International Female Scholars der Universität zu Köln.

 

Kontakt: a.hajdarpasic[at]uni-koeln.de
 

Vorträge und Präsentationen:

Modes and strategies of building a coherent narrative in medieval Mahrtenehe stories, a.r.t.e.s. Kolloquium 2018, Universität zu Köln.


A Shift in the concept of Truth in late medieval historia, AHRC Doctoral Training Partnership, September 2019, University of Cambridge.


Contingency and the ambivalence of poetic justice in Fortunatus, Cologne Toronto Graduate Student Colloquium 2019, December 2019, University of Cologne.


Die Problematik des Regel-Fall Verhältnisses im Fortunatus, Response-Workshop des GRK 2212 “Dynamiken der Konventionalität”, Januar 2020, Universität zu Köln.


Topik und Wiederholungen im Fortunatus, Workshop „Wiederholung und Konventionalität der Kunst“, Juni 2022, Universität zu Köln.
 

Organisierte Veranstaltungen:

Mit der Research and Innovation Unit der Erasmus Mundus Association: Workshop „Research in the time of corona“, Februar 2021.
 

Vgl. den Bericht über den Workshop im a.r.t.e.s. Jahrbuch 2020/21