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Freigeist-Fellowship „Heidegger und die Postmoderne“

Dr. Sidonie Kellerer hat eines der begehrten Freigeist-Fellowships der VolkswagenStiftung eingeworben und ist ab Mai 2017 mit ihrem Forschungsteam am Philosophischen Seminar und an der a.r.t.e.s. Graduate School der Universität zu Köln angesiedelt. Von über hundert eingereichten Anträgen konnten acht das internationale Gremium überzeugen, vier davon aus den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften. Zur Finanzierung des Projekts stellt die Stiftung Sidonie Kellerer in den kommenden fünf Jahren zunächst 680.000 Euro zur Verfügung.

Projekt: "Heidegger and Postmodernity: The Story of a Delusion?"

Die Beziehung des Philosophen Martin Heidegger zum Nationalsozialismus wirft auch über 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs viele Fragen auf: Verherrlichte er dessen Ideologie? Oder stand er ihm gar kritisch gegenüber? Obwohl Heidegger bis 1945 Mitglied der NSDAP war, versuchte er die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass er die nationalsozialistische Weltanschauung bereits 1934 kritisch sah. Besonders in den letzten Jahren traten an dieser Darstellung jedoch begründete Zweifel auf. So wies Sidonie Kellerer 2011 anhand des Vortrages "Zeit des Weltbildes" aus dem Jahr 1938 nach, dass zahlreiche Passagen nachträglich so modifiziert wurden, dass die ursprüngliche Apologie des Nationalsozialismus nunmehr als Kritik am Regime gedeutet werden konnte. Die 2014 erschienenen Schwarzen Hefte, Aufzeichnungen Heideggers aus den Jahren 1933 ff. bestätigen zudem, wie tief verankert in seiner Philosophie Rassismus und Nationalsozialismus waren und blieben.

In ihrem Freigeist-Projekt wird Kellerer nun erstmalig durch einen systematischen Vergleich der Manuskripte aus der Zeit des Dritten Reiches mit den später veröffentlichten Texten untersuchen, in welchem Umfang diese nachträglich verändert wurden. Ebenso erforscht sie am Beispiel der Philosophie Jacques Derridas den erstaunlichen Erfolg, den Heideggers vermeintliche Kritik am Totalitarismus in Frankreich nach 1945 erfuhr. Die Kombination dieser philologischen Analyse mit philosophischer Interpretation und historischer Kontextualisierung wird die anhaltende Kontroverse um Heidegger auf dokumentierte Fakten stützen und so die doppelte Frage klären, worin Heideggers Denken in den Jahren des Nationalsozialismus bestand und worauf das Denken der Derrida-Schule bewusst oder unbewusst aufbaut.

Die Freigeist-Fellowships der VolkswagenStiftung richten sich an herausragende und zugleich außergewöhnliche Forscherpersönlichkeiten, die sich zwischen etablierten Forschungsfeldern bewegen und unkonventionelle, risikoreiche Wissenschaft betreiben. Mit einem modulartig aufgebauten flexiblen Förderangebot erhalten Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler die Möglichkeit, ihre wissenschaftliche Tätigkeit mit großem Freiraum und klarer zeitlicher Perspektive zu gestalten und eigene, originelle Ideen umzusetzen.

Weitere Informationen:
Dr. Sidonie Kellerer
+49 (0)221 470-7268
kellerer.sidonie[at]uni-koeln.de