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Graduiertenklassen

Die Promovierenden im strukturierten Modell "Integrated Track" gehören jeweils einer der a.r.t.e.s.-Graduiertenklassen an. Die einzelnen Promotionsprojekte werden hier in einen weiter gefassten thematischen und interdisziplinären Rahmen eingebracht und diskutiert. Die Themen der Klassen sind in historischer, systematischer und methodischer Hinsicht aufeinander bezogen und bilden Schwerpunkte, die mit den Forschungsschwerpunkten und Exzellenzfeldern der Philosophischen Fakultät korrespondieren. Auf diese Weise wird auf den Ebenen des Einzelfachs, der Klassen und der gesamten Schule je nach Spezialisierungs- oder Allgemeinheitsgrad eines Problems ein produktives Milieu der Diskussion und der Lehre geschaffen.

Klasse 1
Dynamiken des Wissens und der Gesellschaften in Vormodernen Kulturen
Dynamics of Knowledge and Societies in Pre-Modern Cultures

Klassenmentor/in: Prof. Dr. René Nünlist / Prof. Dr. Susanne Wittekind

Die Forschung der Klasse 1 beschäftigt sich auf der Basis historischer, literarischer und materieller Quellen mit der Konstituierung, Rezeption und Transformation von kulturellen und sozialen Leistungen sowie ihrer verschiedenartigen Figurationen und Manifestationen, welche die Kulturen der Antike und des Mittelalters in ihren Kernbereichen und in der longue durée ihrer Rezeptionsgeschichte strukturieren. Dabei erforscht sie die Entfaltung und Konkretisierung von Wissen, Vorstellungen und gesellschaftlichen Verhältnissen in Texten und Objekten, ebenso die Rolle, die unterschiedlichen Medien mit ihren spezifischen Bedingungen und Möglichkeiten bei diesen Prozessen zukommt.

 

Klasse 2
Sprache, Diskurs und Kultur
Language, Discourse, and Culture

Klassenmentoren: Prof. Dr. Martin Becker / Prof. Dr. Nicolas Pethes

Die Klasse 2 interessiert sich für theoretische Konzepte, die für die Linguistik, Kulturwissenschaften und Literaturwissenschaften in gleichem Maße relevant sind, aber je unterschiedliche methodische Perspektiven und fachspezifische Inhalte eröffnen. Disziplinenübergreifend sollen ihre empirisch-systematischen und hermeneutisch-historischen Dimensionen vergleichend erarbeitet und diskutiert werden. Die Konzepte „Sprache“, „Diskurs“ und „Kultur“ werden dabei in einem Wechselverhältnis gesehen, das sich aus strukturalistischer, kognitionswissenschaftlicher, konstruktivistischer, kommunikationstheoretischer, pragmatischer, interkultureller, wissensgeschichtlicher oder ästhetisch-literaturtheoretischer Perspektive beschreiben läßt. Wir gehen davon aus, daß sich auf diese Weise die Produktions- und Rezeptionsbedingungen von Diskursen erforschen lassen und interessieren uns auf dieser Grundlage für die historische Konjunktur von Metaphern, Verfahren und Vorstellungskomplexen wie „Ironie" oder „Horror“ als diskursive Phänomene.

 

Klasse 3
Kunst- und Medienkulturen: Text – Bild – Klang
Art and Media Cultures: Text – Image – Sound

Klassenmentoren: Prof. Dr. Hanjo Berressem / Prof. Dr. Frank Hentschel

Unter einem medienwissenschaftlichen Ansatz bündelt die Klasse 3 die Bereiche Medienkultur- Literatur-, Bild-, und Musikwissenschaft. Untersuchungsgegenstände aus diesen oft nicht voneinander zu trennenden Bereichen werden aus dem Gesichtspunkt ihrer Medialität heraus inter- bzw. transdisziplinär untersucht. Das thematische Spektrum der Klasse setzt sich aus den Interessen der jeweiligen Einzelwissenschaften zusammen und ist dementsprechend weit gefasst. Die spezifischen Untersuchungsgegenstände werden jedoch stets unter der Prämisse ihrer Medialität behandelt. Ein besonderes theoretisches und thematisches Interesse der Klasse gilt der Beziehung von digitalen und analogen Medien, wobei auch hier der Blick nicht nur auf zeitgenössische Tendenzen wie Miniaturisierung und Mobilisierung gerichtet ist, sondern wiederum eine historische sowie theoretische Tiefe eingefordert wird.

 

Klasse 4
Lokale Kulturen in der globalisierten Welt
Local Cultures in the Globalised World

Klassenmentor/in: Prof. Dr. Peter Marx / Prof. Dorothea E. Schulz, PhD

Die Klasse 4 beschäftigt sich mit den Dynamiken, Zusammenhängen und Auswirkungen interkultureller Begegnungen und transkultureller Prozesse seit der europäischen Expansion bis heute. Der Fokus liegt hierbei auf der vergleichenden Analyse von Prozessen soziokulturellen Wandels. Die Veränderungen resultieren meisten aus endogenen Prozessen wie demographischer Wandel, zunehmende Urbanisierung oder Ungleichheit sowie sich verändernde Weltanschauungen. Oftmals entstehen die Veränderungen durch Wechselbeziehungen zwischen verschiedenen Kulturen oder Gesellschaften in kolonialen oder postkolonialen Kontexten. Die Prozesse, die in vielfacher Art und Weise verflochten sind, führen auf der einen Seite zu Konflikten und Widersprüchen, auf der anderen Seite aber auch zu kreativen transkulturellen Anpassungen in vielen verschiedenen Bereichen. Dazu können sowohl Alltagspraktiken im Rahmen von Produktion und Konsum wie auch Familien- und Geschlechterverhältnisse, Religion, Sprache, kulturelle Strukturen oder soziale und politische Hierarchien gehören.

 

Klasse 5
Institutionen und Praktiken in historischer Perspektive
Institutions and Practices in Historical Perspective

Klassenmentoren: Prof. Dr. Stefan Grohé / Prof. Dr. Ralph Jessen

Die Forschung der Klasse 5 befasst sich mit dem Wandel des Verhältnisses von Ungleichheit und Herrschaft in der Geschichte von der Antike bis ins 21. Jahrhundert. Dabei stehen die verschiedenen Regionen Europas und jene Teile der Welt, die in kolonialen und postkolonialen Beziehung zu Europa standen, im Vordergrund des Interesses. Obwohl die Wechselbeziehung zwischen Ungleichheit und politischer Herrschaft zu den konstitutiven und die Lebenschancen der Menschen existenziell bestimmenden Merkmalen aller historischen Gesellschaften gehört, unterlagen ihre institutionellen Strukturen, Praktiken und Legitimationsformen einem tiefgreifenden Wandel. Vor allem Prozesse des Übergangs, der Erosion und erneuten Stabilisierung, der De- und Re-Legitimation sozio-politischer Ordnungen und Dispositive finden das besondere Interesse.

 

Klasse 6
Life-Science: Natur – Kultur – Agency
Life-Science: Nature – Culture – Agency

Klassenmentor/in: Prof. Dr. Andreas Hüttemann / Prof. Dr. Saskia Wendel

Die Forschung der Klasse 6 widmet sich an der Schnittstelle von kulturellen und lebenswissenschaftlichen Fragen vor allem Problemstellungen, die das Verhältnis natürlicher wie kultureller Gesichtspunkte betreffen.. Dazu zählen Fragen nach der Deutungsmacht lebenswissenschaftlicher Disziplinen oder Fragen, die das Verhältnis von Körper und Geist betreffen, wie z. B. in der extended-mind-Debatte. Ebenso behandelt werden in dieser Klasse Forschungsfragen, die sich die Untersuchung von kulturell spezifischen und historisch veränderlichen Vorstellungen von Moral und Ethik zur Aufgabe machen, und dabei auch der Frage nachgehen, inwiefern sich diese lokal spezifischen normativen Ordnungen unter dem Einfluss rezenter Prozesse der intensiven globalen Vernetzung von Institutionen, Akteuren und Ideen neu konfigurieren und verändern.

 

Klasse 7
Dezentrierung Europas: komparative Perspektiven aus dem Global South
Decentering Europe: Comparative Perspectives from the Global South

Klassenmentoren: Prof. Dr. Thomas Widlok / Jun-Prof. Dr. Martin Zillinger

Die Klasse 7 will einen Perspektivwechsel vornehmen und Fragen sozialer Beziehungen, kultureller Austauschverhältnisse und Gruppenidentitäten aus Sicht des Globalen Südens diskutieren. Globale Themenfelder wie Migration, Arbeitsverhältnisse, Warenaustausch und die Transformation kommunikativer Repertoires sind für das Verständnis von Integrations- und Exklusionsdynamiken auf allen Ebenen von zentraler Bedeutung: Sie sind Schlüsselthemen zur Rekonzeptualisierung sozialer Theorien und zur kritischen Bewertung eurozentrischer Befangenheiten innerhalb unserer Disziplinen. Durch die Einbindung aller Regionen der Welt und fachliche Interdisziplinarität möchten wir einen methodologisch diversifizierten Ansatz fördern und zu einem besseren Verständnis der globalen Zirkulation von materiellen Gütern, Ideen und Menschen gelangen. Die Unterrichtssprache der Klasse ist Englisch.

 

Klasse 8
Prominenz in Sprache
Prominence in Language

Klassenmentor/in: Jun.-Prof. Dr. Marco García García / Prof. Dr. Petra Schumacher

Die Forschung der Klasse 8 befasst sich mit sprachlicher Prominenz, ein für Linguistik und Kognitionswissenschaft zentrales Organisationsprinzip, das Sprachproduktion und -perzeption von Diskursen steuert. Neben dem Bereich der Prosodie, wird Prominenz auch an der Schnittstelle zwischen Morphosyntax und Semantik sowie im Bereich der Diskurspragmatik erforscht. Hierbei soll sowohl die theoretische Modellierung von Prominenz als auch die Operationalisierbarkeit des Prominenzbegriffs für empirische Untersuchungen näher in den Blick genommen werden. Darüber hinaus wird die Rolle von Prominenz im Vergleich zu anderen strukturbildenden Prinzipien in Sprache, Kognition und Kultur diskutiert. Die Klasse 8 steht in enger Verbindung mit dem SFB 1252 "Prominence in Language".