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Judith Butler – Popstar der Wissenschaft

Die Gender-Theoretikerin kommt als Albertus-Magnus-Professorin an die Uni Köln

von Silke Feuchtinger

Foto: Adorno-preis-2012-judith-butler-ffm-287.jpg: Dontworry; derivative work: Emma7stern

Judith Butler, Ikone der Gender-Forschung und vielfach ausgezeichnete Professorin für Rhetorik, Vergleichende Literaturwissenschaft und Kritische Theorie an der University of California, Berkeley, kommt als Albertus-Magnus-Gastprofessorin an die Uni Köln. Weltweit zählt Butler zu den einflussreichsten Geisteswissenschaftlerinnen. Bei a.r.t.e.s. hält sie ein Seminar speziell für Promovierende.

 

a.r.t.e.s.: Herr Professor Speer, Judith Butler kommt nach Köln. Was können wir erwarten?

Andreas Speer: Mit Judith Butler werden wir eine sehr interessante und engagierte Wissenschaftlerin zu Gast haben, die mit ihrem kritischen Geist schon seit drei Jahrzehnten beharrlich wichtige Fragen und Themen anspricht. Für viele Studierende, Forscherinnen und Forscher ist sie eine regelrechte Ikone, vor allen Dingen im Bereich der Gender Studies. Sie ist aber mit ihren Themen weit darüber hinaus verankert.

 

Welche Themen hat Butler speziell für Köln im Gepäck? Wird sie auch auf die aktuelle politische Lage, zum Beispiel im Hinblick auf die Kölner Silvesternacht, Bezug nehmen?

Ihre Vorlesungen wird Butler für uns speziell konzipieren. Es ist daher gut denkbar, dass sie auch auf die gegenwärtige Situation in Deutschland Bezug nehmen wird, zum Beispiel auf unseren Umgang mit Fremden und in diesem Kontext auch auf die verschiedenen Auffassungen von Geschlechterrollen, die in Gesellschaften zu Spannungen führen können. Die Fragen, die uns zurzeit umtreiben, spielen ja in Butlers Forschung seit jeher eine wichtige Rolle: Was führt uns dazu, die Andere oder den Anderen zu respektieren? Warum billigen wir Menschen Schutz zu und warum entziehen wir ihn auch wieder? Ihre beiden Vorlesungen in Köln – „Ethik und Politik der Gewaltlosigkeit“ sowie „Verletzlichkeit und Widerstand neu denken“ – passen sehr gut in diesen Zusammenhang. Vieles hat sich bei Butler zwar aus der Gender-Theorie heraus entwickelt, doch sind diese Fragen zugleich vor dem Hintergrund eines viel breiteren Horizonts zu sehen, der in die verschiedensten Bereiche hineinwirkt. Geschlecht ist da ein besonders markantes, aber längst nicht das einzige Beispiel dafür, wie innerhalb von Gesellschaften und Herrschaftssystemen Friktionen entstehen, konstruiert und durchgesetzt werden.

 

Glauben Sie, dass Judith Butlers Vorlesungen und Seminare für Zündstoff sorgen werden?

Universität ist Debatte, Universität ist Diskussion. Eine lebendige Kontroverse ist genau unser Ziel. Judith Butlers Vorlesungen werden sicherlich vielerlei Anknüpfungspunkte bieten. Wir erleben in diesen Wochen, in denen gerade in Europa revisionistische Kräfte in Wahlen bedenkliche Erfolge feiern, dass wir für viele Dinge, die wir für selbstverständlich genommen haben, offenbar wieder kämpfen müssen – sei es unser Verständnis von Demokratie und politischer Partizipation, sei es die Europa-Idee. Im Vordergrund steht dabei die Frage, wie Gesellschaften eine Zukunft gewinnen können und nicht Gefahr laufen, immer mehr von einer Spirale der Gewalt beherrscht zu werden. Ähnliche Themen treiben auch Butler um, wenn auch mit Blick auf andere Kontexte wie zum Beispiel ihre Heimat USA oder den Israel-Palästina-Konflikt.

 

Judith Butler gilt als eine Art Popstar der Wissenschaft. Unzählige Artikel, Interviews, Filme über sie sind entstanden. Ist das ein typisch amerikanisches Phänomen? Oder liegt es in ihren Themen und ihrer Persönlichkeit begründet?

Bisher ist die Reaktion auf Butlers Kommen tatsächlich der größte Hype nach Noam Chomsky als Albertus-Magnus-Professor. Ich finde es großartig, dass nicht nur Fußballspieler oder Rockstars Leute begeistern, sondern auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Das war es doch, was schon die antiken Philosophen vermitteln wollten: Denken ist cool! Butler bietet hier für viele Menschen Bezugspunkte. Bei der diesjährigen AMP arbeiten wir zudem nicht nur mit der a.r.t.e.s. Graduate School, sondern auch mit GeStiK, den Gender Studies in Köln, zusammen. Aber nicht nur in diesem Bereich, auch in den Literaturwissenschaften ist das Interesse der Studierenden und Forschenden groß. Viele wollen die Autorin jener Texte, die sie vielleicht schon seit Jahren rezipieren, auch einmal live kennenlernen. Ich habe aus der Kommunikation mit Butler den Eindruck einer eher zurückhaltenden Persönlichkeit gewonnen, die eher erstaunt ist über die Funktion, die sie einnimmt. Wenn man wie sie in der Öffentlichkeit steht, hat man eine enorme Verantwortung. Mit dieser geht sie sehr überzeugend um. Dadurch wird sie zu einer großartigen Identifikationsfigur.

 

Wir danken für das Gespräch!