Dissertationsprojekt von Gian Marco Hölk
Arbeitstitel: Città turrite. Der Geschlechterturm und die Entstehung der italienischen Turmstädte
Denkt man an eine Turmstadt, dann ist es vermutlich die Skyline von Manhattan oder Hongkong, die einem als erstes in den Sinn kommt. Das Wetteifern um Höhe in der Hochhausarchitektur, das Anfang des 20. Jahrhunderts New York und heute insbesondere die Vereinigten Arabischen Emirate und den asiatischen Raum prägt, reicht jedoch wesentlich weiter zurück.
Im italienischen Hochmittelalter des 11. und 12. Jahrhunderts, parallel zum Entstehen der freien Kommunen, entwickelte sich mit dem Geschlechterturm „der älteste noch fassbare Typus privaten Bauens in der Stadt“ (Tragbar 2002). Das wohl bekannteste Beispiel, das in seiner kondensierten, mittelalterlichen Gestalt noch Zeugnis von dieser Baukultur ablegt, ist die toskanische Stadt San Gimignano. Ihre 15 noch erhaltenen Geschlechtertürme (von ursprünglich 72) bestimmen bis heute markant ihr Panorama. Auch in Bologna, Rom, Pavia und Florenz finden sich von ehemals weit über hundert profanen Türmen noch zahlreiche Beispiele, von denen jedoch viele – ebenso wie andernorts – gekürzt oder in neuere Gebäude inkorporiert worden sind.
Obwohl davon ausgegangen werden muss, dass es sich bei jeder größeren Kommune Oberitaliens im Mittelalter um eine solche „Turmstadt“ handelte, hat die Forschung diesem städtebaulichen Phänomen bisher nur wenig Beachtung geschenkt. Das Dissertationsprojekt widmet sich eben jenen Städten, in denen eine Häufung von (privaten) Turmbauten nachweisbar ist, vergleicht exemplarisch verschiedene dieser Stadträume und setzt sie miteinander in Bezug. Eine besondere Aufmerksamkeit liegt dabei auf bislang kaum untersuchten Städten wie Ascoli Piceno. Die „città delle duecento torri“ in den Marken zeugt mindestens genauso eindrücklich wie das deutlich berühmtere San Gimignano von den privaten Bauaktivitäten der Adelsfamilien im Mittelalter.
Der Geschlechterturm diente dabei als Medium der Selbstdarstellung, Selbstermächtigung, aber auch der Distinktion und (symbolischen) Verteidigung – und das nicht nur gegenüber anderen Familien, sondern auch gegenüber anderen Städten. Seit dem 12. Jahrhundert konkurrierten die freien Kommunen (insbesondere in der Toskana) fortwährend miteinander. Dabei war die Höhe der Türme, sowohl bei denen der Nobili als auch bei denen der Kommunalpaläste, die sich der Typologie ebenfalls innerhalb kürzester Zeit bemächtigten, entscheidend. Häufig endeten die Fehden damit, dass die überlegenen Parteien die Türme der Unterlegenen schleiften. Erst ab der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts begannen Städte, wie z.B. Florenz, Statuten zu erlassen, die eine maximale Bauhöhe vorgaben und so dem Wettstreit um Höhe Einhalt geboten.
Erstbetreuung: Prof. Dr. Gabriella Cianciolo Cosentino (Universität zu Köln)
Zweitbetreuung: Prof. Dr. Andrea von Hülsen-Esch (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf)
Vorträge und Artist Talks
Die Turmstadt als Imagination des italienischen Mittelalters. Arturo Viligiardis Entwurf für Siena und die Piazza Grande in Arezzo als Beispiele für historistische Stadtprojekte und faschistische Kulturpolitik, Vortrag im Rahmen der Summer School Das Mittelalter im Rückspiegel der Vergangenheit, Universität Zürich, 01. – 05.09.2025.
Gespräch mit Anouk Lamm Anouk anlässlich der Ausstellungseröffnung Anouk Lamm Anouk. GOD – Only She Can Give Absolution, Galerie Gisela Clement, Bonn, 28.08.2025.
Einführungsrede anlässlich der Ausstellungseröffnung Alwin Lay / Markus Saile. Objects in the Mirror, artothek – Raum für junge Kunst, Köln, 07.05.2025.
Migrations- und Kulturtransferprozesse in der Palastarchitektur des Königreichs Sizilien, Vortrag im Rahmen des 9. Forums Kunstgeschichte Italiens, Ludwig-Maximilians-Universität München, 12. – 15.03.2025.
Artist Talk im Rahmen der Ausstellung Ari Benjamin Meyers. Kunsthalle for Music in Mönchengladbach, Act II, Museum Abteiberg, Mönchengladbach, 16.05.2024.
Mit Kloß im Hals und Stress im Magen. Erkundungen produktiver Zerstressung in der Body Art, Vortrag im Rahmen der interdisziplinären Tagung Zerstresst! Spannungen zwischen Ästhetischem und Politischem, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, 07. – 09.12.2023.
Gespräch mit Julia Scher anlässlich der Ausstellungseröffnung Julia Scher. Hochsicherheitsgesellschaft, Museum Abteiberg, Mönchengladbach, 26.03.2023.
Artist Talk im Rahmen der düsseldorf photo+ anlässlich der Ausstellung Shifting, ROSS 31, Düsseldorf, 12.06.2022.
Kehinde Wileys „Judith and Holofernes“: Fragen nach Täter- und Opferschaft, Vortrag im Rahmen der interdisziplinären Tagung Feindbilder, organisiert durch den Kreis der Freunde des Instituts für Kunstgeschichte der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf in Kooperation mit dem Kulturamt der Stadt Hilden und dem Gewerbepark-Süd, 02. – 03.10.2020.
Veröffentlichungen
Mit Kloß im Hals und Stress im Magen. Erkundungen produktiver Zerstressung in der Body Art, in: Chernyshova, Svetlana / Nöllen, Jasmina / Röckl, Ines / Schüchter, Nina-Marie (Hg.): Zerstresst! Spannungen zwischen Ästhetischem und Politischem, Berlin: De Gruyter 2026, S. 67–78. (in Produktion)
Die Neuen von nebenan, in: Förderverein Fuhrwerkswaage e.V. (Hg.): Hamawaki / Hölk / Albatal oder Die Neuen von nebenan, Ausst. Kat., Fuhrwerkswaage, Köln 2025, S. 4–8.
Ari Benjamin Meyers. Hymnus (Fankurve), Kunsthalle for Music in Mönchengladbach, Act III, Ausstellungsbegleitheft, Museum Abteiberg, Mönchengladbach 2025. ONLINE PDF
Ari Benjamin Meyers. Kunsthalle for Music in Mönchengladbach, Act II, Ausstellungsbegleitheft, Museum Abteiberg, Mönchengladbach 2024. ONLINE PDF
Nocthene Nr. 4: Jubiläumsausgabe, Düsseldorf 2023. (gemeinsame Herausgeberschaft mit Sofie Fritz, Christian Heinrichs, Sonja Klein und Nike Nohlen)
Ruinen aus der Zukunft, in: Förderverein Fuhrwerkswaage e.V. (Hg.): Nieves de la Fuente Gutiérrez – ODD//FOES, Ausst. Kat., Fuhrwerkswaage, Köln 2023, S. 2–5.
Julia Scher. Hochsicherheitsgesellschaft, Ausstellungsbegleitheft, Museum Abteiberg, Mönchengladbach 2023. ONLINE PDF
Kehinde Wileys „Judith and Holofernes“ im Kontext von Täter- und Opferschaft, in: Abend, Sandra / Körner, Hans (Hg.): Feindbilder, München: morisel Verlag 2022, S. 140–163.
Stipendien
Stipendium für den Studienkurs Mailand. Inszenierungen einer Metropole der Bibliotheca Hertziana – Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte, 26. – 30.08.2024.
Stipendium für die Dramatiker_innenbörse 2024 im Rahmen von Luaga & Losna. 36. Internationales Theaterfestival für ein junges Publikum, Nenzing (Österreich), 17. – 22.06.2024.
Reisestipendium zur Art Basel, gefördert durch den Jungen Freundeskreis der Kulturstiftung der Länder, 11. – 13.06.2024.
