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Dissertationsprojekt von Nicolai Busch

Das ‚Politisch-Rechte‘ in der Gegenwartsliteratur.
Diskursivierung, Funktionalisierung und Poetisierung ‚politisch-rechter Wirklichkeiten‘ bei Christian Kracht, Simon Strauß und Uwe Tellkamp.
(Arbeitstitel)

Kontroversen um ‚politisch-rechte Tendenzen‘ in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur fanden und finden in Deutschland seit Botho Strauß’ Essay Anschwellender Bocksgesang (1993), Martin Walsers Paulskirchenrede (1998) oder Thor Kunkels Roman Endstufe (2004) regelmäßig statt. Jeweils sind daran unterschiedliche AkteurInnen, darunter vor allem LiteraturkritikerInnen, die debattierten AutorInnen selbst, deren VerlegerInnen, aber auch GermanistInnen beteiligt. Denkbar unterschiedliche Einordnungen und Deutungen vermeintlich ‚rechter‘ AutorInnen und Texte, ebenso wie mitunter gegensätzliche Argumentationsstrategien der Stigmatisierung, Relativierung oder Immunisierung werden von diesen AkteurInnen entsprechend der Wissensbestände ihres literaturkritischen, literarischen oder wissenschaftlichen Diskurses reproduziert. Ob das Etikett ‚rechts‘ einem Text, einer AutorInnen-Position oder einem gesamten ästhetischen Programm gerecht wird, wie es sich begründet und was es bezweckt, scheint damit bis heute gesellschaftlich verhandelbar. Mehr noch: Was das ‚Politisch-Rechte in der Literatur‘ in einer gewissen Kultur und zu einem bestimmten geschichtlichen und politischen Zeitpunkt darstellt, wird überhaupt erst in der regelmäßigen Kontroverse stets aufs Neue diskursiv konstruiert.

Das geplante Projekt setzt hier an, insofern es mittels wissenssoziologisch-diskursanalytischer Ansätze explizit nicht normativierend nach vermeintlich unveränderlichen Konstanten ‚rechter Literatur‘ fragt, sondern danach, wie, warum und mit welchen Folgen ‚rechte Literatur‘ unter heutigen Diskursbedingungen überhaupt als solche ausgewiesen, interpretiert und somit ‚bedeutend‘ wird. Durch dieses Vorgehen wird ganz und gar nicht beabsichtigt, ‚das Rechte‘ in seiner Bedrohung für eine freie, demokratische Gesellschaft zu ignorieren oder zu verharmlosen. Vielmehr soll auch diese Bedrohung ernst genommen und als Teil des diskursiven Gewebes mit durchaus realen Ausprägungen kritisch analysiert werden. Anhand der Kontroversen um Christian Kracht (2012), Simon Strauß (2017-18) und Uwe Tellkamp (2018-heute) gilt es somit, diskursive Regeln offenzulegen, nach welchen ‚politisch-rechte Wirklichkeiten der Literatur‘ heute im Feuilleton und in der Germanistik verschiedenartig konstruiert, interpretiert und politisiert werden. Wissenspoetologisch ist zudem danach zu fragen, wie literarische Texte und AutorInnen an diesen Konstruktionen partizipieren, sie abermals politisch und ästhetisch funktionalisieren oder nach poetischen Regeln gänzlich neu entwerfen. Untersuchungen der Wechselwirkungen und Eigengesetzlichkeiten journalistischer, germanistischer und literarischer Wissensbestände des ‚Politisch-Rechten‘ vor dem Hintergrund der Kontroversen seit den 1990er Jahren schließen sich an.

 

Kurzbiografie

Nicolai Busch studierte von 2011 – 2018 Medienwissenschaft und Germanistik (BA) in Tübingen, Kulturpoetik (MA) in Münster und Komparatistik (MA) in Wien. Als studentische Hilfskraft und Tutor war er in diesem Zeitraum am Tübinger Lehrstuhl von Prof. Bernhard Pörksen sowie am Münsterer Lehrstuhl von Prof. Britta Herrmann tätig. Als Dozent unterrichtet er seit dem Sommersemester 2020 an der Universität zu Köln. Sein durch das Evangelische Studienwerk Villigst gefördertes Dissertationsprojekt wird von Prof. Nicolas Pethes in Köln, Prof. Dr. Moritz Baßler in Münster und Prof. Dr. Fabian Virchow in Düsseldorf betreut.

Kontakt: nicolai.busch(at)uni-koeln.de

 

Stipendien und Gastaufenthalte

Oktober 2016 – April 2017: Erasmus-Stipendium und Gaststudium an der Universität Wien

Oktober 2017: Jelinek-Aufenthaltsstipendium am Literaturhaus Graz

Oktober 2018 – April 2019: Pre-Doc Stipendium der a.r.t.e.s. Graduate School

Januar 2019 – heute: Promotionsstipendium des Evangelischen Studienwerks Villigst

Januar 2021: Gastaufenthalt am GRK ‚Modell Romantik‘ der Universität Jena  

 

Publikationen

Herausgeberschaften

Busch, Nicolai/Süß, Heidi (Hrsg.): Rap und Politische Rechte. Ästhetische Konservatismen im Deutschrap. Weinheim: BELTZ Juventa (In: Seeliger, Martin/Dietrich, Marc (Hrsg.): HipHop-Studies Reihe [Arbeitstitel]) [in Vorbereitung, erscheint 2021].

 

Aufsätze

Busch, Nicolai/Süß, Heidi: Einleitung. In: Dies. (Hrsg.): Rap und Politische Rechte. Ästhetische Konservatismen im Deutschrap. Weinheim: BELTZ Juventa (In: Seeliger, Martin/Dietrich, Marc (Hrsg.): HipHop-Studies Reihe [Arbeitstitel]) [in Vorbereitung, erscheint 2021].

Busch, Nicolai: Rap und Politische Rechte. Terminologische, theoretische und methodische Überlegungen zu einem popkulturellen Phänomen. In: Busch, Nicolai/Süß, Heidi (Hrsg.): Rap und Politische Rechte. Ästhetische Konservatismen im Deutschrap. Weinheim: BELTZ Juventa (In: Seeliger, Martin/Dietrich, Marc (Hrsg.): HipHop-Studies Reihe [Arbeitstitel]) [in Vorbereitung, erscheint 2021].

Busch, Nicolai: Kein Raum für Verhandlung. Elfriede Jelineks Theatertext ‚Wut‘ (2015). In: Janke, Pia/Sczcepaniak, Monika (Hrsg.): Jelineks Räume. Diskurse. Kontexte. Impulse. Wien: Praesens 2017, S. 151-164.

Busch, Nicolai: Ethische Ambivalenz bei Elfriede Jelinek. In: Sprachkunst. Beiträge zur Literaturwissenschaft, Jg. 47/2016, 1. Halbband. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, S. 53-67.

 

Rezensionen

Busch, Nicolai: Rezension zu: Blamberger, Günter/Görner, Rüdiger/Robanus, Adrian (Hrsg.): Biography – A Play? Poetologische Experimente mit einer Gattung ohne Poetik. München: Wilhelm Fink 2020. In: Sprachkunst. Beiträge zur Literaturwissenschaft, Jg. 51/2020, 2. Halbband. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften [in Vorbereitung].

Busch, Nicolai: Leif Randts Politik des Besonderen. Eine Metakritik zu ‚Allegro Pastell‘. Auf: Website der Zeitschrift POP. Kultur und Kritik (17.03.2020). https://pop-zeitschrift.de/2020/03/17/leif-randts-politik-des-besonderenautorvon-nicolai-busch-autordatum17-3-2020-datum/(zuletzt abgerufen am 25.06.2020).  

 

Sonstiges

Busch, Nicolai: Wut als Text-Kontext-Phänomen. Am Beispiel von Elfriede Jelineks ‚Wut‘ (2015). Masterarbeit vom 18. Mai 2018. Auf: Website der Forschungsplattform Jelinek. https://jelinetz.com/2018/05/18/nicolai-busch-wut-als-text-kontext-phaenomen-am-beispiel-von-elfriede-jelineks-wut-2015/(zuletzt abgerufen am 25.06.2020).

Busch, Nicolai: Mythos Europa. Dekonstruktion in Elfriede Jelineks ‚Die Schutzbefohlenen‘ (2013). Essay vom 06. April 2016. Auf: Website der Forschungsplattform Jelinek. https://jelinetz.com/2016/04/06/nicolai-busch-mythos-europa-dekonstruktion-in-elfriede-jelineks-die-schutzbefohlenen/(zuletzt abgerufen am 25.06.2020).

Einzelne Prosa-Texte erschienen in den Literaturzeitschriften metamorphosen, mosaik und ]trash[pool, Hörspiele im Deutschlandradio Kultur.

 

Vorträge

Busch, Nicolai: Post Pragmatic Naivety? Zur Entsagung von Komplexität bei Leif Randt. Vrsl. im Juli 2021. Im Rahmen der ‚XIV. Internationale Konferenz der Vereinigung für Germanistik‘, Universität Palermo.

Busch, Nicolai: „Das Alte neu denken.“ Zur Verhandlung ‚romantischer Politik‘ bei Simon Strauß. Vrsl. im Januar 2021. Im Rahmen des Workshops ‚Romantisierung von Politik. Zur Popularität kultureller Gemeinschaftsideen‘, GRK ‚Modell Romantik‘, Universität Jena.

Busch, Nicolai: Ästhetische Konservatismen im Deutschrap. Terminologische, theoretische und methodische Überlegungen zu einem popkulturellen Phänomen. Gehalten am 05. Dezember 2019 im Rahmen des interdisziplinären Workshops ‚Ästhetische Konservatismen im Deutschrap‘, Universität zu Köln.

Busch, Nicolai: Beyond the Surface? Figures of Transcendence in US and German New Sincerity Fiction. Gehalten am 25. Januar 2019 im Rahmen der ‚International New Sincerity Conference‘, Universität Jena.

Busch, Nicolai: Heimatverlust in Elfriede Jelineks ‚Die Schutzbefohlenen‘ (2013). Gehalten am 18. Dezember 2018 im Rahmen des Seminars ‚Politische Literatur 1968-2018‘, unter der Leitung von Jun.-Prof. Wiebke Dannecker, Universität zu Köln. 

Busch, Nicolai: „Ich träume von einer langen Treppe.“ Denkfiguren des Transzendenten im post-postmodernen Gegenwartsroman. Gehalten am 07. September 2018 im Rahmen der ‚VI. Internationale Konferenz des Europäischen Netzwerks für Studien zur Avantgarde und Moderne (EAM)‘, Universität Münster.

 

Veranstaltungsorganisation

Interdisziplinärer Workshop: Ästhetische Konservatismen im Deutschrap. Am 05. und 06. Dezember 2019, gemeinsam mit Sebastian Berlich (Universität Münster) in der a.r.t.e.s. Graduate School in Köln, gefördert durch das Evangelische Studienwerk Villigst.

 

Lehrveranstaltungen

Sommersemester 2020

Seminar: Konservative Avantgarde? Literatur, Kultur und Politik im frühen 20. Jahrhundert, gemeinsam mit Paula Vosse, Universität zu Köln.

 

Wintersemester 2019/20

Seminar: Banken und Literatur. Doppelsitzung: Alexander Schimmelbuschs ‚Hochdeutschland‘ (2018), gemeinsam mit Adrian Robanus, Universität zu Köln.

 

Wintersemester 2018/19

Seminar: Dorfgeschichten 1840/2010, gemeinsam mit Prof. Cornelia Blasberg, Universität Münster.