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Dissertationsprojekt von Sarah Maupeu

Die Wiederverzauberung des Museum. Post-aufklärerische Tendenzen im Musée du Quai Branly (Paris) und im Kolumba Kunstmuseum (Köln) (Arbeitstitel)

Das 2006 in Paris eröffnete Musée du Quai Branly (im Folgenden abgekürzt als MQB) und das 2007 eröffnete KOLUMBA (Kunstmuseum des Erzbistums Köln) gehören als Ethnologisches Museum und Kunstmuseum unterschiedlichen Museumstypologien an und scheinen auf den ersten Blick völlig verschiedene Konzepte zu verfolgen. In meinem Dissertationsprojekt zeige ich jedoch auf, dass die beiden Museen eine ähnliche Strategie verfolgen, die ich als eine »Wiederverzauberung« des Museums bezeichne. Das MQB und das KOLUMBA nutzen dazu verschiedene museale und architektonische Strategien: die Schaffung atmosphärischer Raumbilder, die Auratisierung und Verlebendigung der Werke, die ahistorische Präsentation der Werke und die Gestaltung des Museumsrundgangs als eine Art Rite de passage. Diese Strategien der »Wiederverzauberung« führen zu einer Inszenierung des Museums als sakraler Ort und einer Stilisierung der Werke zu auratischen »Kultobjekten«. Mit ihren Strategien der Wiederverzauberung wollen sich das MQB und das KOLUMBA vom »aufgeklärten« Museum der Moderne – repräsentiert durch das (Kunst-)Historische und das Wissenschaftsmuseum, aber auch den White Cube-Ausstellungsraum – abgrenzen und ein »anderes«, post-aufklärerisches Museum schaffen. Im Vordergrund steht hier nicht die Vermittlung von Wissen, sondern die Gestaltung des Museumsbesuchs als quasi-spirituelles Erlebnis. Das Konzept des wiederverzauberten Museums bietet einerseits einen unmittelbaren, freien Zugang zur Kunst, es basiert jedoch andererseits auf neoprimitivistischen und universalistischen Vorstellungen, die es zu problematisieren gilt.

 

Kurzbiographie

Studium der Kunstgeschichte, Ethnologie und Philosophie an der Universität zu Köln und der Università degli Studi di Bologna. Seit Mai 2015 wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Bildung und Vermittlung im Deutschen Historischen Museum Berlin. 2014–15 guide conférencière am Musée d’art moderne et contemporain (Mamco) in Genf, Schweiz. 2010–12 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Centrum für interdisziplinäre Frankreich- und Frankophonieforschung der Universität zu Köln. 2008–10 Stipendiatin der a.r.t.e.s. Forschungsschule. Organisatorin der internationalen Tagung „Die Entgrenzung der Kunstgeschichte – Eine Revision von George Kublers ‚The Shape of Time‘“ (Köln 2010) und Herausgeberin des Tagungsbandes „Im Maschenwerk der Kunstgeschichte“ (Berlin 2015). Forschungsschwerpunkte: Museums- und Ausstellungsanalyse und -geschichte, Primitivismus und Evolutionismus, Kolonialismus.

Kontakt: sarah.maupeu(at)gmail.com

 

Publikationen

Zus. mit Kerstin Schankweiler/Stefanie Stallschus (Hg.), Im Maschenwerk der Kunstgeschichte. Eine Revision von George Kublers ›Die Form der Zeit‹, Berlin: Kadmos Verlag, 2014.

Zus. mit Kerstin Schankweiler/Stefanie Stallschus, »Im Maschenwerk der Kunstgeschichte. Zur Aktualität von Kublers ›The Shape of Time‹«, in: Sarah Maupeu/Kerstin Schankweiler/Stefanie Stallschus (Hg.), Im Maschenwerk der Kunstgeschichte. Eine Revision von George Kublers ›Die Form der Zeit‹, Berlin: Kadmos Verlag, 2014, S. 7–23.

»Auf der Suche nach dem verlorenen ›Primärobjekt‹. George Kubler und Francis Alÿs«, in: Sarah Maupeu/Kerstin Schankweiler/Stefanie Stallschus (Hg.), Im Maschenwerk der Kunstgeschichte. Eine Revision von George Kublers ›Die Form der Zeit‹, Berlin: Kadmos Verlag, 2014, S. 159–178.

»A la recherche de l’objet premier perdu. George Kubler et Francis Alÿs«, in: Vincent Cotro, Véronique Meyer, Marie-Luce Pujalte-Fraysse (Hg.), La première œuvre. Arts et musique, XVe–XXIe siècles, Rennes: Presses universitaires, 2014, S. 299–209.

„Die begehrenswerten Dinge“. Kunstgeschichte nach George Kubler, in: Kritische Berichte – Zeitschrift für Kunst- und Kulturwissenschaften, Jg. 39, H. 3, 2011, S. 75–86 (zus. mit Kerstin Schankweiler, Stefanie Stallschus).

Senghor, Picasso und die afrikanische Kunst, in: Léopold S. Senghor – ein Webprojekt der Uni Köln [letzte Aktualisierung: 19.06.2012].

Tagungsbericht zu: Global Art (Salzburg, 29.–30.07.2011). In: H-ArtHist, 25.10.2011. Letzter Zugriff 25.10.2011.

mit Kerstin Schankweiler: Ein Universalmuseum für Berlin? Über "Die Tropen Ansichten von der Mitte der Weltkugel" im Martin-Gropius-Bau, Berlin, in: Texte zur Kunst, Heft 73, März 2009, S. 253–257.

Die Rezeption 'primitiver' Kunst in der Kunstwissenschaft um 1900, in: Ursel Berger, Christiane Wanken (Hg.): Wilde Welten. Aneignung des Fremden in der Moderne. Berlin: Koehler & Amelang Verlag, 2010, S. 97–108. Ausstellungskatalog zur gleichnamigen Ausstellung im Georg-Kolbe-Museum Berlin, 24.2. bis 5.4.2010.

mit Kerstin Schankweiler: Tagungsbericht zu: Die Universalität der Kunstgeschichte? (Freie Universität Berlin, 12.10.2010). In: H-ArtHist, 20.11.2010. Letzter Zugriff 02.12.2010.

 

Vorträge

07.2014: "Mystifizierung als museale Strategie am Beispiel des Musée du Quai Branly (Paris)", Kolloquium des Lehrstuhls Kunst Afrikas, Kunsthistorisches Institut, Freie Universität Berlin.

06.2014: "Mystification as Exhibition Strategy. The Musée du Quai Branly (Paris) and the Kolumba Art Museum (Cologne)", 4. internationale Sommerschule Spatial Relations, Kunsthistorisches Institut, Universität Zürich, Schweiz.

"Aestheticization or Contextualization? Museum Concepts for „Primitive Art“", 15.–20. Juli 2012: Posterpräsentation und Vortrag im Rahmen des Postgraduiertenprogramms von „Beyond the Object“, 33rd Congress of the International Committee of the History of Art, Nürnberg

"The (re)discovery of the primary work – A critical application of George Kubler‘s 'prime object' to Francis Alÿs' exhibition 'Fabiola'", 07. Dezember 2011: Vortrag im Rahmen des in ternationalen Kolloquiums "LA PREMIÈRE OEUVRE (XVe-XXIe siècles)" an der Université Tours

"'Objet de civilisation“ und „art premier' – Die Geschichte der Präsentation außereuropäischer Kunst in Pariser Museen", 03. Dezember 2011: Vortrag im Rahmen der Tagung "Die Kunst auszustellen" am Institut für Kunstgeschichte der Universität Leipzig

" Konzeptionalisierungen »primitiver Kunst«. Visuelle und schriftliche Diskurse im Vergleich", 27. Mai 2011: Vortrag beim ZEUS-Workshop "Über die Ordnung. Museum, museales Wissen und kulturelle Praxis im europäischen Kontext"

"Die Sequenz als Instrument der Wissenschaftsgeschichte", 07.–09. Mai 2010: Vortrag im Rahmen der Tagung "Die Entgrenzung der Kunstgeschichte"

"Die Bedeutung des magischen Bildes in den Kunsttheorien Aby Warburgs und Eckart von Sydows." 15.–20. Februar 2010: Vortrag im Rahmen des Warburg-Kollegs 2010 "Das magische Bild" (organisiert vom Kunstgeschichtlichen Seminar der Universität Hamburg und dem Warburg Haus)

 

Lehrveranstaltungen

Sommersemester 2011

Hauptseminar »Museale Inszenierungen. Historische und aktuelle Strategien im Vergleich«, zus. mit Prof. Dr. Stefan Grohé

Wintersemester 2008/2009

Tutorium »Das Bild des Künstlers«

Sommersemester 2008

Übung »Kunsthistorische Methoden«

 

Titelbild: Masken im Musée du Quai Branly, Paris (Foto: Sarah Maupeu)