zum Inhalt springen

Dissertationsprojekt von Ann-Kristin Kolwes

Die Lebensumstände von Frauen und Kindern deutscher Kriegsgefangener (1941–1956) (Arbeitstitel)

Kriegsgefangene, Trümmerfrauen, Flüchtlinge und Kriegerwitwen prägen auch heute noch die Erzählungen und Erinnerungen zur Nachkriegszeit in Deutschland. Ihre Schicksale erscheinen so dramatisch, dass andere dahinter zurücktreten. Wie etwa die der Frauen und Kindern von Kriegsgefangenen. Neben der außergewöhnlichen Geschichte ihrer Ehemänner und Väter wurden sie in der gesellschaftlichen Erinnerung und der wissenschaftlichen Betrachtung bisher wenig beachtet. In den Blick der Forschung rücken sie erst mit der Heimkehr des Familienoberhauptes und dem erneuten Beginn des gemeinsamen Lebens. Das Dissertationsvorhaben „Die Lebensumstände von Frauen und Kindern deutscher Kriegsgefangener (1941–1956)“ bezieht sich hingegen ausschließlich auf das Leben der Angehörigen von Kriegsgefangenen. Die Arbeit geht von der These aus, dass mit der Kriegsgefangenschaft des Ehemannes und Vaters, dessen Angehörige eine Statusveränderung durch ihr soziales Umfeld erfuhren und sich diese auf ihre Lebensumstände auswirkte. Es soll untersucht werden, welche Auswirkungen eine solche Statusveränderung für die Betroffenen hatte und wie sich diese im Lebensalltag darstellte. Die zeitliche Perspektive von 1941 bis 1956 fokussiert dabei nicht nur die unmittelbare Nachkriegsgesellschaft der BRD, sondern ermöglicht es auch, zeitliche Entwicklungen innerhalb unterschiedlicher gesellschaftlicher Systeme darzustellen. Damit erlaubt das Thema zum einen den Vergleich der Lebensumstände der Angehörigen im Nationalsozialismus und nach der deutschen Kapitulation, zum anderen auch eine vergleichende Perspektive auf die Entwicklungen in der BRD und der DDR. Auf der Grundlage einer mikrohistorischen Betrachtung von exemplarischen Einzelfällen soll ein wichtiger, kaum erforschter Aspekt der deutschen Zeitgeschichte untersucht werden.

 

Kurzbiographie

Ann-Kristin Kolwes hat Geschichte und Psychologie an der Universität Bielefeld studiert. Das Studium schloss sie mit ihrer Masterarbeit „‘Von der Wohnkultur der Wenigen zur Wohnkultur der Vielen‘. Die Bielefelder Gartenvorstadt Am Wellensiek 1929-1933“ ab. Seit April 2014 ist sie Stipendiatin der a.r.t.e.s. Graduate School, Köln. Während ihres Studiums war Ann-Kristin Kolwes als studentische und wissenschaftliche Hilfskraft an verschiedenen Lehrstühlen der Fakultät für Geschichtswissenschaft der Universität Bielefeld tätig. Zudem arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin in einem Forschungsprojekt von apl. Prof. Dr. Hans-Walter Schmuhl im Bereich der Disability History. Lehrerfahrung sammelte Frau Kolwes während ihres Studiums als Tutorin und als Veranstalterin eines Theorieseminars zur „Architekturgeschichte des 20. Jahrhunderts“ an der Universität Bielefeld im SoSe 2014.

Kontakt: annikolwes(at)gmx.de

 

Vorträge

"Die Lebensumstände von Frauen und Kindern deutscher Kriegsgefangener (1941–1956)"
28. November 2015: Vortrag im Rahmen der Nachwuchstagung "Vergessen, Erinnern, Feiern" des Arbeitskreises Historische Frauen- und Geschlechterforschung e.V.

"Die Lebensumstände von Frauen und Kindern deutscher Kriegsgefangener (1941–1956)"
06. Oktober 2015: Vortrag im Rahmen der Doktorandenschule "Frieden und Konflikt: Theorie und Empirie aus historischer, sozialwissenschaftlicher und kulturwissenschaftlicher Perspektive"

 

Publikationen

"Von der Wohnkultur der Wenigen zur Wohnkultur der Vielen." Die Bielefelder Gartenvorstadt Am Wellensiek 1927–1933", in: Jahresbericht des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg 101 (2016), S. 119–196.

"Lieber Herr Staatspräsident, können Sie nicht helfen, daß mein Vati bald nach Hause kommt." Briefe von Kindern deutscher Kriegsgefangener an die Regierung der DDR (1950–1955), in: Kleinau, Elke/ Mochmann, Ingvill C. (Hrsg.), Kinder des Zweiten Weltkrieges. Stigmatisierung, Ausgrenzung, Bewältigungsstrategien, Frankfurt a. M. 2016, S. 265–282.

 

Lehrveranstaltungen

Sommersemester 2014

Seminar: "Wohnblock – Heimstätte – Plattenbau. Architekturgeschichte des 20. Jahrhunderts", Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie, Universität Bielefeld

 

Titelbild: Plakat zur Kriegsgefangenen-Gedenkwoche 1953, in: Der Heimkehrer. Stimme der Kriegs-Generation (1953), Nr. 10, S. 1. // Portraitfoto: Patric Fouad