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Dissertationsprojekt von Madita Wierz

Digitale Raumdarstellungen und Raumkonstrukte als Methode zur Erkenntniserzeugung in der Kunstgeschichte (Arbeitstitel)

Der gebaute Raum besitzt einen immersiven Charakter. Er sollte stets von einem kritisch beobachtenden Benutzer_in hinterfragt und betreten werden können. Kunstgeschichtlich betrachtet ging es beispielsweise im Barock vor allem um die Umsetzung von perfektionierten Trompe-L’œils und fingierten optisch kunstvollen Effekten, die Architekturprospekte suggerierten und somit die künstlerische Erweiterung des Realraumes zur Folge hatten. Demnach wurde der Betrachter mit immersiven künstlerischen Mitteln in das jeweilige Herrscherprogramm visuell integriert.

Die digitale Transformation der heutigen Zeit liefert nun technologische Instrumente, um solche Räume computergeneriert aufzuarbeiten und in der Virtual Reality mit anderen Beobachtungsteilnehmern_innen und Benutzern_innen gemeinsam zu analysieren. Mit der Hilfe von Laserscans, CAD-Programmen und Photogrammetrie-Softwares können mittlerweile Konstruktionsverfahren aus der Bauforschung, archäologische Funde und Rekonstruktionen sowie architektonische Gebilde als dreidimensionale digitale und immersive Umgebungen konstruiert werden. Diese neuen digitalen Bild- und Raumobjekte befinden sich inzwischen im Repertoire des Kunsthistorikers_in und können bereits physisch betreten werden. Jedoch gibt es bislang noch keine einheitliche Begriffsbestimmung oder Festlegung einer Typologie sowie Kriterien, die solche Räume kennzeichnen.

An dieser Stelle soll das Dissertationsprojekt ansetzen. Folglich wird die These aufgestellt, dass immersive Räume ein eigenes Genre thematisieren und sie sich als eigenständige Gattung in der Kunstgeschichte etablieren werden. Im Fokus stehen Räume, die sich insbesondere mit der Repräsentation von Architektur und räumlichen Handelns auseinandersetzen. Folglich sind dies einerseits analoge immersive Umgebungen, die ohne digitale Hilfsmittel erstellt oder ausgestattet worden sind. Die totalen Rauminstallationen vom belgischen Künstler Hans op de Beeck sollen exemplarisch in das Forschungsprojekt einbezogen werden. Dem werden digitale Räume, die mit einem technischen visuellen Ausgabegeräte (Head-Mounted-Display, CAVE, digitale 3D-Modelle) präsentiert werden, gegenübergestellt.

Ziel der Dissertation ist also herauszufinden, welche Kriterien ein digitaler immersiver Raum erfüllen muss, um als solcher bezeichnet zu werden. Dabei soll die systematische Kategorisierung von Immersion und ihre visuellen Varietäten erarbeitet werden, um den computergenerierten dreidimensionalen Raum zu begreifen und dessen Potenzial für die Kunstgeschichte offen zu legen.

 

Kurzbiografie

Madita Wierz studierte Kunstgeschichte und Erziehungswissenschaften an der Universität zu Köln. In München absolvierte sie schließlich ihren Bachelor in Kunstgeschichte und Soziologie und beendete 2017 ihren Master in Kunstgeschichte.

Parallel zu ihrem Studium arbeitete sie als Redaktionsmitarbeiterin im Callwey Verlag für das Fachmagazin für Konservierung und Restaurierung RESTAURO. Darüber hinaus hat sie praktische sowie theoretische Kenntnisse in der Umsetzung von digitalen 3D-Modellen (u.a. Schloss Neuschwanstein, Treppenhaus Neue Residenz Würzburg, Kaisersaal Neue Residenz Bamberg), die in Zusammenarbeit mit der Firma illustrated architecture unter der Leitung von Herrn Bernhard Strackenbrock gewinnen können.

Des Weiteren war sie während ihrer universitären Laufbahn als Kunst- und Kulturvermittlerin in Augsburg im Römermuseum und Schaezlerpalais tätig. In Köln geht sie dieser Tätigkeit heute noch im Kunstkommunikationsprozess der „Freunde des Wallraf-Richartz-Museum und des Museum Ludwig e.V.“ nach und ist zudem Lehrbeauftrage am Department Kunstwissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seit 2019 ist sie Kollegiatin an der a.r.t.e.s. Graduate School for the Humanities Cologne.

Kontakt: madita.wierz(at)gmail.com

 

Publikationen

Die Kammerkapelle der Kurfürstin in 3D, in: Akademie Aktuell, Zeitschrift der bayerischen Akademie der Wissenschaften, Barocke Deckenmalerei. Ein neues Projekt über die architekturgebundene Malerei der frühen Neuzeit (Ausgabe 02/2016), Ute Engel Hrsg. (u.a.), München 2016, S. 76–81

Verlust der Vergangenheit, Restauro, Fachmagazin für Konservierung und Restaurierung (07/2015), München, S. 12–13

Denkmal versus Neugestaltung, Restauro, Fachmagazin für Konservierung und Restaurierung (04/2016), München, S. 13

2015 Kulturerbe Retten, in: https://www.restauro.de/kulturerbe-retten

2016 Stadtmauer Bamberg, in: https://www.restauro.de/stadtmauer-bamberg

2016 CAVE - Die Kunst der Digitalisierung, Interview in: https://www.restauro.de/cave-kunst

 

3D-Modelle

Gartensaal (2017), Neue Residenz Würzburg, Reality Capture, illustrated architecture: https://sketchfab.com/3d-models/residenz-wurzburg-gartensaal-185d22a3c2784feaac145c2268d93d8e

Kaisersaal (2017), Neue Residenz Bamberg, Reality Capture, illustrated architecture: https://sketchfab.com/3d-models/kaisersaal-residenz-bamberg-7f92051a9b474242abe9372e45df5ca3

Schloss Neuschwanstein Geländemodell (2017), Reality Capture, illustrated architecture: https://sketchfab.com/3d-models/schloss-neuschwanstein-digitales-gelandemodell-65a5050b20084bfeb6613e1a69f313b7

Apollozimmer (2017), Dianazimmer (2017), Stadtresidenz Landshut, Reality Capture, illustrated architecture: https://sketchfab.com/3d-models/stadresidenz-landshut-diana-apollozimmer-381a224d91264e9aae5487fd2a496dd6

Venusgrotte (2017), Schloss Linderhof (Park), Reality Capture, illustrated architecture: https://sketchfab.com/3d-models/venusgrotte-park-linderhof-398628a948e640c2b8fdcf9e4475ee09

 

Lehrveranstaltungen

2020

Proseminar zum Wissenschaftlichen Denken und Arbeiten am Department Kunstwissenschaften, Ludwig-Maximilians-Universität München

 

Titelbild: Bamberger Kaisersaal (Digital) der Neuen Residenz Bamberg in der 5-seitigen Projektionsinstallation CAVE im Leibniz-Rechenzentrum der bayerischen Akademie der Wissenschaften Garching (bei München) (Bildrechte: Madita Wierz/Sabine Rosplesczc) // Portraitfoto: Patric Fouad