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Dissertationsprojekt von Tristan Spillmann

Die repastinatio aller Wissenschaften. Lorenzo Vallas kritischer Humanismus zwischen Konformitätsdruck und Konfrontation (Arbeitstitel)

Der italienische Humanist Lorenzo Valla (1406–1457) gilt in der Forschung als eine der schillerndsten Figuren des Quattrocentos. Als unkonventioneller Denker, der bewusst ideologische Grenzen überschritt, löste er etliche Kontroversen aus und machte sich im Laufe seines Lebens eine Vielzahl an mächtigen Feinden. Gegenstimmen schienen ihn jedoch vielmehr anzuspornen über das Sag- und Denkbare des 15. Jahrhunderts hinauszugehen. In bissigen Schmähschriften stellte er die fachliche Integrität seiner Konkurrenz in Abrede und profilierte sich mit bemerkenswerten Beiträgen zu den maßgeblichen humanistischen Forschungsthemen seiner Zeit. Seine Zurückweisung autoritativer Lehrmeinungen kam einer Kriegserklärung an die intellektuelle Gemeinschaft gleich, dessen sich der Freidenker auch durchaus bewusst war.

Valla forderte nicht weniger als eine umfassende „Umpflügung“ (repastinatio) aller wissenschaftlichen Disziplinen durch die Erhebung der Philologie zur universalen Grundwissenschaft. Mit radikaler Rhetorik stilisierte er sich zu einem zweiten Camillus, dem einstigen Retter Roms, und nahm für sich in Anspruch, mit seinen Schriften „neues“ Wissen zu schaffen.

Wie kein anderer brachte der streitbare Gelehrte das Spannungsverhältnis der humanistischen Bewegung zwischen Beharrung und Wandel zum Vorschein. In meiner Dissertation möchte ich ein intellektuelles Profil zu Valla erstellen und anhand des biographischen Ansatzes die Funktionsweise der humanistischen Gelehrtenwelt der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts herausarbeiten. Im Vordergrund stehen hierbei die intellektuellen Praktiken und Konventionen des Humanismus.

 

Kurzbiografie

Tristan Spillmann, M.A., geboren 1991, studierte zunächst von 2011 bis 2016 Anglistik/Amerikanistik und Geschichte im kombinatorischen Bachelor of Arts an der Bergischen Universität Wuppertal. Im Anschluss folgte von 2016 bis 2018 das Masterstudium Europäische Geschichte mit den Schwerpunkten Mittelalter und Frühe Neuzeit. Beide Abschlussarbeiten wurden von Prof. Jochen Johrendt betreut und behandelten „Die Karolingische Reichseinheitsidee. Kooperation und Konflikte in der ersten Brüdergemeine im Zeichen ihrer Verträge (843–855)“ (Bachelorarbeit, 2016) sowie „Apostolische Rhetorik und päpstliche Politik zwischen humilitas und potestas. Handlungsfelder und Regierungsprinzipien der Apostelfürsten Petrus und Paulus im Briefregister Papst Gregors des Großen“ (Masterarbeit, 2018). Parallel war er als wissenschaftliche Hilfskraft im Graduiertenkolleg 2196 „Dokument – Text – Edition“ (2016 bis 2019) sowie im Qualifizierungsprogramm der Bergischen Universität Wuppertal „GuStaW“ tätig. Von 2016 bis 2018 war er überdies Stipendiat des Deutschlandstipendienprogrammes.

Seit April 2019 arbeitet Tristan Spillmann als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Kölner Graduiertenkolleg 2212 „Dynamiken der Konventionalität 400–1550“ im Fach mittellateinische Philologie an einer intellektuellen Biographie des italienischen Humanisten Lorenzo Valla. Die Dissertation wird von Prof. Peter Orth (Köln) und Prof. Elisabeth Stein (Wuppertal) betreut.

 

Publikationen

Tagungsbericht „(un)documented – Was bleibt vom Dokument in der Edition?“, veröffentlicht auf H / Soz / Kult, 2.4.2019.

Rezension: Christine Maes, Adelige Frauen der Renaissance auf der Suche nach Freundschaft und Liebe, Goch 2016, zusammen mit Frau Prof. Elisabeth Stein (Wuppertal), veröffentlicht in: Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins Bd. 104 (2012–2016), 1.9.2018.

Tagungsbericht: „Der Rotulus im Gebrauch. Einsatzmöglichkeiten, Gestaltungsvarianz und Aussagekraft einer Quellengattung“, zusammen mit Caterina Cappuccio (Wuppertal), veröffentlicht auf H / Soz / Kult, 15.12.2016.

 

Vorträge

Vom wahren und falschen Guten oder von humanistischer Streitlust: Lorenzo Vallas Ethik als kalkulierter Konventionsbruch, 14.5.2019 (Interdisziplinäres mediävistisches Kolloquium der Bergischen Universität Wuppertal).

Lorenzo Valla. Ein Querdenker zwischen Wahrheitsfindung und politischer Korrektheit, 26.10.2018 (Kolloquium der Historischen Institute der Bergischen Universität Wuppertal und der RWTH Aachen).

 

Titelbild: Gängiges Portrait von Lorenzo Valla, nach Theodoro de Bry aus dem Jahr 1669 // Portraitfoto: Patric Fouad