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Dissertationsprojekt von Christina Becher

‚Vegetal Empowerment‘. Pflanzlich-menschliche Hybridisierungen in Literatur und Bildmedien des 20. und 21. Jahrhunderts (Arbeitstitel)

Gegenwärtig bestimmt ein gestiegenes Interesse an unserer Umwelt, am Klimawandel und an der lokalen wie globalen Pflanzenwelt die gesellschaftlichen Diskurse: Die Fridays for Future, die Proteste gegen die Rodung des Hambacher Forsts, Ausstellungen wie Von Pflanzen und Menschen im Deutschen Hygiene-Museum in Dresden und Buchtitel wie Das Geheime Leben der Bäume (2015) von Peter Wohlleben legen davon Zeugnis ab. Pflanzen kommen in der westlichen Kulturgeschichte aber auch in hybridisierter Form daher: Anschließend an die Untersuchungen von Mensch-Tier-Mischwesen innerhalb der Animal Studies nimmt das Promotionsprojekt ‚Vegetal Empowerment‘. Pflanzlich-menschliche Hybridisierungen in Literatur und Bildmedien des 20. und 21. Jahrhunderts mit Bezug auf die sich aktuell etablierenden Plant Studies vegetabil-humane Hybridisierungen in den Blick.

Seit der Antike bekannt, ‚wuchern‘ sie vor allem zu Beginn des 20. Jahrhunderts, z. B. in früher Science Fiction, fantastischer Literatur und in Grotesken. Gegenstand der Analysen sind deutsche Prosatexte, die während dieser vielfach als krisenhaft wahrgenommenen Zeit entstanden sind und in denen das botanische Verfahren der ‚künstlichen‘ Hybridisierung ausgestellt und durch möglicherweise unterschiedliche Techniken inhaltlich wie formal realisiert wird. Andere botanische Konzepte wie die Metamorphose oder der Generationswechsel finden ebenfalls häufig Eingang in die Literatur und werden im Zusammenhang mit den Hybridisierungen untersucht. Die Prosatexte von Kurd Laßwitz, Alfred Döblin u. a. nutzen im Gefolge des Evolutionstheoretikers Charles Darwin und des Naturphilosophen Gustav Theodor Fechner die experimentellen Möglichkeiten der Literatur, um ihre Figuren mit Hybridisierungen aus Mensch und Pflanze zu konfrontieren oder aber sie als Wissenschaftler und Künstler solche selbst herstellen zu lassen. Dabei stellen sich vor allem Fragen nach einer poetologischen Lesart der Hybridisierungen, ihrer Bedeutung für eine Proto-Ökologie und ihren Verhandlungen von Natur/Kultur.

Der zweite Analyseschwerpunkt innerhalb der Arbeit wird auf Texten liegen, die um und nach 2000 entstanden sind. Wie bereits eingangs skizziert, wächst in unserer Gegenwart ein (ökologisches) Krisenbewusstsein; zeitgleich erleben auch die vegetabil-humanen Hybriden wieder eine Art Hochkonjunktur, die sich in literarischen Texten, graphischer Literatur, Filmen usw. niederschlägt. Vor der Folie der Verwendung am Anfang des 20. Jahrhunderts soll den semantischen wie medienästhetischen Veränderungen der Hybridisierungen ebenso nachgespürt werden wie den Gemeinsamkeiten: In Kontexten von Poiesis, Ökologie und Genderbewusstsein können diese besonders im Sinne einer Ermächtigungsbewegung nachvollzogen werden, die pointiert als ‚Vegetal Empowerment‘ benannt wird.

 

Kurzbiographie

Christina Becher, geboren 1992 am Niederrhein, absolvierte ihr Bachelorstudium der Fächer Germanistik und Kultur- und Sozialanthropologie (B.A.) an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster, wo sie 2017 bzw. 2018 auch die beiden Masterstudiengänge Germanistik (M.A.) und Kulturpoetik der Literatur und Medien (M.A.) abschloss. Während ihres Studiums arbeitete sie erst als studentische, später als wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Literatur des Mittelalters bei Prof. Dr. Bruno Quast, als studentische Hilfskraft im Sonderforschungsbereich 1150: Kulturen des Entscheidens im Projekt von Prof. Dr. Martina Wagner-Egelhaaf und in der Bibliothek des Germanistischen Instituts der WWU Münster. Sie ist Mitherausgeberin der Zeitschrift Textpraxis. Digitales Journal für Philologie und Mitglied im Literary and Cultural Plant Studies Network.

Seit April 2019 promoviert sie an der a.r.t.e.s. Graduate School im Fach Deutsche Philologie. Die Arbeit wird betreut von Prof. Dr. Nicolas Pethes (Universität zu Köln) und Asst. Prof. Dr. Joela Jacobs (University of Arizona). Als EUmanities-Fellow wird sie ihre Mobilitätsphase von August 2019 bis Februar 2021 an der University of Arizona in Tucson verbringen.

Kontakt: christina.becher(at)uni-koeln.de

 

Vorträge

„Baumwerdung. Poetisches und positiv-kritisches Potential gegenwärtiger Bestattungspraktiken“, 25. November 2017, interdisziplinäre Nachwuchstagung „‚Positive‘ Kritik. Ermöglichende Perspektiven in Wissenschaften, Künsten und sozialen Praktiken“, Otto-Friedrich-Universität Bamberg.

„Von Pflanzenmenschen und Blumenkindern. Hybride Daseinsformen als Medien der Kulturkritik“, 21. Januar 2016, „Erstes Mastersymposium der Germanistik“, Westfälische Wilhelms-Universität Münster.

 

Lehrveranstaltungen

Sommersemester 2018

Propädeutika zum wissenschaftlichen Arbeiten und Schreiben in der germanistischen Literaturwissenschaft, Germanistisches Institut, Westfälische Wilhelms-Universität Münster

 

Titelbild: Kahn & Selesnick: „King of Weeds“, 2013, Archival Inkjet Print (http://kahnselesnick.biz/truppe-fledermaus/kbzvz8rsjrpv78xbt3erlenbhfhpys)


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