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Dissertationsprojekt von Alisa Hajdarpašić

Techniken der Kohärenzbildung in den mittelalterlichen Mahrtenehegeschichten (Arbeitstitel)

Im Rahmen dieser Arbeit sollen Assoziationsregeln untersucht werden, nach denen einzelne Erzählsequenzen und Episoden sowohl in ihren jeweiligen unmittelbaren Kontext, als auch in das Werkganze eingebettet sind. Dabei werden über die komplexen Motivationsstrukturen hinaus die Verknüpfungselemente und -verfahren analysiert, die Zusammenhänge stiften. Ausgangspunkt der Analyse sind die Texte, deren Erzählverlauf mehr oder weniger stark an das Schema von der gestörten Mahrtenehe gebunden ist. Die Erzählungen dieses Typus berichten von der Verbindung eines Menschen mit einem andersweltlichen Wesen, die immer an die Einhaltung eines Tabus geknüpft ist, dessen Übertretung das Erzählmuster jedoch vorsieht.

Mit den nach diesem Erzählschema organisierten Handlungsfolgen werden in den Texten aber stets Motive, Figuren, Raumkonstellationen und Handlungspunkte verflochten, die aus anderen Erzählmustern und Gattungen stammen, wodurch in den meisten Fällen vielschichtige Kompositionen und Gattungshybride entstehen. Kombinationsregeln unterschiedlicher Schemata und Erzählgattungen kommen so in Verbindung miteinander, was zu Widersprüchen, Kurzschlüssen und Blindflecken, aber auch zu unterschiedlichen Arten von Lösungen, Überbrückungen und Übergängen an den Knotenpunkten führen kann. Ebenso stark wie von den unterschiedlichen Erzählkonventionen einerseits ist die Gestaltung der Texte anderseits von Kultur- und Sozialdiskursen geprägt, die an ihren Normenhorizonten teilnehmen. Dadurch, dass die gleichen Erzählschemata und Strukturen immer wieder unterschiedliche Besetzungen erlauben und in neuen Kontexten situiert werden, finden verschiedene kulturelle Muster Eingang in die Texte und auch sie werden mit- und gegeneinander durchgespielt.

Statt von der Annahme einer systematischen Ganzheit des Kunstwerks auszugehen, werden deshalb bei der Analyse divergierende Sinnhorizonte und die Integration von Heterogenem im Textgewebe wahrgenommen. Unter Berücksichtigung der dem vormodernen Erzählen eigenen Spielregeln wird die Leitfrage verhandelt, wie die Texte mit der Zusammensetzung widersprüchlicher Schema-, Gattungs-, Sozial- und Kulturnormen oder mit deren Überschreitung umgehen, um darauf aufbauend auf die zugrunde liegenden Kompositionsregeln einzugehen.

 

Kurzbiographie

Alisa Hajdarpašić studierte Deutsche Sprache und Literatur an der Universität Montenegro, mit Aufenthalten an der Freien Universität Berlin, als DAAD-Stipendiatin, und an der Universität Wien, als OeAD-Stipendiatin. Ihr Studium setzte sie fort an der Università degli Studi di Palermo, Universität Bremen und Universidade do Porto als Erasmus Mundus Stipendiatin im Rahmen des GLITEMA-Masterstudienganges (German Literature in The European Middle Ages). Seit April 2018 promoviert sie an der Universität zu Köln als Kollegiatin im DFG-Graduiertenkolleg 2212 „Dynamiken der Konventionalität (400–1550)“ mit dem oben beschriebenen Projekt zum vormodernen Erzählen.

Kontakt: a.hajdarpasic(at)uni-koeln.de

 

Vorträge

„Modes and strategies of building a coherent narrative in medieval Mahrtenehe stories“, a.r.t.e.s. Kolloquium 2018, Schloss Wahn, Köln.

Titelbild: Peter Paul Rubens: A Forest at Dawn with a Deer Hunt; Quelle: The Metropolitan Museum of Art. (Der Wald, die Dämmerung und die Hirschjagd stellen in den Mahrtenehegeschichten ein typisches Setting für die Begegnung mit den andersweltlichen Wesen dar.) // Portraitfoto: Patric Fouad