skip to content

Selected Language Not Found

This page is not available in the language that was selected in the URL (L=19). You will be redirected to an existing language of this page. Please click here to go to an existing language.

Dissertationsprojekt von Jörn Wiengarn

Vertrauen in Lebensformen: Eine praxisphilosophische Untersuchung der Rationalität interpersonellen Vertrauens (Arbeitstitel)

Ein diffuses Vorverständnis besagt, dass Vertrauen zwischen zwei Personen in der Regel intuitiv oder gar „blind“ ablaufe. Dies kann nun aber in epistemologischer Hinsicht zumindest nicht besagen, dass die beiden Vertrauenspartnerinnen in keiner Form wissen, was sie tun oder welches Risiko sie eingehen. Zugleich kann dies in rationalitätstheoretischer Perspektive nicht bedeuten, dass sich Vertrauen vollkommen willkürlich oder zufällig zeigt. Vertrauen ist vielmehr ein praktisch-rationales Verhalten, für das Personen praktische Gründe angeben können. Die Klärung dieses Zusammenhangs zwischen Vertrauen und praktischen Gründen steht im Zentrum meiner Arbeit. Dabei geht es nicht nur um Beantwortung der Frage, welche Arten von Gründen für Vertrauen relevant sind, sondern immer auch um eine phänomenangemessene Beschreibung der praktischen Überlegung von Vertrauensgeberin als auch Vertrauensnehmerin.

Diese Fragen diskutiere ich in einem ersten Schritt kritisch bezüglich dreier paradigmatischer Linien in der Vertrauensliteratur: einer spieltheoretischen, einer werttheoretischen und einer anerkennungstheoretischen bzw. zweitpersonalen. Dabei stelle ich stets auch das jeweils zugrundeliegende Konzept praktischer Gründe heraus und diskutiere dessen Angemessenheit für den Fall interpersonellen Vertrauens. In einem zweiten Schritt argumentiere ich für die Leitthese, dass es sich bei Vertrauen um eine spezifische soziale Praxis in einem breiteren praktischen Rahmen (einer „Lebensform“) handelt. Vertrauen findet demnach gewissermaßen nicht in einem luftleeren Raum, sondern immer schon im Kontext institutionalisierter oder habitualisierter Praktiken statt. Diese stellen überindividuelle Orientierungen für Vertrauende bereit, und zwar sowohl in epistemischer als auch in normativer Hinsicht. Zugleich sind soziale Praktiken jedoch wesentlich dynamisch und abänderbar, können damit also Akteurinnen niemals durch und durch entlasten. Interpersonelles Vertrauen bewegt sich wesentlich in dieser Spannung und aus dieser lässt sich auch dessen spezifisch herausfordernder Charakter nachvollziehen. Insbesondere den zweiten Teil der Arbeit entwickle ich schwerpunktmäßig unter Rückgriff auf die Spätphilosophie Wittgensteins und die Handlungstheorie Anscombes.

 

Kurzbiographie

Jörn Wiengarn studierte an der TU Darmstadt Physik, Politik und Wirtschaft und Philosophie/Ethik. Ende 2016 schloss er sein Studium mit dem Ersten Staatsexamen ab. In seiner Abschlussarbeit setzte er sich mit zeitgenössischen tugendethischen Ansätzen unter Rückgriff auf die Spätphilosophie Wittgensteins auseinander. Während seines Studiums war er mehrfach als Tutor beim AStA und am Institut für Philosophie der TU Darmstadt tätig. Im Oktober 2017 erhielt er ein Stipendium zur Promotionsvorbereitung der a.r.t.e.s. Graduate School for the Humanities Cologne. Seit April 2018 ist er ebendort Stipendiat im Integrated Track.

Kontakt: jwiengar(at)smail.uni-koeln.de

 

Titelbild: „Le Tricheur à l'as de careau“ von Georges de La Tour (Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/9/91/La_Tour_Le_Tricheur_Louvre_RF19 72-8.jpg/320px-La_Tour_Le_Tricheur_Louvre_RF1972-8.jpg) // Profilbild: Patric Fouad