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Dissertationsprojekt von Markus Jansen

Der Stellenwert von Kriegsführung und Verteidigung in der spätmittelalterlichen Kölner Führungsschicht vom 13.─16. Jahrhundert (Arbeitstitel)

„Insoweit kann es auch nicht weiter überraschen, daß Kriege in besonderer Weise identitätsstiftend wirken.“ (Hans Henning Kortüm: Krieg im Mittelalter. Berlin 2001, S. 38.) Diese Feststellung bildet gewissermaßen den Ausgangspunkt eines Projektes, das die mittelalterliche Kriegsgeschichte von ihrer kulturellen Seite her betrachten will. Das Phänomen ‚Krieg‘ soll daher nicht als eine bloße Abfolge gewaltsamer Auseinandersetzungen begriffen werden, sondern als in jeglicher Hinsicht einschneidendes Erlebnis, das deutliche Spuren im Gedächtnis einer Gesellschaft hinterließ. Vergangene Konflikte konnten individuell wie kollektiv beansprucht und so zur Basis einer martialischen Selbstdarstellungsstrategie werden.

Im Fokus steht hier mit der spätmittelalterlichen Stadt Köln ein vergleichsweise abgeschlossener Raum und mit der städtischen Führungsschicht eine recht klar umrissene Personengruppe. Das Augenmerk dabei auf eine der bedeutendsten Städte des europäischen Abendlandes zu legen, verspricht zudem insofern neue Erkenntnisse, als dass gerade Stadtgesellschaften bisher selten auf die martialischen Facetten ihrer Vergangenheit hin untersucht wurden. Ziel des Projektes ist es, die Formen und Konjunkturen kriegerischer Betätigung und die auf derselben fußende Selbstdarstellung innerhalb der Kölner Oberschicht im Spätmittelalter zu untersuchen. Als Zeitrahmen wurde dabei eine vergleichsweise lange Spanne von der Mitte des 13. Jahrhunderts bis in die 1580er Jahre gewählt. Einerseits soll dies illustrieren, dass die ‚Epochengrenze‘ um 1500 für diese Thematik wenig Relevanz besitzt. Andererseits können gerade in der longue durée prominente Narrative und Traditionen aufgezeigt wie auch deren Brüche und Verschiebungen untersucht werden.

Für die Annäherung an das Selbstverständnis einer Personengruppe bedarf es eines möglichst vielfältigen Quellenspektrums. Nur falls vergleichbare Motive in diversen Medien wiederkehren – deren Entstehung zudem mit der Kölner Führungsschicht in Verbindung gebracht werden können – und so Elemente der eigenen Geschichte memoriert werden, kann auf eine größere Bedeutung und Verbreitung derselben geschlossen werden. Daher umfasst das Quellenkorpus des Projektes nicht nur das städtische Schriftgut und die Kölner Historiographie, sondern auch Bau- und Kunstwerke, die von der Führungsschicht oder deren Mitgliedern initiiert oder beeinflusst wurden. Dies betrifft zunächst die Skulptur, Glas- und Tafelmalerei, aber auch die ‚öffentlichen‘ Bauten der Stadt, allen voran die Stadtmauer, das Rathaus und der Gürzenich. So soll auf Basis einer spätmittelalterlichen Kriegsgeschichte der Stadt Köln dargestellt werden, wie kriegerische Aktion und Ethos die Selbstdarstellung ihrer Führungsschicht beeinflussten und wie die Erinnerung an die kriegerischen Taten der eigenen Vergangenheit kollektiv in Anspruch genommen wurde.

 

Kurzbiografie

Markus Jansen, geboren 1988, studierte Geschichte, Kunstgeschichte und Medienkulturwissenschaft in Siegen, Madrid und Köln. Er arbeitete als Tutor am Historischen Institut der Universität zu Köln und nahm am Research Master-Programm der a.r.t.e.s. Graduate School teil. Von Oktober 2017 bis März 2018 wurde sein Dissertationsprojekt durch das Stipendium zur Promotionsvorbereitung bei a.r.t.e.s. gefördert. Seit April 2018 ist er Kollegiat des Graduiertenkollegs 2212 ,Dynamiken der Konventionalität (400–1550)‘ und im Integrated Track. Das Projekt wird von Prof. Dr. Marita Blattmann (Universität zu Köln) und Prof. Dr. Dr. h.c. Gerhard Fouquet (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel) betreut.

Kontakt: mjanse12(at)smail.uni-koeln.de

 

Publikationen

Bildete die Kölner Stadtmauer das Himmlische Jerusalem nach? In: Mitteilungen aus dem Stadtarchiv von Köln 103/2018, S. 39–55.

Die Memoria von Krieg und Verteidigung im spätmittelalterlichen Köln. In: Geschichte in Köln 64/2017, S. 43–70.

„myt dem swerde gewonnen“. Die Burgenpolitik der Stadt Köln im Spätmittelalter. In: Forschungen zu Burgen und Schlössern Bd. 21. Im Druck.

 

Vorträge

Heroes and the City. Heroic Figures in Late Medieval Cologne and their Function for the Urban Identity Vortrag beim Workshop „Urban Military Matters in the Late Middle Ages: Warfare, Trade and its Organization”, Wien, 11. und 12. Juni 2018.

Städtische Kriegsführung im späten 14. Jahrhundert. Ausgaben für Krieg und Verteidigung in den Kölner Stadtrechnungen. Vortag beim Workshop „Zahl und Schrift im Mittelalter“ der Abteilung für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Historisches Seminar, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, 08. Juni 2018.

‚Jede Stadt braucht ihre Helden‘ – Städtische Heldenfiguren im spätmittelalterlichen Köln. Vortrag im Oberseminar im Sommersemester 2018 „Neue Forschungen zur mittelalterlichen Geschichte“, Universität zu Köln, 05. Juni 2018.

Zwischen Zerstörung, Befehdung und Unterhalt. Das Verhältnis einer Reichsstadt zu den Burgen in ihrer Umgebung am Beispiel Kölns. Vortrag auf der 27. Jahrestagung der Wartburg-Gesellschaft, Gera, 28. April – 01. Mai 2018.

Die Stadtmauer als Medium der Stadtherrschaft und Stadthoheit. Vortrag auf der 36. internationalen Tagung des Archivs der Hauptstadt Prag „Die Stadt und ihre Mauern“, Prag, 10. und 11. Oktober 2017.

 

Titebild: Bayenturm und Bayentor der Kölner Stadtmauer. Foto: Markus Jansen // Portraitfoto: Patric Fouad