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Dissertationsprojekt von Sofie Steinberger

Die Wirkmacht politischer Grenzen – eine historische Analyse der Grenze zwischen Melilla und Nador ab 1956 (Arbeitstitel)

Die EU-Außengrenze und -Grenzpolitik ist in jüngster Zeit Gegenstand vieler Debatten und wissenschaftlicher Arbeiten. Dabei stehen Migrant*innen und Geflüchtete und der Umgang mit diesen häufig im Fokus. Aber was passiert eigentlich in der Grenzregion selbst? Welche Auswirkung hat es für die Bevölkerung der Grenzregion, wenn sich eine durchlässige zu einer stark kontrollierten, abgeriegelten Grenze verändert? Damit beschäftigt sich mein Dissertationsprojekt mit dem Arbeitstitel „Die Wirkmacht politischer Grenzen – eine historische Analyse der Grenze zwischen Melilla und Nador ab 1956“, das die Grenze zwischen Marokko und Spanien in den Blick nimmt. Während zwischen Nador und Melilla noch vor 50 Jahren lediglich einfache Check Points an den Grenzübergängen und Grenzsteine den Übergang von einem ins andere Land markierten, wird der gesamte Grenzverlauf nun durch einen hochtechnisierten Sicherheitsapparat verdeutlicht, der die beiden Regionen trennt und den Personenverkehr akribisch überprüft. Dies verändert den Alltag, den grenzübergreifenden Kontakt, den Raum, in dem sich die Menschen bewegen sowie die Perspektiven auf die ‚eigene‘ und ‚andere‘ Seite. Begleitet und beeinflusst werden diese Aspekte durch die mediale Berichterstattung zur Grenze in den beiden Ländern.
Ziel meines Projekts ist es, nachzuvollziehen, wie die sich verändernde Grenze auf die spanische und marokkanische Grenzbevölkerung seit der marokkanischen Unabhängigkeit auswirkt. Welche Chancen und Probleme haben sich daraus ergeben? Wie gingen die Menschen damit um und auf welche Weise hat dies die gegenseitige Wahrnehmung verändert? Erklärungen zum Wandlungsprozess des spanisch-marokkanischen Grenzregimes in seiner materiellen und immateriellen Ausprägung sowie die daraus resultierenden Strategien, Praktiken und Zugehörigkeitsdefinitionen der Grenzbevölkerung stehen im Forschungsfokus.

 

Kurzbiographie

Sofie Steinberger ist seit Juni 2017 Doctoral Fellow des a.r.t.e.s. EUmanities-Programms an der Universität zu Köln. Sie studierte Regionalwissenschaften Lateinamerika mit den Schwerpunkten Geschichte, Politik und Romanistik auf Diplom an der Universität zu Köln und der Universitat de Barcelona. Im Anschluss an ihr Studium war sie bis Mitte 2017 Koordinatorin und wissenschaftliche Mitarbeiterin des University of Cologne Forum "Ethnicity as a Political Resource" und des Merian Centre "Conviviality in Unequal Societies: Perspectives from Latin America". Ihre Forschungsschwerpunkte sind Migrationsgeschichte, Migrations- und Grenzpolitik und deren soziopolitischen Auswirkungen in Europa (Spanien/Marokko) und Lateinamerika (USA/Mexiko/Guatemala) vom 19. bis 21. Jahrhundert.

Kontakt: s.steinberger(at)uni-koeln.de

 

Publikationen

Steinberger, Sofie / Pelican, Michaela (Hgs.), Melilla. Perspectives on a Border Town, Kölner Arbeitspapiere zur Ethnologie 6. Institut für Ethnologie, Universität zu Köln 2017. Open Access: http://kups.ub.uni-koeln.de/7700.

Steinberger, Sofie, Melilla – a border town of international interest, in: Melilla. Perspectives on a Border Town, Kölner Arbeitspapiere zur Ethnologie 6. Institut für Ethnologie, Universität zu Köln 2017, S. 63–70.

Steinberger, Sofie (University of Cologne Forum "Ethnicity as a Political Resource") (Hg.), Ethnicity as a Political Resource. Conceptualizations across Disciplines, Regions, and Periods. Bielefeld 2015. http://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-3013-8/Ethnicity-as-a-Political-Resource#; Open Access E-Book: https://oapen.org/download?type=document&docid=627779

 

Vorträge

Science to Science

„La externalización de las políticas migratorias de la Unión Europea: concepto y historia”
01.06.2017: Workshop „Derechos humanos en la frontera sur de Europa – actores, conflictos e intervención social”, Universität zu Köln.

„Grenzen und ihr Einfluss auf Identitätsbildung - eine historische Betrachtung der Grenze zwischen Spanien und Marokko am Beispiel Melilla“
1.–3.07.2015: Interdisziplinärer Workshop „Researching the European Border: From Concept to Method“, Universität Konstanz.

„Spanish migration and border politics put to test - the case of Melilla”
27.03.2015: Konferenz “Migration, Ethnicity, and the State”, Sun Yat-Sen Universität, Guangzhou, China.

„La política migratoria mexicana - ¿un sistema de violencia estructural discriminatorio?”
12.06.2014: Workshop “Violencia y etnicidad en México y Cuba” des Uoc Forum ‘Ethnicity as a Political Resource’, Universität zu Köln.

„Die portugiesischsprachige Staatenwelt und das Problem irregulärer Migration nach Europa”
02.02.2011: DASP-Kolloquium “Migrationen in der portugiesisch-sprachigen Welt” Deutsche Gesellschaft für die Afrikanischen Staaten Portugiesischer Sprache, Berlin.

Science to Public

„Trump gegen Mexiko? Zwischen Freihandel und Mauerbau“
23.11.2017: Podiumsdiskussion im Rahmen des 7. Cologne Latin America Symposiums, Fritz Thyssen Stiftung Köln.

„Sobre el muro, tu y yo tenemos un problema“ Perspektiven auf Border Crossing und Migration an der US-mexikanischen Grenze”
23.11.2017: Workshop im Rahmen des 7. Cologne Latin America Symposiums, Fritz Thyssen Stiftung Köln.

„‘We are here because you were there‘ – Das europäische Grenzregime aus postkolonialer Perspektive“
17.10.2017: Im Rahmen der Kritischen Orientierungswoche an der Universität zu Köln.

„Melilla - die spanische Exklave zwischen Afrika und Europa als Schauplatz europäischer Grenzpolitik“
23.06.2017: Im Rahmen der Ausstellung “Neue Welt – Einhundertfünf Geschichten, Kunstverein Aichach.

„Migration, Konflikt und Machträume“
27.11.2016: Podiumsdiskussion im Rahmen der Themenwoche „Migration und kulturelle Identität in Mexiko in Vergangenheit und Gegenwart“ (20.–27.11.2016), Rautenstrauch-Joest-Museum, Köln.

 

Lehrveranstaltungen

Sommersemester 2016

Aufbauseminar “Frontera”. Dimensiones históricas del concepto en España y América Latina (in Zusammenarbeit mit Dr. Antonio Sáez-Arance)

 

Titelbild: Strandpromenade der spanischen Exklave Melilla mit Blick auf den Hafen der marokkanischen Stadt Nador (Foto: Sofie Steinberger) // Portraitfoto: Patric Fouad