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Dissertationsprojekt von Christoph Burdich

‚Wissen über Ketzer‘ – Diffusion, Rezeption und Transformation der häresiologischen Dokumentation zu den Waldensern in Österreich im 14. und beginnenden 15. Jahrhundert (Arbeitstitel)

Häresie stellte als Opposition zur Orthodoxie einen integralen Bestandteil des christlichen Weltbildes im europäischen Mittelalter dar. Die Überzeugung, selbst im Besitz des wahren Glaubens zu sein, implizierte im Umkehrschluss, dass alle abweichenden Positionen als Irrglauben wahrgenommen wurden. Diejenigen Angehörigen der christlichen Gemeinschaft, die aus kirchlicher Perspektive hartnäckig und unbelehrbar in diesem Irrglauben verharrten, wurden als Häretiker betrachtet und verfolgt. Welches ‚Wissen‘ aber hatten die Zeitgenossen über Ketzer? Das Forschungsprojekt untersucht unter Rückgriff auf wissensgeschichtliche Ansätze, welche Informationen über Häretiker im Herzogtum Österreich während des 14. und beginnenden 15. Jahrhunderts verbreitet waren, wie diese Informationen rezipiert wurden und wie sich der häresiologische Wissensstand in dem untersuchten Zeitraum veränderte. Besondere Relevanz erhalten diese Fragestellungen dadurch, dass Häresie in der Forschung immer wieder als ein gravierendes Problem im spätmittelalterlichen Österreich beurteilt wird. Vor allem die waldensische Glaubensrichtung, die von katholischer Seite als häretisch eingeschätzt wurde, hatte im österreichischen Donauraum seit dem 13. Jahrhundert zahlreiche Anhänger gefunden.

Innerhalb des Projekts erfolgt die Erschließung des mittelalterlichen Wissens über Häretiker anhand von Handschriften, die sich während des 14. und zu Beginn des 15. Jahrhunderts in Österreich lokalisieren lassen. Die Studie konzentriert sich auf Codices mit Wissen über die Waldenser als häretische Gruppe, deren Präsenz vor Ort belegt ist. Ergänzend werden aber auch Manuskripte mit Informationen zu anderen Häresien und zu Ketzerei allgemein in die Untersuchung einbezogen. Ein zentrales Ziel der wissensgeschichtlichen Arbeit ist die Klärung der Frage, mit welcher Intention häresiologische Texte kopiert und wie sie genutzt wurden. Deshalb sind Informationen zu Ketzern stets im Kontext der jeweiligen Handschrift und der mitüberlieferten Texte zu analysieren. Auf diese Weise soll mit Hilfe der handschriftlichen Überlieferung nachgezeichnet werden, inwiefern sich der Häresiediskurs in Österreich wandelte und welche Beziehung zwischen dem Wissen über Ketzer und deren Verfolgung bestand.

 

Kurzbiographie

Christoph Burdich studierte die Fächer Latein, Geschichte und Philosophie an der Universität zu Köln und im Rahmen des ERASMUS-Programms an der Università degli Studi di Roma, La Sapienza. Er schloss sein Studium 2015 (Latein und Geschichte) und 2016 (Philosophie) mit dem Ersten Staatsexamen ab. Für seine von Prof. Dr. Karl Ubl betreute Abschlussarbeit „Die Diskussion des status prelationis im Gutachten ‚De paupertate Christi et apostolorum‘ des Durandus von St. Pourçain“ wurde er 2016 mit einem Preis der Philosophischen Fakultät der Universität zu Köln ausgezeichnet. Während seines Studiums war er Stipendiat in der Grundförderung des Cusanuswerks und begann seine Mitarbeit am DFG-Projekt zur Edition des Sentenzenkommentars des Durandus von St. Pourçain (Thomas-Institut der Universität zu Köln). Bei seinem Promotionsprojekt über das häresiologische Wissen im spätmittelalterlichen Österreich wird er von Prof. Dr. Karl Ubl, Prof. Dr. Sabine von Heusinger und Prof. Dr. Susanne Wittekind betreut. Seit April 2017 ist er Stipendiat im Integrated Track der a.r.t.e.s. Graduate School for the Humanities Cologne und besucht die Klasse 1.

Kontakt: c.burdich(at)uni-koeln.de

 

Publikationen

Rezension zu: Franck Mercier / Isabelle Rose (Hg.): Aux marges de l’hérésie. Inventions, formes et usages polémiques de l’accusation d’hérésie au Moyen Âge, Rennes 2018, in: H-Soz-Kult, 25.07.2018 (https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-29190).

Mit Lars Reuke: Tagungsbericht zur 40. Kölner Mediävistentagung „Irrtum – Error – Erreur“, in: Bulletin de Philosophie Médiévale 58 (2016), S. 542–565.

 

Vorträge

„Von fanatischen Ketzern und nachlässigen Prälaten – Nachrichten über Häresie und deren Bekämpfung im spätmittelalterlichen Österreich“
18.12.2018, Oberseminar „Neue Forschungen zur mittelalterlichen Geschichte”, Universität zu Köln.

„The end of ignorance? Some observations concerning the transformation of ‘heresiological knowledge’ in late-medieval Austria”
02.11.2018, Cologne-Toronto Graduate Student Colloquium, University of Toronto.

Ad reprobandum ipsorum erroneos articulos – Überlegungen zur Funktion häresiologischen Wissens im Österreich des 14. und beginnenden 15. Jahrhunderts“
03.07.2018, Kolloquium „Neue Forschungen zur mittelalterlichen Geschichte“, RWTH Aachen.

„Wen interessieren Ketzer? Verbreitung und Funktion häresiologischer Informationen in Österreich im 14. und 15. Jahrhundert“
16.01.2018, Oberseminar „Neue Forschungen zur mittelalterlichen Geschichte”, Universität zu Köln

„Kein ‚Wissen‘ über Ketzer? Die Untersuchung des häresiologischen ‚Wissensstandes‘ im Österreich des 14. und beginnenden 15. Jahrhunderts“
30.09.2017, Disputationes. Kölner Herbstwerkstatt, Universität zu Köln

„Wissen über Ketzer – Diffusion, Rezeption und Transformation der häresiologischen Dokumentation zu den Waldensern in Österreich während des 14. Jahrhunderts“
31.01.2017, Oberseminar „Neue Forschungen zur mittelalterlichen Geschichte”, Universität zu Köln

 

Titelbild: Explicit der ‚Ps.-Reiner-Redaktion‘ des sog. ‚Passauer Anonymus‘, eines bedeutenden häresiologischen Textes mit Informationen zu den Waldensern in Österreich (Klosterneuburg, Augustiner-Chorherrenstift, CCl 306, fol. 284va, Ausschnitt; Foto: Christoph Burdich, mit freundlicher Genehmigung der Stiftsbibliothek des Augustiner-Chorherrenstifts Klosterneuburg). // Portraitfoto: Patric Fouad