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„Dynamiken der Konventionalität“ im Mittelalter

Ausschreibung online: Neues Graduiertenkolleg an der Philosophischen Fakultät ab April 2018

von Thea Fiegenbaum

Ab April 2018 wird es an der Philosophischen Fakultät der Universität zu Köln das neue, DFG-geförderte Graduiertenkolleg 2212 „Dynamiken der Konventionalität (400–1550)“ für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Mittelalterforschung geben. Fünf Hochschulen in Nordrhein-Westfalen konnten die Deutsche Forschungsgemeinschaft in diesem Jahr überzeugen und Fördergelder für neue Graduiertenkollegs einwerben – das Graduiertenkolleg 2212 ist eines davon und an dem Kölner Zentrum für Mittelalterstudien (ZEMAK) angesiedelt. Die Ausschreibung für die ersten sechs Stellen für Promovierende und eine Postdoc-Stelle läuft bis zum 8. Dezember 2017: Bewerben können sich Absolventinnen und Absolventen aller mediävistischen Disziplinen.

 

Interdisziplinäre Ausrichtung

Die DFG fördert das Graduiertenkolleg „Dynamiken der Konventionalität“ mit insgesamt 3,3 Millionen Euro und für einen Zeitraum von zunächst viereinhalb Jahren. Mit seiner interdisziplinären Ausrichtung richtet es sich an Promovierende sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Fächern der Geschichtswissenschaft, Germanistik, Philosophie, Kunstgeschichte, Mittellateinische Philologie und Musikwissenschaft. Sprecher des neuen Graduiertenkollegs ist der Mediävist Prof. Dr. Udo Friedrich vom Institut für deutsche Sprache und Literatur I, sein Vertreter ist Prof. Dr. Karl Ubl vom Historischen Institut. Die Angliederung des Graduiertenkollegs an das ZEMAK garantiert interdisziplinäre Breite und fachlichen Austausch auf vielen Ebenen. Darüber hinaus wird mit dem Start des Graduiertenkollegs im April 2018 die neue Forschungsklasse 9 im strukturierten Promotionsmodell der a.r.t.e.s. Graduate School, dem Integrated Track, gegründet, um die ausgeschriebenen Promotionsstellen bestmöglich in der Fakultät zu verankern.

 

Konventionalität als Schlüsselbegriff

Ziel der Forschung im Graduiertenkolleg ist es, Konventionalität als Schlüsselbegriff für eine interdisziplinär und kooperativ angelegte Mittelalterforschung ergiebig zu machen. Sprecher Udo Friedrich erklärt den Begriff folgendermaßen: „Unter Konventionalität verstehen wir eine Reihe von Praktiken von Gesellschaften, Gemeinschaften oder Gruppen, über die kollektive Übereinkunft herrscht. Konventionen bieten den Mitgliedern im Rahmen ihrer Gruppe eine relativ stabile Ordnung.“ Konventionen waren nie unveränderlich, sondern unterlagen immer wieder Dynamiken und Prozessen, in denen die Mitglieder einer Gesellschaft oder Kultur Gewohnheiten neu verhandelten, ganz gleich in welchem Bereich menschlichen Lebens, etwa in Politik, Recht und in der Religion, in der Rhetorik und im Handwerk, aber auch in den Wissenschaften oder der Kunst. Die Forschungsvorhaben nehmen die europäische mittelalterliche Kultur in einem weiten zeitlichen Rahmen von circa 400 bis 1550 in den Blick und untersuchen, wie Regeln trotz ihres normativen Anspruchs immer wieder neu ausgehandelt und umgedeutet wurden oder auch als ‚üble Gewohnheit‘ Ablehnung erfuhren.

 

Ausschreibung: Sechs Promotionsstellen und eine Postdoc-Stelle

Im Rahmen des neuen Graduiertenkollegs schreibt die Philosophische Fakultät zum 1. April 2018 sechs Promotionsstellen in Teilzeit und eine Postdoc-Stelle in Vollzeit für einen Zeitraum von drei Jahren aus. Bewerberinnen und Bewerbern mit ausgezeichnetem Hochschulabschluss, die in ihrer Promotion einen mediävistischen Schwerpunkt verfolgen, bietet das Graduiertenkolleg ein interdisziplinär und international vernetztes Promotionsprogramm. Details zu den Stellen, dem Graduiertenkolleg und dem Bewerbungsverfahren finden sich auf den Seiten des Zentrums für Mittelalterstudien. Der Bewerbungsschluss ist der 8. Dezember 2017.