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Dissertationsprojekt von Clara Reiring

Memory and Space: Salem in American Literature (Arbeitstitel)

Wenige Ort in den USA stehen so exemplarisch für ein bestimmtes Ereignis wie Salem in Massachusetts, dessen Name – zumindest im amerikanischen Verständnis – gleichbedeutend ist mit den dort stattgefundenen Hexenprozessen im Jahr 1692, die in der Geschichte des Landes in ihrem Umfang und ihrer Entwicklung einzigartig waren. Bis heute gelten sie als Paradebeispiel für eine Massenhysterie und als „Lehrstück für Denunziationsbereitschaft und Irrationalität in einer ideologisch aufgeputschten Gesellschaft“ (Bernd Stöver: United States of America. Geschichte und Kultur von der ersten Kolonie bis zur Gegenwart. München: C.H. Beck, 2012, 57). Zudem gibt es kaum ein Kapitel der frühen amerikanischen Geschichte, welches über die Jahrhunderte hinweg so stetig aufgearbeitet wurde. So erscheinen nicht nur fast jährlich neue historische Analysen der Begebenheiten, sondern vor allem auch literarische Verarbeitungen des Themas, die jedoch in ihrer Gesamtheit bisher nicht analysiert wurden. Nicht zuletzt ist die Geschichte auch im Ort Salem selbst omnipräsent, der durch ‘witch tours‘ und ‘Haunted Happenings‘ besonders in den letzten Jahrzehnten zur ‘Halloween Hauptstadt der Welt‘ avanciert ist.

In meiner Dissertation beschäftige ich mich also mit dem Erinnerungsort Salem in der Literatur, welche traditionell als Medium der kulturellen Erinnerung einer Gesellschaft gilt. Durch die Analyse ausgewählter Werke der 200 Jahre alten Tradition von ‚Salem Literature‘ möchte ich erforschen, wie der Ort und seine Vergangenheit in der amerikanischen Literaturgeschichte repräsentiert bzw. konstruiert wird. Gibt es epochenübergreifende Gemeinsamkeiten, eine „collective representation“? Wie hat sich die Darstellung seit dem 19. Jahrhundert verändert? Da Literatur auch immer als Reaktion auf die Gegenwart zu verstehen ist, versuche ich auch zu ergründen, inwiefern Salem als Metapher zu lesen ist, wie es etwa in Arthur Millers Stück Hexenjagd der Fall ist, welches als Kommentar auf die Kommunistenverfolgung der 1950er Jahre zu lesen ist. Letztlich möchte ich untersuchen, inwiefern die Literatur hilft, dieses ur-amerikanische Stück Geschichte, welches an Aktualität gerade in der heutigen Zeit nichts verloren hat, zu verarbeiten und Teil der amerikanischen Identität werden zu lassen.

 

Kurzbiographie

Clara Reiring, Jahrgang 1989, studierte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf zunächst Anglistik/Amerikanistik und Germanistik im Bachelor. Anschließend folgte dort der Master in Comparative Studies of English and American Language, Literature, and Culture mit Schwerpunkt Amerikastudien, den sie 2015 abschloss. 2013 war sie beteiligt an der ersten Düsseldorfer Researcher’s Night, wo sie zum Thema P-O-P: Perspectives on Poetry das eigene Projekt „Lyrik und Lyrics: poetische Formen als Formeln des Populären von Edgar Allan Poe bis Britney Spears“ vorstellte. Während des Studiums an der HHUD war sie außerdem als studentische bzw. wissenschaftliche Hilfskraft, sowie als Lehrkraft im Basismodul am Lehrstuhl für American Studies tätig. Seit 2017 promoviert sie als Stipendiatin bei a.r.t.e.s. unter der Betreuung von Prof. Hanjo Berressem in North American Studies. Neben der Arbeit zu Salem in der amerikanischen Literatur gilt ihr Interesse vor allem der vergleichenden Literaturanalyse, die auch Grundlage ihrer Bachelor-und Masterarbeit waren.

Kontakt: creiring(at)smail.uni-koeln.de

 

Vorträge

"From the Witch in the ‘Enchanted Forest’ to the Devil in the ‘Heathen Wilderness’– Parallels between 'Hansel and Gretel' and 'Young Goodman Brown'". Annual Conference of the American Literature Association, 25.–28. Mai 2017, Boston, USA.

 

Titelbild: Buchauslage „Salem Literature“ in einem Souvenirgeschäft in Salem, MA (Foto: Clara Reiring, 23.05.2017) // Portraitfoto: Patric Fouad