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Dissertationsprojekt von Eva Kanis

Die Vatergottheiten – Aussehen, Aufgaben, Attribute. Die Problematik der ähnlichen Darstellung in griechischer und römischer Zeit (Arbeitstitel)

Dieses Promotionsprojekt soll einen Beitrag leisten zu der Diskussion um die Interpretation antiker statuarischer Darstellungen von bärtigen, männlichen Gottheiten. Die Relevanz des Themas besteht darin, dass es in der Klassischen Archäologie immer wieder zu kontroversen Diskussionen über die nahezu gleiche plastische Darstellung der sogenannten Vatergottheiten Zeus, Poseidon, Hades und – ab dem 4. Jh. v. Chr. – Asklepios und Serapis kommt.

Die Bezeichnung Vatergottheiten rührt daher, dass die drei Brüder, ihrem jeweiligen Rang als Herrscher über den Himmel und die Erde sowie Meer und Unterwelt entsprechend, als würdevolle, ältere Gottheit mit langen Haaren und Bärten dargestellt wurden. Auch der als Heilgott wirkende Asklepios und Serapis, der als identitätsstiftender Gott von den Ptolemäern in Ägypten etabliert wurde, stehen in dieser ikonographischen Tradition. Diese ähnliche Darstellung markiert auch die Problematik bei der Identifizierung. Ohne einen eindeutigen mythologischen Zusammenhang oder explizite Benennungen, wie es beispielsweise auf Vasenbildern der Fall ist, bereitet die Benennung große Schwierigkeiten, da sie alle bärtig sind und sich ihr Haupt- und Barthaar fast immer gleichzeitig entsprechend der jeweiligen Mode ändert. Weiterhin tragen sie eine ähnliche Tracht, zumeist einen Chiton (Untergewandt) samt Mantel oder ausschließlich einen Mantel. Zeus und Poseidon werden bisweilen auch nackt dargestellt. Wirklich eindeutig sind sie lediglich über Weihinschriften und die für sie typischen Attribute, d.h. mit ihren fest verbundenen Zeichen, die sich durch ihre Geschichte oder Funktion ergeben, zu identifizieren. Dies ist beispielsweise der Blitz für Zeus oder der Dreizack für Poseidon. Als problematisch erweist es sich, dass, aufgrund ihrer ursprünglichen Anbringung an die Statue, die Attribute im Laufe der Zeit oftmals abgebrochen sind und bei der Auffindung fehlen.

Mein Promotionsprojekt möchte der Frage nachgehen, aus welchem Grund diese Götter, die auf den ersten Blick in so unterschiedlichen Wirkungsbereichen tätig sind, so ähnlich dargestellt wurden. Daraus ergibt sich weiterhin zum einen die Frage, ob ihre Wirkungsbereiche wirklich so ausdifferenziert waren oder ob es möglicherweise Überschneidungen in den Kompetenzen gab und zum anderen, ob Attribute grundsätzlich als einziges Differenzierungsmerkmal gewählt wurden oder ob es in bestimmten Bereichen, die zu ermitteln wären, das Bedürfnis gab durch Physiognomie oder andere Charakteristika abseits der Attribute zu differenzieren.

 

Kurzbiographie

Eva Maria Kanis, geboren 1986, studierte Archäologie und Geschichte im 2-Fach-Bachelor und 2-Fach-Master an der Universität zu Köln. Ihren Bachelor schloss sie 2014 mit der Arbeit „Die Porträts des Diokletian. Vergleichende Betrachtungen von Einzelporträts, Bildnissen mit seinen Mitregenten sowie Ähnlichkeiten/Differenzen zu Augustusdarstellungen“ ab. Im Jahr 2016 erhielt sie ihren Masterabschluss mit der Arbeit „Zeus, Poseidon und Hades – Indikatoren zur Identifizierung und die Problematik fehlender Attribute“. Ihr Dissertationsprojekt knüpft an diese Untersuchungen an. Neben dem Studium sammelte sie erste berufliche Erfahrungen bei einem Praktikum im Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes NRW sowie bei in- und ausländischen Grabungskampagnen. Zudem wirkte sie bei einer Ausstellung über den Eigelstein im Kölnischen Stadtmuseum mit und veröffentlichte auch einen Beitrag im Ausstellungskatalog. Seit April 2017 ist sie Kollegiatin an der a.r.t.e.s. Graduate School und promoviert unter der Betreuung von Herrn Prof. Dr. Boschung, Frau Prof. Dr. Grassinger und Frau Prof. Dr. Wittekind. Zudem ist sie seit Januar 2018 als Wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Geschichte des Mittelalters/Spätmittelalters tätig.

Kontakt: ekanis1(at)uni-koeln.de

 

Titelbild: Der sogenannte Dresdner Zeus (Foto: Eva Kanis) // Portraitfoto: Patric Fouad