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Dissertationsprojekt von Susanne Ebner

Jenseits des Staates: Identifikation über die Unique-ID Aadhaar im digitalen Indien (Arbeitstitel)

Knapp 1,3 Milliarden Menschen: das sind fast 13 Milliarden Finger und nahezu 2,6 Milliarden Augen. Etwa diese Menge an biometrischen Daten soll im Zuge von Aadhaar, einem Projekt zur Erfassung aller Menschen in Indien, registriert, gespeichert und wieder eingelesen werden. Verantwortlich für das „Unique Identification Project“ ist die Unique Identification Authority of India (UIDAI), eine Regierungsbehörde. Seit 2009 arbeitet sie daran, jedem Menschen, der mindestens seit sechs Monate in Indien lebt, eine Identifikationsnummer zuzuweisen. Damit soll Aadhaar einen eindeutigen Identitätsnachweis gewährleisten. Um Kontrolle ginge es dabei weniger, konstatiert die Regierung. Vielmehr wolle man den Menschen im Land etwas Gutes tun, indem man Identitätsbetrügern das Handwerk legt. Sozialwissenschaftler sind fasziniert von diesem gigantischen Projekt. Doch was bedeutet das Unique-ID-Projekt Aadhaar für die Menschen vor Ort? In verschiedensten Situationen des Alltags identifizieren sie sich mittels verschiedener technischer Apparaturen: Fingerabdruck-Lesegeräte, Smartphones und Tablets. Diese Aktanten und die mit ihnen assoziierten Praktiken, produzieren soziale Kategorien und Zugehörigkeiten und prägen auf diese Art das Miteinander. Mein Dissertationsprojekt soll diese Prozesse untersuchen.

 

Kurzbiographie

Susanne Ebner studierte „Literatur-Kunst-Medien“ an der Universität Konstanz und der Université Lyon 2 in Lyon (Frankreich) und schloss 2007 den B.A. mit der Arbeit „Die Anschläge vom 7. Juli 2005 in London im Spiegel von Videoblogs britischer Fernsehanstalten“ ab. Während des Studiums arbeitete sie außerdem als freie Journalistin für verschiedene Zeitungen. Nach ihrem Abschluss absolvierte sie ein zweijähriges crossmediales Volontariat beim SÜDKURIER Medienhaus. Dort durchlief sie verschiedene lokale sowie überregionale Redaktionen (Politik, Kultur, Wirtschaft). Nach dem erfolgreichen Abschluss des redaktionellen Volontariats studierte Susanne Ebner „Kulturelle Grundlagen Europas“ an der Universität Konstanz und der Jawaharlal Nehru University in Neu-Delhi (Indien). Nebenher arbeitete sie als Schlussredakteurin in Vertretung. Den M.A. schloss sie im Jahr 2013 mit der Arbeit „Biometrie für Milliarden: Kulturwissenschaftliche Perspektiven auf die Unique ID ‚Aadhaar‘ in Indien“ ab. Nach dem Studium arbeitete Susanne Ebner u. a. bis Mai 2017 als Redakteurin in der Politikredaktion des SÜDKURIER. Zuletzt war sie vor allem für die Erstellung redaktioneller Inhalte zu digitalen Themen verantwortlich. Seit Juni 2017 promoviert sie als a.r.t.e.s. EUmanities Fellow unter der Betreuung von Jun.-Prof. Dr. Martin Zillinger. Als freie Journalistin beschäftigt sie sich weiterhin mit der Digitalisierung und dem Wandel durch soziale Medien.

Kontakt: sue_ebner(at)web.de

Homepage: wort-sinn.com

 

Titelbild: Ein Mann wird in einer Bank in Neu Delhi biometrisch erfasst. Zunächst werden die Fingerabdrücke aller Finger gescannt. Dies erfolgt in drei Schritten: Zunächst die vier Finger beider Hände und danach die beiden Daumen. (Foto: Susanne Ebner) // Portraitfoto: Patric Fouad