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Dissertationsprojekt von Lisbeth Matzer

Herrschaftssicherung im „Grenzland“. NS-Jugendorganisationen in Österreich und Slowenien (1938-1945) (Arbeitstitel)

Das Dissertationsprojekt untersucht die Praktiken nationalsozialistischer Jugendorganisationen in den österreichisch-slowenischen Grenzregionen zwischen 1938 und 1945. Ausgehend von der „Ostmark“ erweiterten sich deren Aufgaben und Aktivitäten mit dem Krieg und dem Aufbau von Zivilverwaltungen in Oberkrain und der Untersteiermark ab 1941 über die bisherige Südgrenze hinaus. Welche Bedeutung kam dabei der besonderen Grenzsituation für die politische Vereinnahmung der Jugendlichen zu? Welche Rolle spielten NS-Jugendorganisationen in diesem „Grenzland“ bei der Herstellung von Zugehörigkeit und bei der Mobilisierung im Rahmen der Kriegs- und Herrschaftsziele des NS-Regimes? Inwiefern wurden verschiedene „Grenzland“-Deutungen dabei instrumentalisiert und performativ von den Jugendorganisationen aktiviert, um Einstellungen zu prägen und Verhaltensweisen zu habitualisieren? Neben der organisatorischen Entwicklung konzentriert sich das Projekt vor allem auf die Handlungsspielräume, Agenden und regionalen sowie individuellen Interessen einzelner Akteure und Akteurinnen in einer bislang diesbezüglich wenig beachteten zentraleuropäischen Grenzregion.

 

Kurzbiographie

Mag. Lisbeth Matzer, MA ist MSCA-Fellow im EUmanities Programm an der a.r.t.e.s. Graduate School for the Humanities Cologne der Universität zu Köln (Horizon 2020: Marie Skłodowska-Curie grant No. 713600). Sie studierte Geschichte und Erziehungswissenschaften (Schwerpunkt Weiterbildung/Erwachsenenbildung) an der Karl-Franzens-Universität Graz und war von März 2016 bis März 2017 Mitglied und Stipendiatin des Doktoratskollegs für Mitteleuropäische Studien an der Andrássy Universität Budapest. Von 2016 bis 2017 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geschichte (Zeitgeschichte) und Lehrbeauftragte am Institut für Erziehungswissenschaften (Masterstudium Weiterbildung/Lebensbegleitende Bildung) der Universität Graz. Von 2014 bis 2016 arbeitete sie ebendort als wissenschaftliche Projektmitarbeiterin am Institut für Wirtschafts-, Sozial- und Unternehmensgeschichte. In ihren Forschungen beschäftigt sie sich mit der Transformation und Tradierung von kollektiven Gedächtnissen, Identitäten, Narrativen und Ideologien ebenso wie mit Bildungsgeschicht(en) vom 19. bis zum 21. Jahrhundert und mit verschiedenen Fragestellungen im Kontext der Nationalsozialismus- und Faschismusforschung.

Kontakt: lmatzer(at)uni-koeln.de

 

Publikationen (Auswahl)

MATZER Lisbeth, Der Retzhof im 20. Jahrhundert. Eine Spurensuche im institutionellen Gedächtnis. Leibnitz/Graz 2018.

MATZER Lisbeth, Manipulation durch Gemeinschaft und Führung. Das Wirken der Hitlerjugend als ideologische Vermittlungsinstanz im Gebiet Steiermark, 1938–1945. In: WEIL Francesca/POSTERT André/KENKMANN Alfons (Hgg.), Kindheiten im Zweiten Weltkrieg. Halle 2018.

MATZER Lisbeth/WURZER Markus (Hgg.), Failure & Beyond. Telling History – Shaping Memory. A Documentation of a Student’s Initiative. Graz 2016.

MATZER Lisbeth/WURZER Markus, Introduction. In: Failure & Beyond. Telling History – Shaping Memory. A Documentation of a Student’s Initiative. Graz 2016, S. 13–18.

MATZER Lisbeth, Wirtschaft – Gesellschaft – Bildung. Ziel und Ausrichtung außerberuflicher Weiterbildung am Beispiel des Volksbildungsheims für die gewerbliche und kaufmännische Jugend (1948–1964). In: Arbeitsmarkt Steiermark. Wirtschaftspolitische Blätter (2016) Sonderausgabe, S. 95–104.

MATZER Lisbeth, Education as means of Indoctrination: The case of Styrian teachers’ training, 1938–1945. In: CARNIVAL. – Journal of the International Students of History Association XV (2014), S. 13–23.

MATZER Lisbeth, The Fundamental Crisis of War as Motor for Developments in Political Peacekeeping. A Case Study on the Kellogg-Briand Pact to Outlaw War. In: KLIO Nr. 14 (2014) H. 1. Special Issue “Crises and Development“, S. 97–109.

MATZER Lisbeth/KNOPPER Florian, Die Verankerung der NS-Ideologie in der steirischen Lehrerschaft. In: Österreichische Hochschülerschaft (Hg.), Österreichische Hochschulen im 20. Jahrhundert. Austrofaschismus, Nationalsozialismus und die Folgen. Facultas 2013, S. 236–245.

 

Vorträge

Science to Science

„Be(com)ing ‚German‘ – Nazi Youth Organizations in occupied Slovenia (1941–1945)”
17.4.2018: Center for South Eastern European Studies, Universität Graz.

„Zwischen Opfer-Narrativ und Tatgemeinschaft? – Erzählungen von Jugend im Nationalsozialismus post-1945”
6.4.2018: Zeitgeschichtetag 2018 „Geschichte wird gemacht“, Universität Wien.

„Kampf um die Jugend im ‚Grenzland‘: Aufbau und Praktiken nationalsozialistischer Jugendorganisationen in Oberkrain und der Untersteiermark (1941–1945)“
8.2.2018: Jour Fixe Kulturwissenschaften, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien.

„Narrating and commemorating the illegal times – strategies and symbols of the National Socialist Youth Organizations in Austria (1938–1945)“
6.10.2017: Annual German Studies Association Conference, Atlanta.

„’These taut, tanned boys’. The Transmission of Body Ideals in Hitler Youth Photography”
28.6.2017: Annual Conference der International Society for Cultural History “Senses, Emotions & the Affective Turn”, Universität Umeå.

„Community, Democracy and the ‘good life’. Non-formal citizenship education in post-war Austria”
22.6.2017: Biennial Conference der Society for the History of Children and Youth “Transition, Transaction, and Transgression”, Rutgers University/Camden.

„Grasping realities? A methodical approach to research on National Socialist Youth Organizations“
9.6.2017: History of Education Doctoral Summer School 2017, Universität Sassari, Porto Conte.

„Funktionsweisen der NS-Jugendorganisationen in Österreich. Perspektiven – Quellen – Methodik“
21.4.2017: 5. Zürcher Werkstatt Historische Bildungsforschung, Universität Zürich.

„National Socialist Youth Organizations in Austria”
18.11.2016: Jahrestreffen der Österreich-Zentren 2016, Hebrew University Jerusalem.

„’… hart wie Kruppstahl’. Das nationalsozialistische Körperideal in der Arbeit der österreichischen Hitler-Jugend.“
19.8.2016: International Standing Conference for the History of Education 38 „Education and the body“, Loyola University Chicago.

„Austrian Youth and ‘Total War’. The Hitler-Youth’s wartime deployment in Austria, 1939–1945.”
15.7.2016: Konferenz „Children and War: Past and Present”, Universität Salzburg.

„‘Diese strammen braungebrannten Burschen‘ – HJ-Fotografien als Vermittlungsinstanzen.“
10.6.2016: Konferenz „Konstruktive Unruhe. Österreichischer Zeitgeschichtetag 2016. Graz“, Karl-Franzens-Universität Graz.

„Die steirische Hitlerjugend 1938–1945: Erziehungsanspruch und Erinnerung“
19.5.2016: DoktorandInnentagung „Brüche – Kontinuitäten – Konstruktionen: Mitteleuropäische Gesellschaften im 20. Jahrhundert“, Andrássy Universität Budapest.

„Manipulation durch Gemeinschaft und Führung. Die regionale Hitlerjugend als ideologische Vermittlungsinstanz im Gau Steiermark 1938–1945.”
12.11.2015: Konferenz „Kindheit im Zweiten Weltkrieg. Eine vergleichende Perspektive“, Leipzig.

„The Retzhof from 1933 to 1957. Historical Competence of educational Institutions.”
24.6.2014: EU-Projekttreffen „KEY Knowing Me – Knowing Us“, Bildungshaus Schloss Retzhof/Wagna bei Leibnitz.

Science to Public

„Von der NS-Schulungsstätte zum Volksbildungsheim. 80 Jahre ‚Anschluss‘ – 70 Jahre Bildungshaus Schloss Retzhof“
Vortrag mit Buchvorstellung am Bildungshaus Schloss Retzhof, Leibnitz, 14.3.2018.

„Was geht mich das an?“
5.5.2017: Gedenkveranstaltung „72 Jahre danach: Was ist geblieben, wohin gehen wir?“, Gleisdorf.

„Verschwiegene Jahre – Der Retzhof in der Zeit von 1934 bis 1957.”
2.7.2014: Retzhofer Kreis 2014, Bildungshaus Schloss Retzhof/Wagna bei Leibnitz.

„80 Jahre ‚Juliputsch‘ und dessen Folgen für den Retzhof“.
5.11.2014: Veranstaltung „80 Jahre ‚Juliputsch‘“, Bildungshaus Schloss Retzhof/Wagna bei Leibnitz.

 

Lehrveranstaltungen

Wintersemester 2016/17

Seminar: Problemgeschichte der Erwachsenenbildung (Praxisfelder der Erwachsenenbildung) (Universität Graz)

Vorlesung: Forschungsmethodik - Methoden der Wissenschaftsvermittlung und Dokumentation (Andrássy Universität Budapest; gemeinsam mit Béla Teleky)

Wintersemester 2015/16

Kurs (Tutorin): Universität und Nationalsozialismus nach Ende des Krieges. Eine multiperspektivische Aufarbeitung (Universität Graz; gemeinsam mit Evelyn Knappitsch, Susanne Korbel u. a.)

 

Titelbild: „Der Reichsjugendführer spricht mit einem Führer der Oberkrainer Jungen“, Ausschnitt des Titelblattes des Kameradschaftsdienstes Gebiet Kärnten vom 31. Juli 1942, Folge 5/6. (Foto: Lisbeth Matzer) // Portraitfoto: Patric Fouad