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Dissertationsprojekt von Lisbeth Matzer

NS-Jugendorganisationen in Österreich. AkteurInnen – Strukturen - Aktivitäten (Arbeitstitel)

Das Ringen um die Gunst der Jugend ist nichts spezifisch Nationalsozialistisches, auch wenn es sich dabei um ein zentrales Aktionsfeld nationalsozialistischer Herrschaftssicherung handelte. Von dieser Prämisse ausgehend, zielt das Dissertationsvorhaben durch die Betrachtung von Jugendorganisierung als populärkulturelles Phänomen auf ein tiefergehendes Verständnis der Funktionsweisen, Praktiken und Prozesse nationalsozialistischer Jugendarbeit auf regionalen und lokalen Ebenen. Unter dem Arbeitstitel „NS-Jugendorganisationen in Österreich. AkteurInnen – Strukturen – Aktivitäten“ nimmt das Projekt die Gebiete der sogenannten „Ostmark“ sowie die mit Kriegsverlauf ebenso in den Aktionsraum der jeweiligen regionalen Jugendorganisationen fallenden nördlichen Gebiete des heutigen Sloweniens in den Fokus. Gerade in Hinblick auf letztgenannte Regionen und entsprechende grenzüberschreitende Aktivitäten wird ein besonderes Augenmerk auf die Relevanz lokaler NS-Jugendgruppen in Bezug auf die Herstellung von Zugehörigkeit(en), „Germanisierung“ und (symbolische) Inbesitznahme von Raum gelegt. Den Kern der Untersuchungen bilden Fragen nach (der Nutzung von) Handlungsspielräumen, Motiven und regionalen sowie individuellen Interessen einzelner Akteure und Akteurinnen. Ebenso wird grundlegend die strukturelle Entwicklung der NS-Jugendorganisierung in den genannten Regionen aufgearbeitet. Zeitlich liegt der Fokus auf den Jahren zwischen 1938 und 1945, wobei zum Beispiel in Hinblick auf Kontinuitäten und Brüche der Zeitraum von den frühen 1930er Jahren bis in die 1950er Jahre Teil der Untersuchungen ist.
Das Dissertationsprojekt fragt somit in Summe nach den verschiedenen Einflussfaktoren der Jugendorganisierung im Nationalsozialismus auf personell-individueller sowie regional-räumlicher Ebene. Durch den Fokus auf AkteurInnen, geographische Grenzgebiete, Handlungsspielräume und -praktiken soll so ein Beitrag zu einer differenzierteren Betrachtung nicht nur der speziellen Funktionsweisen der NS-Jugendorganisierung, sondern auch des NS-Regimes im Allgemeinen geleistet werden.

 

Kurzbiographie

Mag. Lisbeth Matzer, MA ist MSCA-Fellow im EUmanities Programm an der a.r.t.e.s. Graduate School for the Humanities Cologne der Universität zu Köln (Horizon 2020: Marie Skłodowska-Curie grant No. 713600). Sie studierte Geschichte und Erziehungswissenschaften (Schwerpunkt Weiterbildung/Erwachsenenbildung) an der Karl-Franzens-Universität Graz und war von März 2016 bis März 2017 Mitglied und Stipendiatin des Doktoratskollegs für Mitteleuropäische Studien an der Andrássy Universität Budapest. Von 2016 bis 2017 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geschichte (Zeitgeschichte) und Lehrbeauftragte am Institut für Erziehungswissenschaften (Masterstudium Weiterbildung/Lebensbegleitende Bildung) der Universität Graz. Von 2014 bis 2016 arbeitete sie ebendort als wissenschaftliche Projektmitarbeiterin am Institut für Wirtschafts-, Sozial- und Unternehmensgeschichte. In ihren Forschungen beschäftigt sie sich mit der Transformation und Tradierung von kollektiven Gedächtnissen, Identitäten, Narrativen und Ideologien ebenso wie mit Bildungsgeschicht(en) vom 19. bis zum 21. Jahrhundert und mit verschiedenen Fragestellungen im Kontext der Nationalsozialismus- und Faschismusforschung.

Kontakt: lmatzer(at)uni-koeln.de

 

Publikationen (Auswahl)

MATZER Lisbeth/WURZER Markus (Hgg.), Failure & Beyond. Telling History – Shaping Memory. A Documentation of a Student’s Initiative. Graz 2016.

MATZER Lisbeth/WURZER Markus, Introduction. In: Failure & Beyond. Telling History – Shaping Memory. A Documentation of a Student’s Initiative. Graz 2016, S. 13–18.

MATZER Lisbeth, Wirtschaft – Gesellschaft – Bildung. Ziel und Ausrichtung außerberuflicher Weiterbildung am Beispiel des Volksbildungsheims für die gewerbliche und kaufmännische Jugend (1948–1964). In: Arbeitsmarkt Steiermark. Wirtschaftspolitische Blätter (2016) Sonderausgabe, S. 95–104.

MATZER Lisbeth, Education as means of Indoctrination: The case of Styrian teachers’ training, 1938–1945. In: CARNIVAL. – Journal of the International Students of History Association XV (2014), S. 13–23.

MATZER Lisbeth, The Fundamental Crisis of War as Motor for Developments in Political Peacekeeping. A Case Study on the Kellogg-Briand Pact to Outlaw War. In: KLIO Nr. 14 (2014) H. 1. Special Issue “Crises and Development“, S. 97–109.

MATZER Lisbeth/KNOPPER Florian, Die Verankerung der NS-Ideologie in der steirischen Lehrerschaft. In: Österreichische Hochschülerschaft (Hg.), Österreichische Hochschulen im 20. Jahrhundert. Austrofaschismus, Nationalsozialismus und die Folgen. Facultas 2013, S. 236–245.

 

Vorträge

Science to Science

„’These taut, tanned boys’. The Transmission of Body Ideals in Hitler Youth Photography”
28.6.2017: Annual Conference der International Society for Cultural History “Senses, Emotions & the Affective Turn”, Universität Umeå.

„Community, Democracy and the ‘good life’. Non-formal citizenship education in post-war Austria”
22.6.2017: Biennial Conference der Society for the History of Children and Youth “Transition, Transaction, and Transgression”, Rutgers University/Camden.

„Grasping realities? A methodical approach to research on National Socialist Youth Organizations“
9.6.2017: History of Education Doctoral Summer School 2017, Universität Sassari, Porto Conte.

„Funktionsweisen der NS-Jugendorganisationen in Österreich. Perspektiven – Quellen – Methodik“
21.4.2017: 5. Zürcher Werkstatt Historische Bildungsforschung, Universität Zürich. „National Socialist Youth Organizations in Austria”
18.11.2016: Jahrestreffen der Österreich-Zentren 2016, Hebrew University Jerusalem.

„’… hart wie Kruppstahl’. Das nationalsozialistische Körperideal in der Arbeit der österreichischen Hitler-Jugend.“
19.8.2016: International Standing Conference for the History of Education 38 „Education and the body“, Loyola University Chicago.

„Austrian Youth and ‘Total War’. The Hitler-Youth’s wartime deployment in Austria, 1939–1945.”
15.7.2016: Konferenz „Children and War: Past and Present”, Universität Salzburg.

„‘Diese strammen braungebrannten Burschen‘ – HJ-Fotografien als Vermittlungsinstanzen.“
10.6.2016: Konferenz „Konstruktive Unruhe. Österreichischer Zeitgeschichtetag 2016. Graz“, Karl-Franzens-Universität Graz.

„Die steirische Hitlerjugend 1938–1945: Erziehungsanspruch und Erinnerung“
19.5.2016: DoktorandInnentagung „Brüche – Kontinuitäten – Konstruktionen: Mitteleuropäische Gesellschaften im 20. Jahrhundert“, Andrássy Universität Budapest.

„Manipulation durch Gemeinschaft und Führung. Die regionale Hitlerjugend als ideologische Vermittlungsinstanz im Gau Steiermark 1938–1945.”
12.11.2015: Konferenz „Kindheit im Zweiten Weltkrieg. Eine vergleichende Perspektive“, Leipzig.

„The Retzhof from 1933 to 1957. Historical Competence of educational Institutions.”
24.6.2014: EU-Projekttreffen „KEY Knowing Me – Knowing Us“, Bildungshaus Schloss Retzhof/Wagna bei Leibnitz.

Science to Public

„Was geht mich das an?“
5.5.2017: Gedenkveranstaltung „72 Jahre danach: Was ist geblieben, wohin gehen wir?“, Gleisdorf.

„Verschwiegene Jahre – Der Retzhof in der Zeit von 1934 bis 1957.”
2.7.2014: Retzhofer Kreis 2014, Bildungshaus Schloss Retzhof/Wagna bei Leibnitz.

„80 Jahre ‚Juliputsch‘ und dessen Folgen für den Retzhof“.
5.11.2014: Veranstaltung „80 Jahre ‚Juliputsch‘“, Bildungshaus Schloss Retzhof/Wagna bei Leibnitz.

 

Lehrveranstaltungen

Wintersemester 2016/17

Seminar: Problemgeschichte der Erwachsenenbildung (Praxisfelder der Erwachsenenbildung) (Universität Graz)

Vorlesung: Forschungsmethodik - Methoden der Wissenschaftsvermittlung und Dokumentation (Andrássy Universität Budapest; gemeinsam mit Béla Teleky)

Wintersemester 2015/16

Kurs (Tutorin): Universität und Nationalsozialismus nach Ende des Krieges. Eine multiperspektivische Aufarbeitung (Universität Graz; gemeinsam mit Evelyn Knappitsch, Susanne Korbel u. a.)

 

Titelbild: „Der Reichsjugendführer spricht mit einem Führer der Oberkrainer Jungen“, Ausschnitt des Titelblattes des Kameradschaftsdienstes Gebiet Kärnten vom 31. Juli 1942, Folge 5/6. (Foto: Lisbeth Matzer) // Portraitfoto: Patric Fouad