zum Inhalt springen

Dissertationsprojekt von Katrin Sowa

Doing Border, Making Nation: Kategorisierungspraktiken und Infrastrukturen an den Grenzposten Kenias (Arbeitstitel)

Zumeist sind Staatsgrenzen imaginäre Linien auf Landkarten, jedoch können weltweite Prozesse beobachtet werden in denen sie sich durch Zäune und Mauern zunehmend materialisieren und sich durch Grenzkontrollen lokal manifestieren. Trotz des meist kolonialen Ursprungs afrikanischer Staatsgrenzen ist staatliche Infrastrukturierung der Grenzsicherung ein postkoloniales Phänomen, das mit Nation-Building-Prozessen der unabhängigen Staaten zusammenfällt. Momentan sind Staatsgrenzen präsent wie nie zuvor, was besonders deutlich in Kenia beobachtet werden kann.
Das Dissertationsprojekt analysiert Grenzpraktiken an kenianischen Grenzposten: zentrale „passage points“ an denen Nationalitätskonzepte und Staatlichkeit relevant gemacht und verhandelt werden. Staatlich gesehen sind grenz-stabilisierende Praktiken vor allem eine Verwaltungs- und Kategorisierungsaufgabe. In Kenia findet in den letzten Jahren eine großflächige bürokratische Umstrukturierung und Dezentralisierung statt, und per Gesetz werden immer mehr Akteure „beside the state“ in die Infrastrukturierung an Grenzposten eingebunden. Im Sinne eines Akteurs-Mapping will das Projekt diese neuen Dynamiken der Aushandlung von Zuständigkeiten, von Kompetenzen  und Vernetzungen abbilden. Gleichzeitig werden Materialität und räumliche Struktur der Grenzposten, sowie die Einführung von neuen standardisierten Technologien betrachtet.
Die verschiedenen Kontexte der Grenzregionen Kenias sind dabei extrem heterogen. Hier tauchen unterschiedliche Facetten von lokalen, oftmals konträren Grenzpraktiken auf (wie etwa im Falle von Grenzüberschreitungen auf informellen Handelsrouten, durch Pastoralnomaden, durch Geflüchtete oder politische Oppositionsgruppen). Die Arbeit knüpft an die „Anthropology of Borders“ und Bürokratiestudien an. Durch ethnografische Forschung mit praxistheoretischem Fokus sollen die Spannungsverhältnisse im Rahmen innerafrikanischer Migration nach Kenia aufgezeigt werden, und gleichzeitig Rückbezüge zu globalen Grenz-Entwicklungen hergestellt werden.

 

Kurzbiographie

Katrin Sowa, geboren 1988, studierte in Köln Ethnologie und nahm am Research Master Programm von a.r.t.e.s. teil. Ihr Bachelorstudium absolvierte sie an der Johannes Gutenberg Universität in Mainz, wo sie Soziologie, Ethnologie und Afrikastudien studierte. Als DAAD-Stipendiatin studierte sie außerdem am Institute of Peace and Strategic Studies an der Gulu University in Uganda und führte eine ethnografische Studie mit ugandischen Polizei- und Grenzbeamten durch. Ihre darauf basierende Masterarbeit wurde mit dem Fakultätspreis der philosophischen Fakultät der Universität zu Köln ausgezeichnet. In Köln arbeitete sie als studentische, und später als wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Ethnologie. Seit April 2017 ist Katrin Sowa Fellow des a.r.t.e.s. EUmanities Programms (Klasse 7). Ihr Projekt wird betreut von Prof. Michael Bollig.

Kontakt: ksowa1(at)uni-koeln.de

 

Titelbild: National Monument zur Feier der Unabhängigkeit Kenias im Uhuru Garden, Nairobi (Foto: Katrin Sowa) // Portraitfoto: Patric Fouad