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Die Verschränkung von Realität, Traum und Sehnsucht

Einblicke in die Ausstellung „fern|weh“ des a.r.t.e.s. kunstfensters

von Simona Böckler und Alessa Hübner

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Luciano Baccaro, Street Photography, Berlin, 2010.

Von Mai bis Oktober 2017 wird in den Räumlichkeiten der a.r.t.e.s. Graduate School die aktuelle Ausstellung des a.r.t.e.s. kunstfensters „fern|weh“ zu sehen sein. Das kunstfenster der a.r.t.e.s. Graduate School ist ein Projekt, das 2009 von a.r.t.e.s.-Stipendiatinnen gegründet wurde und bis heute mit jährlichen Ausstellungen begeistert. Das aktuelle Team setzt sich aus den vier Promovierenden Francesca Della Ventura, Tessa Gengnagel, Ralph Lange und Kalina Petrova zusammen. In seinen Ausstellungen, die für alle Interessierten offen sind, bietet das a.r.t.e.s. kunstfenster jungen Künstlerinnen und Künstlern die Gelegenheit, ihre Kunstprojekte vor- und auszustellen. Dabei wird die Idee verfolgt, Wissenschaft und Kunst in einen interdisziplinären Dialog zu bringen. Der Austausch zwischen den Künstlerinnen und Künstlern, Kuratorinnen und Kuratoren sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern – also zwischen Theorie und Praxis – steht bei Vorbereitung und Präsentation der Ausstellungen im Mittelpunkt.

Wir haben mit dem Team des kunstfensters darüber gesprochen, wie aus der Idee, den Besucherinnen und Besuchern der kommenden Ausstellung ferne und fremde Räume näherzubringen, ein gelungenes Ausstellungskonzept entwickelt wurde, und wie sie die Besucherinnen und Besucher zum Nachdenken über eigene und fremde Existenzen und die Verschränkung von Realität, Traum und Sehnsucht anregen wollen:

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Francesca Magistro, Vilnius, 2011.

a.r.t.e.s. Graduate School: Liebes kunstfenster-Team, welches Thema wird in der diesjährigen Ausstellung behandelt und wie seid ihr darauf gekommen?

a.r.t.e.s. kunstfenster: Titel und Thema der Ausstellung lautet „fern|weh“: In den ausgestellten Kunstwerken soll der beständigen Sehnsucht, dem Alltäglichen und dem Bekannten zu entfliehen, dem Sich-in-Bewegung-Setzen nachgegangen werden. Sie präsentieren ferne und fremde Lebensräume und Lebenswelten und repräsentieren die Erkundungsbereitschaft dieser Orte durch die Künstlerinnen und Künstler und die Betrachtenden zugleich. Dieses konstruktive Moment des Bewusstseins der eigenen und fremden Existenzen möchten wir anregen. Die diesjährige Ausstellung „fern|weh“ will deshalb die inneren Widersprüche zwischen innen und außen, die Auffassung von anders und fremd unterschiedlicher individueller Wirklichkeiten und der Verschränkung von Realität, Traum und Sehnsucht zeigen.

Die Idee der Ausstellung hat sich nach und nach aus der Auswahl der Künstlerinnen und Künstler wie auch der Werke zusammengestellt. In mehreren Brainstorming-Sessions haben sich Themen und Ideen aus dem Gespräch und Austausch untereinander ergeben. Wir wollten ferne und fremde Räume näherbringen und von Wissenschaft und Alltag erzählen. Die ganz konkreten Bausteine, aus denen das Ausstellungskonzept zusammengesteckt ist, haben wir durch die Werke gewonnen, die wir im Mai im Gebäude von a.r.t.e.s. ausstellen werden.

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Rozbeh Asmani, Shirin, 2009, Schokolade, 4C-Druck auf Aluminium in Box, 17 x 9 x 3,6 cm, Auflage 200 (Foto: Andreas Endermann, 2015).

Ihr arbeitet ja das erste Mal zusammen als Team. Wie gestaltet sich eigentlich die Ausstellungsvorbereitung?

Die Themenfindung gestaltete sich kollektiv und dialektisch. Das gilt auch für das anschließend formulierte Ausstellungskonzept, das wir zusammen aufgesetzt haben und mit dem wir unsere Wunschkünstlerinnen und -künstler wie auch unsere Wunschkunstwerke ergattert haben. Zum jetzigen Zeitpunkt verläuft die Arbeitsteilung individuell, indem jeder von uns bestimmte Künstlerinnen und Künstler anfragt und anschließend betreut. In regelmäßigen Meetings halten wir dann ‚Kriegsrat‘ über das weitere Vorgehen. Dazu gehört auch, dass etwa im medialen Bereich anstehende Aufgaben verteilt werden müssen – Inhalte und Texte für die Website, die Gestaltung von Plakaten und Flyern. Gerade stehen ganz konkret Probedrucke von Exponaten an.

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Illustration von Shepard Fairey/obeygiant.com für TheAmplifierFoundation.org; Referenzfoto von Ridwan Adham.

Welche Künstlerinnen und Künstler sind dieses Jahr mit dabei? Und könnt ihr uns schon etwas zu den gezeigten Werken verraten?

Nach dem aktuellem Stand sind das die Dokumentarfotografin Francesca Magistro, der Fotograf und Kameramann Luciano Baccaro und der Medienkünstler Rozbeh Asmani. Rozbeh Asmanis Werke waren bereits 2015 im Rahmen der Ausstellung „bezeichnend!“ bei a.r.t.e.s. zu sehen. Bei der diesjährigen Ausstellung wird der Künstler jedoch neue Werke präsentieren und es werden andere Aspekte seiner Kunst beleuchtet. An der Ausstellung wird außerdem der amerikanische Illustrator für „The Amplifier Foundation“ Shepard Fairey mit „We the People“ aus der Ferne teilnehmen. Er dürfte einem breiten Publikum mit seinem „Hope“-Plakat von Barack Obama bekannt sein.

Von Francesca Magistro und Luciano Baccaro werden zahlreiche Fotografien zu sehen sein. Die thematische Spanne ist hier groß. Im Zentrum stehen aber stets der Mensch und seine Lebensumstände. So widmet sich Magistro in ihrer Foto-Serie „Vilnius“ dem Leben in Litauen der Nachkriegszeit. Über die ausschnitthafte Darstellung von Architektur und Mensch kreiert die Fotografin eine eigene und authentische Sprache, um die Geschichte einer Stadt zu erzählen. In einer seiner Fotoreportagen „Street Photography“ hält Luciano Baccaro verschiedene Augenblicke in der Hauptstadt Berlin fest und ermöglicht somit den Betrachtenden eine ganz besondere Perspektive auf das Geschehen. Rozbeh Asmanis Drucke und Plastiken werden den Betrachterinnen und Betrachtern mit der ihnen eigenen medialen Mehrschichtigkeit begegnen. Hier freuen wir uns ganz besonders auf die Auseinandersetzung der Besucherinnen und Besucher mit „Shirin“ – süß, verführerisch und politisch.

 

Wir danken dem Team des a.r.t.e.s. kunstfensters für das Gespräch!