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Dissertationsprojekt von Tanja Theißen

Von Jagenden und Gejagten. Die Jagd in Deutschland als kulturelle Praxis  (Arbeitstitel)

In einem westlich-industrialisierten Land wie Deutschland stellt die Jagd keine überlebenswichtige Notwendigkeit dar. Auch als herrschaftliche oder politische Machtdemonstration ist sie immer unpopulärer geworden. Der ökonomische Nutzen für die Jäger_innen hält sich ebenfalls in überschaubaren Grenzen. Stattdessen steht die gegenwärtige Jagdpraxis immer wieder öffentlich in der Kritik. Dennoch besaßen im Jahr 2015 in Deutschland ca. 374.000 Menschen einen Jagdschein (Statistik des DJV). Was treibt diese Menschen dazu an, Jäger_in zu sein und was heißt es, im gegenwärtigen Deutschland auf die Jagd zu gehen? Um diese Fragen angemessen zu beantworten, muss die gelebte Jagdpraxis zum Gegenstand dieser Dissertation werden.

Ziel ist es, die jagdliche Lebenswelt von Jägerinnen und Jägern zu beschreiben. Eine ausführliche Feldforschung, sowie die Ausbildung zur Jägerin sind der Weg zu diesem Ziel. Um einen Zugang zu dieser jagdlichen Lebenswelt mit ihren kulturspezifischen Wahrnehmungs- und Bedeutungsmustern zu gewinnen, gilt es, Merleau-Pontys Feststellung zu bedenken: „Das Bewußtsein ist ursprünglich nicht ein »Ich denke zu…«, sondern ein »Ich kann«.“ In diesem Sinne eröffnet sich die Jagd der ethnologischen Beschreibung vor allem als leibliche Praxis, die in einer konkreten landschaftlichen Umwelt verortet ist. In und durch dieses praktische Engagement konstituiert sich die Jagd als kulturelle Praxis. Es ist daher sinnvoll, in die ethnologische Darstellung der Jagd phänomenologische Überlegungen zur Leiblichkeit und zur jagdspezifischen Mensch-Tier-Umwelt-Beziehung einfließen zu lassen. Die gezielte Kombination von Ethnologie und Phänomenologie ermöglicht eine in die Tiefe der gelebten Praxis gehende ethnografische Darstellung der Jagd.

 

Kurzbiographie

Tanja Theißen, geb. 1989, hat bis 2012 Philosophie und Soziologie an der Albert-Ludwigs Universität zu Freiburg im Breisgau studiert. Thema der Abschlussarbeit war eine Auseinandersetzung mit dem Konzept der Fremdheit in Husserls Leibes- und Intersubjektivitätstheorie. 2015 hat sie ihren Master-Abschluss in Kulturwissenschaft mit dem Schwerpunkt Ethnologie an der Universität Koblenz gemacht. Ihre Abschlussarbeit, eine Ethnografie über die Mensch-Pferd-Beziehung während des Reitens, wurde als herausragende Abschlussarbeit der Fakultät für Philologie und Kulturwissenschaften der Universität Koblenz gewürdigt. Nach zwei Lehraufträgen am Institut für Kulturwissenschaft folgte im Wintersemester 2015/2016 ein Promotionsvorbereitungssemester an der a.r.t.e.s. Graduate School for the Humanities Cologne. Seit April 2016 promoviert Tanja Theißen als Stipendiatin von a.r.t.e.s. im Fach Ethnologie unter der Betreuung von Prof. Dr. Thomas Widlok und Jun.-Prof. Dr. Thiemo Breyer.

Kontakt: Tanja.Theissen(at)web.de

 

Vorträge

09.02.2017: "On horseback. Horse-human situations in trail riding"
Workshop "The Situationality of Human-Animal relations. Perspectives from Anthropology and Philosopy" (09.–10.02.2017)
a.r.t.e.s. Graduate School for the Humanities Cologne, Universität zu Köln.

 

Titelbild: Tanja Theißen // Portraitfoto: Patric Fouad