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Dissertationsprojekt von Ralph Lange

Die Macht der Gegenwart. Zur Dynamik von Präsenz und Distanz in der römischen politischen Kultur (Arbeitstitel)

Bereits zum Ende der Republik hatte Rom ein Weltreich erobert. Im Kern war es dennoch ein Stadtstaat geblieben, in dem sich gerade die Angehörigen der Elite täglich in verschiedenen Rollen und in verschiedenen Räumen begegneten. Die Präsenz im Alltag war für die Pflege von sozialen Nahverhältnissen und für das politische Networking konstitutiv. Ein prominenter Politiker musste für seine peers und Mitbürger sichtbar, zugänglich und ansprechbar sein. In der Kaiserzeit verlagerten sich die Verhältnisse physischer und sozialer Nähe auf die Person des Kaisers. Der Princeps wurde zur unerlässlichen Führungsfigur in Politik und Gesellschaft, zum bedeutendsten Priester und zum wichtigsten Patron. Wie funktionierten die feinen Grade von Präsenz und Distanz, von Anwesenheit und Abwesenheit, von Nähe und Ferne der zentralen Akteure – Senatoren, Ritter und Kaiser – in dieser „face-to-face“-Gesellschaft?
Das Dissertationsprojekt untersucht die Bedeutung historischer Dynamiken von Präsenz und Distanz und deren jeweiligen Diskursen in der römischen politischen Kultur anhand kritischer Quellenbetrachtung, gestützt von einer interdisziplinären Theorieauswahl. Das distinktive Verhalten politischer Akteure als prominente Rollenträger und die Faktoren, die ihre Entscheidungen beeinflussten, sowie die politischen, sozialen und religiösen Folgen und Rezeption ihrer Handlungen bilden den Kern der Untersuchung, deren Zeitraum sich von der späten Republik bis zum Ende der Herrschaft Hadrians (138 n. Chr.) erstreckt.

 

Kurzbiographie

Ralph Lange, Jahrgang 1990, studierte in Köln Geschichte und Kunstgeschichte im Bachelor und Geschichte mit den Schwerpunkten Alte Geschichte, Anglo-Amerikanische Geschichte und Neuere und Neueste Geschichte im Master. Während seines Studiums war er unter anderem als Praktikant für das Musée National d’Histoire et d’Art (MNHA) in Luxemburg und an der Universität zu Köln als Hilfskraft tätig. Ende 2016 führte ihn ein Forschungsaufenthalt nach Baltimore an die Johns Hopkins University zu Professor Dr. Matthew Roller. Zurzeit arbeitet er als Wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl von Professor Dr. Karl-Joachim Hölkeskamp. Seit April 2016 beschäftigt er sich als Stipendiat im Integrated Track der a.r.t.e.s. Graduate School mit seinem Dissertationsprojekt, das von Professor Dr. Karl-Joachim Hölkeskamp (Köln), Professor Dr. Greg Woolf (London) und Prof. Dr. Jan Felix Gaertner (Köln) betreut wird.

Kontakt: ralph.lange(at)uni-koeln.de

 

Vorträge

„The Impact of the Emperor. Imperial Presence and Absence in the Courtroom”, The Impact of ‘Justice’ on the Roman Empire, 13th workshop of the network Impact of Empire, 26. Juni 2017, Universiteit Gent

„Zum Circus gehen keine Catos. Wohin mit der maiestas?“, Althistorisches Kolloquium. Aktuelle Forschungsprobleme der Alten Geschichte, 25. April 2017, Universität Bielefeld

„Pygmaleon’s or Frankenstein’s Emperor? Modelling Trajan’s Presence in Book 10 of Pliny’s Letters“, Annual Meeting of the Postgraduates in Ancient History (AMPAH), 25. März 2017, King’s College London

„The Power of Presence. Historical Dynamics of Presence and Distance in Roman Political Culture“, Classics and Ancient History Work in Progress Seminar, 16. März 2017, Garstang Museum of Archaeolgy, University of Liverpool

„I’m Not There. Distance and Identity in Cicero’s Exile“, Refuge and Refugees in the Ancient World – Columbia University Ancient World Graduate Student Conference, 11.–12. November 2016, Columbia University, City of New York

Noblesse oblige? Dynamiken der Präsenz und Distanz als Dynamiken der Macht.“, Darmstädter Diskussionen – 8. Interdisziplinäres Doktorandenkolloquium zu antiken Kulturen, 21.–24. September 2016, Technische Universität Darmstadt

 

Titelbild: Die Bühne im Bauhaus (Zeichnung von Oskar Schlemmer), aus: O. Schlemmer, L. Moholy-Nagy, F. Molnar, Die Bühne im Bauhaus, Mainz 1965, Verlag Florian Kupferberg Mainz/Berlin // Portraitfoto: Patric Fouad