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Dissertationsprojekt von Ralph Lange

Die Macht der Gegenwart. Zur Dynamik von Präsenz und Distanz in der römischen politischen Kultur (Arbeitstitel)

Bereits zum Ende der Republik hatte Rom ein Weltreich erobert. Im Kern war es dennoch ein Stadtstaat geblieben, in dem sich gerade die Angehörigen der Elite täglich in verschiedenen Rollen und in verschiedenen Räumen begegneten. Die Präsenz im Alltag war für die Pflege von sozialen Nahverhältnissen und für die politische Laufbahn konstitutiv. Ein prominenter Politiker musste für seine Mitbürger sichtbar, zugänglich und ansprechbar sein. Abwesende Wettbewerber konnten nur um Ehren mitkonkurrieren, wenn sie einen eindrucksvollen Feldzug siegreich beenden und sich im Stadtgespräch halten konnten. Die Anerkennung dieser Erfolge durch den Senat war hart umkämpft. Selbst im Dienst der Res publica konnte Abwesenheit die Karriere bedrohen. In der Kaiserzeit verlagerten sich die Verhältnisse physischer und sozialer Nähe auf die Person des Kaisers, sodass sich das Problem der Abwesenheit von Rom umkehrte. Der abwesende Kaiser löste sich durch seine Entfernung vom Hintergrund des republikanischen Roms. Die autokratische Herrschaft über Rom und das Imperium entwickelte sich dadurch weiter. Anwesenheit definierte die politische Kultur der Republik, während Abwesenheit den Principat entscheidend schärfte.

Das Dissertationsprojekt untersucht die Realien der Kommunikation und die Bedeutung historischer Dynamiken von Präsenz und Distanz und deren jeweilige Diskurse in der römischen politischen Kultur anhand kritischer Quellenbetrachtung, gestützt von einer interdisziplinären Theorieauswahl. Das distinktive Verhalten politischer Akteure als prominente Rollenträger und die Faktoren, die ihre Entscheidungen beeinflussten, sowie die politischen, sozialen und religiösen Folgen und Rezeption ihrer Handlungen bilden den Kern der Untersuchung, deren konzentrierter Zeitraum sich von der Mittleren Republik bis zum Ende der Herrschaft Tiberius‘ im Jahre 37 n. Chr. erstreckt.

 

Kurzbiographie

Ralph Lange, Jahrgang 1990, studierte in Köln Geschichte und Kunstgeschichte im Bachelor und Geschichte mit den Schwerpunkten Alte Geschichte, Anglo-Amerikanische Geschichte und Neuere und Neueste Geschichte im Master. Während seines Studiums war er unter anderem als Praktikant für das Musée National d’Histoire et d’Art (MNHA) in Luxemburg und an der Universität zu Köln als Hilfskraft tätig. 2016 und 2017 führten ihn Forschungsaufenthalte nach Baltimore an die Johns Hopkins University und ans Institute of Classical Studies der University of London. Zurzeit arbeitet er als Wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl von Professor Dr. Karl-Joachim Hölkeskamp. Seit April 2016 beschäftigt er sich als Stipendiat im Integrated Track der a.r.t.e.s. Graduate School mit seinem Promotionsprojekt, das von Professor Dr. Karl-Joachim Hölkeskamp (Köln), Professor Dr. Greg Woolf (London) und Prof. Dr. Jan Felix Gaertner (Köln) betreut wird.

Kontakt: ralph.lange(at)uni-koeln.de

 

Vorträge

„In deinen Farben, mit meinem Pinsel. (Cic. Q. fr. 2.14.2) Das Problem der Abwesenheit von Rom und Caesars Kompensationsstrategien im Krieg gegen die Gallier“, Althistorisches Colloquium, 05. Juli 2017, Humboldt-Universität zu Berlin

„The Impact of the Emperor. Imperial Presence and Absence in the Courtroom”, The Impact of ‘Justice’ on the Roman Empire, 13th workshop of the network Impact of Empire, 21.–24. Juni 2017, Gent

„Zum Circus gehen keine Catos. Wohin mit der maiestas?, Althistorisches Kolloquium, Aktuelle Forschungsprobleme der Alten Geschichte, 25. April 2017, Universität Bielefeld

„Pygmaleon’s or Frankenstein’s Emperor? Modelling Trajan’s Presence in Book 10 of Pliny’s Epistles“, Annual Meeting of the Postgraduates in Ancient History (AMPAH), 25. März 2017, King’s College London

„The Power of Presence. Historical Dynamics of Presence and Distance in Roman Political Culture“, Classics and Ancient History Work in Progress Seminar, 16. März 2017, Garstang Museum of Archaeolgy, University of Liverpool

„I’m Not There. Distance and Identity in Cicero’s Exile“, Refuge and Refugees in the Ancient World, Columbia University Ancient World Graduate Student Conference, 11.–12. November 2016, Columbia University, City of New York

Noblesse oblige? Dynamiken der Präsenz und Distanz als Dynamiken der Macht.“, Darmstädter Diskussionen, 8. Interdisziplinäres Doktorandenkolloquium zu antiken Kulturen, 21.–24. September 2016, Technische Universität Darmstadt

 

Lehrveranstaltungen

Sommersemester 2018

Research Master-Seminar: „Ding und Dinglichkeit”, mit Jun.-Prof. Dr. Thiemo Breyer, Universität zu Köln

Wintersemester 2017/18

Research Master-Seminar: „Raum und Räumlichkeit”, mit Jun.-Prof. Dr. Thiemo Breyer, Universität zu Köln

 

Titelbild: The Impact of the Emperor (Posterpräsentation, Design: Tessa Gengnagel) // Portraitfoto: Patric Fouad