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Dissertationsprojekt von Georg Friedrich Heinzle

Das Trauma der Franken. Deutungen des karolingischen Brüderkrieges im 9. Jahrhundert (Arbeitstitel)

Das Projekt untersucht die Deutungen des karolingischen Brüderkrieges (840-843) während der späten Karolingerzeit. Der Konflikt der Erben Ludwigs des Frommen um die Aufteilung des Reiches stürzte das Frankenreich in einen schweren Bürgerkrieg und fand seinen blutigen Höhepunkt in der Schlacht von Fontenoy (25. Juni 841). Das gegenseitige Töten unter Christen und unter verwandten Eliten brannte sich als traumatische Erfahrung in das kollektive Gedächtnis der fränkischen Welt ein. Das Projekt zeichnet die Entwicklung der Deutung dieser Kriegsereignisse während und nach dem Krieg nach und gebraucht den Terminus „Trauma” hierbei als heuristischen Rahmenbegriff in Sinne eines Bruchs gesellschaftlicher Bande, der bewältigt werden muss. Zudem wird davon ausgegangen, dass der Brüderkrieg das Resultat konkurrierender Normen war. Daher wird das Konzept der Normenkonkurrenz einbezogen und mit dem Trauma verbunden. Die langfristigen Auswirkungen des Krieges und seine Bedeutung als Schlüsselzeit des späten Karolingerreiches werden aufgearbeitet. Am Ende des Buches sind ein Ausblick auf die weitere Erinnerung des Mittelalters an den Krieg und ein Exkurs über seine moderne Rezeption geplant.

 

Kurzbiographie

Georg Friedrich Heinzle, M.A., geboren 1990, studierte in Köln Geschichte und English Studies (2-Fach-BA, 2010–2013, 1-Fach-MA Geschichte 2013–2015, zugleich Teilnahme am Research Master-Programm der a.r.t.e.s. Graduate School for the Humanities Cologne). Von 2012 bis 2016 war Georg Friedrich Heinzle am Historischen Institut der Universität zu Köln angestellt, zunächst als Studentische und seit 2013 als Wissenschaftliche Hilfskraft, sowie von 2012 bis 2015 als Tutor für Mittelalterliche Geschichte. Seit Oktober 2015 promoviert er unter Betreuung von Prof. Dr. Karl Ubl, Prof. Courtney Booker (UBC Vancouver) und Prof. Dr. Peter Orth. Seit April 2016 ist er Kollegiat im Integrated Track der a.r.t.e.s. Graduate School und seit Januar 2017 zudem Stipendiat im Rahmen des von der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste geförderten Projekts „Capitularia. Edition der fränkischen Herrschererlasse“ unter der Leitung von Prof. Dr. Karl Ubl. Georg Friedrich Heinzle ist Mitglied im Zentrum für Mittelalterstudien Köln (ZEMAK) sowie im Aachener Geschichtsverein e. V.

Kontakt: gheinzle(at)web.de

 

Publikationen

„Le souvenir de nos gloires“: Überlegungen zur Schlacht von Fontenoy (841) in der französischen Erinnerung des Spätmittelalters und des 19. Jahrhunderts (Aufsatz, in Vorbereitung).

Mit Lars Reuke: Tagungsbericht „Pracht-Preis-Prestige“, in: Hypotheses, URL https://mittelalter.hypotheses.org/9563.

 

Vorträge (Auswahl)

„Moral und Recht im Bürgerkrieg. Zur Verknüpfung argumentativer Ebenen bei Nithard“, 09. Dezember 2016, Tagung „Theoretisieren, Argumentieren, Disziplinieren. Machtträger und (Krisen-) Management im Zeichen der Moral (6.–16. Jahrhundert)“, TU Darmstadt.

„‚Le souvenir de nos gloires‘: Überlegungen zur Schlacht von Fontenoy (841) in der französischen Erinnerung des Spätmittelalters und des 19. Jahrhunderts“, 18. März 2016, Tagung „Mythos und Wissen. Die Mythisierung von Personen, Institutionen und Ereignissen und deren Wahrnehmung im wissenschaftlichen Diskurs”, RWTH Aachen.

„A Trauma Overcome? Considerations on the Battle of Fontenoy in Regino of Prüm's Chronicle“, 21. November 2015, 3rd Cologne-Toronto Graduate Student Colloquium, Universität zu Köln.

 

Titelbild: Paris, Bibliothèque nationale de France, Manuscrit Français 6465, fol. 140r // Portraitfoto: Patric Fouad