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Dissertationsprojekt von Tessa Gengnagel

Superstructures. A New Approach to Knowledge Modelling in Digital Scholarly Editions (Arbeitstitel)

Die Erschließung historischen und literarischen Quellmaterials in Form von Editionen bildet eine der wesentlichen Grundlagen geisteswissenschaftlicher Arbeit. Seit Anbruch des digitalen Zeitalters ist eine zunehmende Verlagerung editorischer Bemühungen zu beobachten, die auf die Nutzbarmachung des neuen Mediums – oder, allgemeiner formuliert, des Computers – zielt. Während aber gedruckte Editionen auf eine lange Tradition editionsphilosophischer Überlegungen und methodischer Ausreifungsprozesse zurückblicken können, liegt der Fokus bei der Erstellung digitaler Editionen meist auf ihrer praktischen Umsetzung und visuellen Präsentation, was weder Nachhaltigkeit noch einen analytischen Mehrwert verspricht, zumal die meisten dieser projektgebundenen Bestrebungen in einem engen zeitlichen Rahmen operieren.

Ziel dieser Dissertation ist es, das informationstheoretische Grundgerüst von digitalen Editionen weiterzuentwickeln, um unabhängig von der späteren Implementierung ein zunächst abstraktes Modell für die Erfassung von Überlieferungsvarianz zu schaffen. Hierbei wird nicht nur textuelle, sondern insbesondere ikonographische Überlieferungsvarianz zu berücksichtigen sein, die aufgrund des Primats textbasierter Hermeneutik bei Werken mit Text-Bild-Einheiten bisher in der Regel nicht ediert wurde. Durch den Wegfall produktionsbedingter Einschränkungen – beispielsweise der Schwierigkeit, in einem gedruckten Buch eine Vielzahl an Faksimiles verschiedener Handschriften wiederzugeben – wird die Frage der Annotation von Bildprogrammen äquivalent zum apparatus criticus für Texte neu aufgeworfen.

Basierend auf der Untersuchung eines solchen Bildprogramms – der Ascende calve Papstvatizinien – ist in Vorarbeiten zur Dissertation ein Konzept von Superstrukturen entstanden. Dessen Konsolidierung und Ausarbeitung zu einem allgemein anwendbaren Modell wird im Vordergrund der Dissertation stehen. Darüber hinaus sollen allgemeine theoretische und methodologische Fragen digitalen Edierens und damit einhergehend des strukturierten und maschinenlesbaren Ausdrucks von Wissen erörtert werden.

 

Kurzbiographie

Tessa Gengnagel ist seit Oktober 2015 Fast-Track-Stipendiatin der a.r.t.e.s. Graduate School for the Humanities Cologne und promoviert bei Prof. em. Thaller im Bereich der historisch-kulturwissenschaftlichen Informationsverarbeitung. Ihren B.A. in Geschichte und Lateinischer Philologie des Mittelalters absolvierte sie von 2009-2012 an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Dort war sie sowohl am Seminar für Lateinische Philologie des Mittelalters als auch am Historischen Seminar als studentische Hilfskraft tätig. Anschließend studierte sie für ihren M.A. an der Universität zu Köln European Multimedia Arts and Cultural Heritage Studies. Seit 2013 arbeitet sie als wissenschaftliche Hilfskraft am Cologne Center for eHumanities im Projektmanagement des Marie Curie ITNs DiXiT (Digital Scholarly Editions Initial Training Network).

Kontakt: tessa.gengnagel(at)uni-koeln.de

 

Vorträge

„Superstrukturen” (Präsentation eines Papers), 12.-14. Oktober 2016, Jubiläumskonferenz des prometheus-Bildarchivs, Universität zu Köln.

„Explorer, Trader, Conqueror? On the Role of the Digital Editor” (Präsentation eines Posters), mit Frederike Neuber, 16.-18. März 2016, DiXiT-Konferenz Academia, Society, Cultural Heritage, Universität zu Köln.

„Marking Up Iconography: Scholarly Editions Beyond Text“ (Präsentation eines Papers), 28.–31. Oktober 2015, Jahreskonferenz der Text Encoding Initiative (TEI), Lyon.

„Digital Humanities – Fragen (!) und Antworten (?)“, 27.06.2014, eigengestalteter Workshop und Vortrag in der AG 8 „Macht, Wissen und Kommunikation in Mittelalter und Früher Neuzeit“, Graduiertenschule Humanities, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

 

Titelbild: Illustration der ersten Ascende calve Prophezeiung in der Handschrift St. Gallen, Kantonsbibliothek, Vadianische Sammlung, VadSlg Ms. 342, f. 1, http://www.e-codices.unifr.ch/de/list/one/vad/0342 // Portraitfoto: Patric Fouad