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Dissertationsprojekt von Haydée Mareike Haass

Herbert Reinecker: NS-Propagandist und BRD-Erfolgsautor (Arbeitstitel)

Obwohl Herbert Reinecker (1914–2007) als Autor der Serien „Derrick“, „Der Kommissar“ und „Siska“ für die mediale Alltagskultur der Bundesrepublik jahrzehntelang von zentraler Bedeutung und Wirksamkeit war, wurde seine tiefe Verwurzelung in den NS-Kulturbetrieb erst im Jahre 2010 öffentlichkeitswirksam. Reinecker war Hauptschriftleiter des Eher-Verlages, des Zentralverlages der NSDAP. Als SS-Oberscharführer schrieb er Kriegsberichte für „Das Schwarze Korps“ und den „Völkischen Beobachter“. Zudem war er als Buchautor und Drehbuchverfasser für Kinofilme und Theaterstücke erfolgreich. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte er seine berufliche Karriere nahtlos fortsetzen.

Die Dissertation untersucht das Kulturschaffen Reineckers im Nationalsozialismus und in der Bundesrepublik hinsichtlich der Kontinuitäten und Diskontinuitäten von moralischen Deutungsmustern. Dazu werden sowohl seine Produktionen während der NS-Zeit (u. a. Theaterstücke, HJ-Filmdrehbücher, SS-Kriegsberichte) als auch nach 1945 unter Einbeziehung seiner autobiographischen Werke analysiert. Welche Rolle spielen die für den Nationalsozialismus zentralen Begriffe und Konzepte wie „Gemeinschaft“, „Ehre“ oder „Treue“? Wie sind Reineckers Werke im Kontext der Diskussion um eine „nationalsozialistische Moral“ einzuordnen? Welche Kontinuitäten, Verwandlungen und Brüche lassen sich nach 1945 ausmachen?

 

Kurzbiographie

Haydée Mareike Haass, M.A. Soziologie und Geschichte sowie Staatsexamen für das Gymnasium mit den Fächern Politik- und Wirtschaft und Geschichte an der Goethe Universität in Frankfurt am Main. Sie war Mitarbeiterin am Schwerpunkt Didaktik der Sozialwissenschaften und der schulischen Politischen Bildung an der Goethe Universität Frankfurt am Main. Während Ihres Studiums arbeitete sie als Tutorin und Hilfskraft für Schreibstrategien, Gedenkstättenpädagogik und Fachdidaktische Grundlagen der schulischen Politischen Bildung. Daneben wirkte sie unterstützend für eine Studie des Jüdischen Museum in Frankfurt am Main unter der Leitung von Prof. Dr. Raphael Gross. Außerdem war sie mit einem Kooperationsprojekt des Haus am Maiberges als „Wahlbeobachterin“ in Russland Yaroslwal und Moskau, wo sie u. a. den Kremelkritiker Boris Nemtsov interviewte. Ihr Studium schloss sie mit einer Arbeit zur Theorie des Antisemitismus „Schreibstrategien – Die Damaskusaffäre 1840 in Heinrich Heines Lutetia" ab, die am Fritz Bauer Institut betreut wurde. Ihre Doktorarbeit entwickelte sie mit der Unterstützung von Prof. Dr. Werner Konitzer am Fritz Bauer Institut Frankfurt am Main. Seit April 2015 ist sie Stipendiatin der a.r.t.e.s. Graduate School for the Humanities Cologne. Ihre Dissertation wird von Prof. Dr. Habbo Knoch, Prof. Dr. Ralph Jessen und Prof. Dr. Raphael Gross betreut.

Kontakt: haydee_mareike-haass(at)t-online.de

 

Publikationen

Mit Martina Tschirner, im Auftrag der Hans Böckler Stiftung (Hg.): Der Mindestlohn ist da! Sozialer Gewinn oder Jobkiller? Unterrichtseinheit Mindestlohn II, 2/2015 (Böckler Schule).

Mit Gerd Steffens: Politische Bildung und die Dynamik ihres Gegenstandsbereichs, in: Andreas Eis / David Salomon (Hg.): Gesellschaftliche Umbrüche gestalten. Transformationen in der Politischen Bildung, Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag 2014, S. 22–27.

 

Vorträge (Auswahl)

„Herbert Reinecker. NS-Propagandist und BRD-Erfolgsautor. Die mediale Verwandlungsgeschichte der Bundesrepublik am Beispiel seiner Krimiserie ‚Der Kommissar‘“, 1969-1976, 13. Februar 2019, Oberseminar zur Neueren und Neuesten Geschichte, Justus Liebig Universität Gießen.

„Von NS-Kampfmoral zum TV-Zuschauer? Herbert Reinecker als NS-Propagandist und BRD-Erfolgsautor“, 20. November 2018, Forschungskolloquium zur Geschichte und Wirkung des Holocaust des Fritz Bauer Institutes, Goethe Universität Frankfurt a. M.

„‚Perpetrator, Bystander and The Commissar‘: Memory and Identity Politics in the West German TV Crime Story ‚Der Komissar‘“, 13.–15. September 2018, German History Society Annual Conference, University of Leicester.

„Afterlives of Nationalsocialism and New Moral Politics as a European Bestseller: Memory and Identity in most successful German TV Crime Story ‚Der Kommissar‘“, 21.–24. August 2018, University of São Paulo, Brazil.

„Die mediale Verwandlungsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland am Beispiel der Krimiserie ‚Der Kommissar‘“, 20.–21. April 2018, „The Afterlives of NS-Film“ (Prof. Dr. Bill Niven, Nottingham Trent University & Dr. Christoph Classen, Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam), Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam.

„Re-shaping the idea of Europe in literature of Herbert Reinecker: Nazi Propaganda and German Bestsellers“, 30. August–01. September 2017, German History Society Annual Conference, University of St Andrews.

„Die lange Nacht des Kommissars“, 24. März 2017, Gastvortrag und Veranstaltung gm. mit dem Fritz Bauer Institut (Prof. Dr. Werner Konitzer) und der Theater-Film-und Medienwissenschaft (Prof. Dr. Rembert Hüser), Universität Frankfurt a.M.

„Kulturwirken Herbert Reineckers im Nationalsozialismus und der Bundesrepublik Deutschland“, 23.–24. November 2016, achtes Doktoranden-Seminar des Fritz Bauer Institutes und der Evangelischen Akademie der Wissenschaften.

„Kulturwirken Herbert Reineckers im Nationalsozialismus und der Bundesrepublik Deutschland“, 04. Juli 2016, Oberseminar für Neuere und Neuste Geschichte der Universität zu Köln.

„NS-Moral eine vorläufige Bilanz“ (Gasteinladung), 16.–18. September 2015, Konferenz des Fritz Bauer Institutes und der Evangelischen Akademie Frankfurt.

 

Veranstaltungsorganisation und Kuration

Internationales a.r.t.e.s. forum „Societies and social practices. Between theory and responsibility“, 06. Juli 2018, Universität zu Köln.

Ausstellung „going beyond“ des a.r.t.e.s. kunstfenster (Kuration), 2016, Universität zu Köln.

Artist-Talk: über die fiktive Ausstellung „Phaso“ im Römisch Germanischen Zentralmuseum in Mainz mit der Künstlerin Sarah Mock, 12. Juli 2016, a.r.t.e.s. Graduate School, Universität zu Köln.

Chair: „Kulturen von rechts. Materiale Überprüfung von Furio Jesis Forschungshypothese“, 28./29. Juni 2017, Emanuele Caminada & Dr. Ulrich van Loyen, a.r.t.e.s. Graduate School, Universität zu Köln.

„Alternativentwürfe. Aufbruchsversuche in Wissenschaft und Hochschule seit den 1960er Jahren“, 07. Dezember 2015, Dr. Susanne Schregel & Berit Schaller, a.r.t.e.s. Graduate School, Universität zu Köln.

 

Sonstige Formate

History Slam, 26. September 2018, Historikertag, Münster.

Interview, Universitätsmagazin der Universität zu Köln (im Erscheinen: Oktober/November 2018).

 

Lehrveranstaltungen

SoSe 2017: Arbeitskurs „Moral History“, mit Dr. Benjamin Möckel, a.r.t.e.s.-Curriculum, Universität zu Köln.

 

Titelbild: Titel der Zeitschrift „Die junge Kameradschaft“, für die Reinecker wiederholt Beiträge verfasste (aus: Die junge Kameradschaft. Jahrbuch für die deutsche Jugend (hrsg. Erich Fischer), Jg. 1938, Zeitgeschichtlicher Verlag und Vertriebsgesellschaft m.b.H., Berlin / Deutsche Nationalbibliothek Leipzig Bestand [1] -1935- ; Foto: Haydée Mareike Haass) // Portraitfoto: Patric Fouad