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Dissertationsprojekt von Philipp Bojahr

Ästhetik und Technik der Montage im Computerspiel
(Arbeitstitel)

Während der Einzug des digitalen Zeitalters in vielen Bereichen eine Aktualisierung und Fortführung theoretischer Medienkonzepte und -praktiken befeuert hat, verbleibt die Montage als transmedial anzutreffendes Phänomen erstaunlich oberflächlich berücksichtigt. Ungemein deutlich ist dieser Umstand beim Computerspiel erkennbar, das als Inbegriff der digitalen Medien zum Gegenstand einer kaum mehr überschaubaren Palette von interdisziplinären Annäherungen geworden ist, dabei jedoch nur eine äußerst randständige (und dabei fatal zu kurz greifende) Diskussion seiner Montageformen erfahren hat.
Vor diesem Hintergrund zielt das unter dem Arbeitstitel „Ästhetik und Technik der Montage im Computerspiel“ gefasste Promotionsvorhaben auf eine möglichst unvoreingenommene Betrachtung der Montagethematik im Computerspiel ab. Insbesondere sollen dabei die Limitationen eines einfachen Transfers von theoretischen Konzepten anderer Medien überwunden und stattdessen das breite Bedeutungsspektrum des Montagebegriffs von der Ästhetik bis hin zur Technik für eine integrative Beschreibung des Gegenstands Computerspiel fruchtbar gemacht werden. Letztlich steht ein montagetheoretischer Zugang als Ziel, der nicht nur dem Medium als Ganzes gerecht wird, sondern umgekehrt auch den bislang noch vergleichsweise schwach ausgebildeten Mediencharakter des Computerspiels deutlicher konturiert.

 

Kurzbiographie

Philipp Bojahr studierte Chemie und Medienwissenschaft an der Universität Siegen und schloss 2014 den M.A. Medienkultur mit der Arbeit „Formen der Montage im Computerspiel“ ab. Während des Studiums war er als studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Medienästhetik tätig und fungierte außerdem als studentischer Vertreter. Sein Studium wurde u.a. durch ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert. Seit 2015 promoviert er als Stipendiat von a.r.t.e.s. unter der Betreuung von Jun.-Prof. Dr. Benjamin Beil. Sein besonderes Interesse in den Game Studies gilt neben der Montage den diversen Störprozessen im und um das Computerspiel. Er ist Mitglied der AG Games und Gründungsmitglied der Forschungsinitiative GamesCoop.

Kontakt: bojahr(at)medienaesthetik.uni-siegen.de

 

Publikationen

Krieg, Spiel, Spielverderber. Überlegungen zum Regelbruch im analogen und digitalen Kriegsspiel, in: Ernst Strouhal (Hg.): Agon und Ares. Der Krieg und die Spiele, Frankfurt/New York: Campus 2016, S. 344–360.

Das Computerspiel als Montage. Überlegungen zum Montagebegriff in den Game Studies, in: Benjamin Beil / Gundolf S. Freyermuth / Lisa Gotto (Hg.): New Game Plus. Perspektiven der Game Studies. Genres – Künste – Diskurse, Bielefeld: Transcript 2015, S. 185–218.

Gestörte Atmosphären | Atmosphären der Störung. Zur Wahrnehmung von Störfällen in Computerspielen, in: Christian Huberts / Sebastian Standke (Hg.): Zwischen|Welten. Atmosphären im Computerspiel, Glückstadt: Vwh 2014, S. 267–294.

Zwischen Unfall und Unanimität. Aisthesis und Ästhetik der Störung im Computerspiel, in: Benjamin Beil / Philipp Bojahr / Thomas Hensel / Markus Rautzenberg / Andreas Wolfsteiner (Hg.): I Am Error. Störungen des Computerspiels, Navigationen. Zeitschrift für Medien- und Kulturwissenschaften, 12,2, Siegen: Universi 2012, S. 23–45.

Mit Benjamin Beil / Thomas Hensel / Britta Neitzel / Timo Schemer-Reinhard / Jochen Venus: Theorien des Computerspiels. Zur Einführung, Hamburg: Junius 2012.

Aktant – Arbeitsumgebung, in: Benjamin Beil / Thomas Hensel (Hg.): Game Laboratory Studies, Navigationen. Zeitschrift für Medien- und Kulturwissenschaften, 11,2, Siegen: Universi 2011, S. 21–24.

 

Vorträge

„Zum Störfall als Bruch zwischen On und Off“, 08. April 2016, Nachwuchstagung „On/Off in medialer Figuration“, Institut für Medienwissenschaft, Philipps-Universität Marburg.

„Montage in Videospielen aus formal-ästhetischer und technischer Perspektive“, 20./21. November 2015, AG Games Workshop „Wechselspiele cineludischer Formen“, Frankfurt a.M.

„Momente der Utopie zwischen Diegese und Konzept“, 30. September-03. Oktober 2015, GfM-Jahrestagung „Utopien. Wege aus der Gegenwart“, Bayreuth.

„Die Brüche des Spiels“, 23.-29. August 2015, IFK_Akademie 2015 „Die Regeln des Spiels“, Maria Taferl.

„‚Wildes Spielen‘ – Zum Konzept der Bricolage im Umgang mit Computerspielen“, 18./19. Dezember 2014, Workshop „Playful Participation. Experimentelle und künstlerische Strategien der interaktiven Teilhabe“, Köln.

„Zur Rolle der Störung im Computerspiel“, 11.-14. September 2014, GFF-Jahrestagung „Fantastische Spiele“, Klagenfurt.

„Vom Bug zum Modding. Entwurf einer Typologie der (Ent-)Störungen des Computerspielens“, 18.-20. April 2013, Jubiläumstagung der AG Games „Spiel|Handlung“, Köln.

„Perturbationen. Übergänge von aisthetischer zu ästhetischer Erfahrung“, 05.-08. Oktober 2011, mit Prof. Dr. Peter Matussek, GfM-Jahrestagung „Dysfunktionalitäten“, Potsdam.

 

Lehrveranstaltungen

WiSe 2016/17: Seminar „Das Prinzip Montage als Kunst- und Kulturtechnik“, Universität zu Köln.

WiSe 2015/16: Seminar „Computerspiele im Museum“, mit Benjamin Beil / Michelle Herte / Federico Alvarez, Universität zu Köln.

 

Titelbild: Die Verbildlichung des Computerspiels als montiertes Artefakt. Kristoffer Zetterstrand: The Game (2009), http://zetterstrand.com/, Lizenz: Creative Commons (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/) // Portraitfoto: Patric Fouad