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Dissertationsprojekt von Kirsten Seidlitz

Music related to political conflict from Turkey and its expression in Germany (Arbeitstitel)

Der musikalische Ausdruck in der Türkei wird von politischer Seite eingeschränkt; in der Diaspora in Deutschland jedoch kann das Musikleben frei ausgelebt werden. Die Studie aus dem Bereich der Musikethnologie stützt sich auf die These, dass hierdurch politisch-kulturelle Impulse für Deutschland und für die Türkei gewonnen werden können. Es wird analysiert, inwieweit Musik, welche mit politischem Konflikt aus der Türkei assoziiert und in Deutschland zum Ausdruck gebracht wird, als politischer Kommentar verstanden werden kann, und inwiefern sie einen Einfluss auf das gesellschaftliche Ansehen der Musiker und der von ihnen repräsentierten Volksgruppen hat – sowohl in Deutschland als auch in der Türkei. Exemplarisch werden das musikalische Wirken der ethnischen Minderheit der Kurden, der religiösen Minderheit der Aleviten und von Systemkritikern betrachtet.
Der Zeitraum ab dem Militärputsch 1980 bis heute steht im Fokus. Die Identitätspolitik der Türkei, unter besonderer Berücksichtigung des Themas Minderheitenrechte, und die hieraus resultierte Emigration nach Deutschland werden analysiert. Die Studie ist qualitativ ausgerichtet. Interviews und Feldforschungen in Nordrhein-Westfalen und Berlin sollen Aufschluss verschaffen. Des Weiteren wird auf musikethnologische und musiksoziologische Konzepte, welche die Beziehungen zwischen Musikleben und Identität, sowie zwischen Musikleben und Machtausübung untersuchen, und auf Theorien zu Diasporaleben und Transkulturalismus zurückgegriffen.

 

Kurzbiographie

Kirsten Seidlitz, geboren 1988, studierte von 2009 bis 2014 Sonderpädagogik, Musik (mit Hauptfach Geige) und Germanistik an der Universität zu Köln. Bereits während des Studiums führte sie drei musikethnologische / popularmusikwissenschaftliche Forschungsreihen durch: zur musikalischen Trendsetzung im Musikclub-Szeneleben, zur Ökonomisierung der Subkultur Punkrock und zur Musik jugendlicher Roma. Hieraus ergaben sich zwei Vorträge auf Tagungen und eine Anstellung als Studentische Hilfskraft am Institut für Europäische Musikethnologie der Universität zu Köln. Im April 2015 wurde sie von der a.r.t.e.s. Graduate School for the Humanities Cologne aufgenommen. Ihre Studie ist interdisziplinär und international angelegt: Als Betreuer fungieren Prof. Dr. Federico Spinetti (Universität zu Köln, Institut für Musikwissenschaft), Jun.-Prof. Dr. Béatrice Hendrich (Universität zu Köln, Orientalisches Seminar) und Dr. habil. Martin Greve (Orient-Institut in Istanbul, Musikethnologie). Kirsten Seidlitz hat sich in den letzten zehn Jahren stets sozial engagiert u.a. bei der Förderung der deutschen Sprachkenntnis von Kindern mit Migrationshintergrund. Im Wintersemester 2015/16 war sie zudem projektbezogen als Wissenschaftliche Hilfskraft am Orientalischen Seminar der Universität zu Köln beschäftigt.

Kontakt: kirsten.seidlitz(at)t-online.de

 

Publikationen

Erscheint demnächst: „‚Wer war zuerst da: Die Szene oder der Club?’ Untersuchung zu musikalischen Ausrichtungen und Gruppenbildungsprozessen im Musikclub-Szeneleben“. In: ICTM (Hrsg.): Traditionelle Musik Europäischer Regionen im Globalen Kontext.

„Punkkonzerte in der Bundesrepublik Deutschland der 1970/80er Jahre und heute – Rezeptionsverhalten, Abspaltungs- und Hybridisierungstendenzen“. In: Klaus Näumann / Gisela Probst-Effah (Hrsg.): „Altes neu gedacht“ – Rückgriff auf Traditionelles bei Musikalischen Volkskulturen. Aachen: Shaker-Verlag 2014, S. 121–130.

 

Vorträge

„Music, Limitations, and Immigration: The Struggle of Non-Conformist Musicians from Turkey and their Musical Expression in Germany“ auf der World Conference des „International Council for Traditional Music“ (ICTM) in Limerick (13.–19.7.2017)

„The Bağlama – Whose Instrument? Traditions and Changes of the Bağlama Play by Musicians from Turkey in Germany“ auf einer Tagung der Study Group „Musical Instruments“ des „International Council for Traditional Music“ (ICTM) in Sarajevo (5.–8.4.2017)

„Music Related to Political Conflict from Turkey and its Expression in Germany“ beim Turkologentag – Second European Convention on Turkic, Ottoman and Turkish Studies“ der „Gesellschaft für Turkologie, Osmanistik und Türkeiforschung e.V.“ (GTOT) in Hamburg (14.–17.9.2016)

„Musikalischer Ausdruck politischen Konflikts aus der Türkei in Deutschland“ beim Workshop „Türkeiforschung in Deutschland“ in Hamburg (15.–16.9.2016)

„Music Related to Political Conflict from Turkey and its Expression in Germany" bei einer Tagung der Study Group „Music and Minorities" des „International Council for Traditional Music" (ICTM) in Rennes (4.–8.7.2016)

Gastvortrag „Musik der Aleviten“ im Seminar „Islamische Leittexte und Riten: Grundlagentexte zum Sufismus Anatoliens“ von Jun.-Prof. Dr. Béatrice Hendrich am Orientalischen Seminar der Universität zu Köln (27.1.2016)

„Music related to political conflict from Turkey and its expression in Germany” bei Werkstattgesprächen im Rahmen einer Tagung der „Deutschen Arbeitsgemeinschaft Vorderer Orient” (DAVO) (24.–26.9.2015)

„Wer war zuerst da: die Szene oder der Club? Untersuchung zu musikalischen Hörgewohnheiten und Gruppenbildungsprozessen im Musikclub-Szeneleben“ bei einer Tagung der deutschen Studiengruppe des „International Council for Traditional Music“ (ICTM) (15.–16.2.2013)

„Punkkonzerte im Deutschland der 1970er Jahre und heute – Rezipienten, Rezeptionsverhalten und Hybridisierungstendenzen” bei einer Tagung der „Kommission zur Erforschung musikalischer Volkskulturen“ (3.–5.10.2012)

 

Titelbild: Saz-Spieler (Foto: Sina Demir) // Portraitfoto: Patric Fouad