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Dissertationsprojekt von Lisa Hecht

Witty and Strange Creatures – Aubrey Beardsley und seine Rezeption des 18. Jahrhunderts (Arbeitstitel)

Aubrey Beardsley (1872-1898) gilt als eine der Schlüsselfiguren der englischen 1890er. Mit seinen Illustrationen und Beiträgen zu bibliophilen Magazinen wie dem Yellow Book prägte er durch seinen genuinen Stil das, was das Kunstpublikum bis heute unter dem Begriff der Dekadenz versteht. Die oftmals morbide wirkenden Zeichnungen mit ihren harten Schwarz-Weiß-Kontrasten und Einflüssen aus der japanischen Druckgrafik nehmen als Teil einer elaborierten Linienkunst spätere Entwicklungen des Jugendstils vorweg. So viel ist bereits gängige Forschungsmeinung zu Beardsleys Werk.
In meiner Dissertation möchte ich mich nun auf einen bisher kaum beleuchteten Aspekt in der Kultur des englischen Fin de Siècle konzentrieren. Aubrey Beardsleys Werk soll dabei pars pro toto genutzt werden, um neue Aussagen zur Bewertung dieser Zeit treffen zu können. Nicht zuletzt in seiner Ikonografie und mehreren Illustrationsprojekten kam der Künstler wiederholt in Berührung mit Motiven und Sujets des englischen und französischen Rokoko. Auch seine Zeitgenossen waren spätestens seit den Publikationen der Brüder Goncourt in Frankreich fasziniert von den delikaten höfischen Erzählungen und libertinen Romanen aus dem vorhergegangenen Jahrhundert. Unter Intellektuellen und Connaisseurs wurden Bücher und Objekte aus jener Zeit zu obsessiv gesuchten Sammlerstücken.
Die Rokoko-Rezeption in den Zeichnungen Beardsleys soll zeigen, inwiefern die englischen 1890er als eine Zeit des kulturellen Umschwungs hin zur beginnenden Moderne zu verstehen sind: die Abwendung vom bloß Kanonischen als Quellen künstlerischer Inspiration, hin zu alternativen Vorlagen aus populärer Buchkunst, Plakaten oder Kunstgewerbe. Selbst das wertloseste Objekt bekommt eine poetische Aura des Geschichtlichen zugesprochen. Somit möchte ich anhand einer ikonografischen Analyse und einer kulturhistorischen Untersuchung zeigen, wie sich die vermeintliche Dekadenz einordnet in eine Entwicklung zum modernen Bild-, Kultur- und Geschichtsverständnis.

 

Kurzbiographie

Lisa Hecht, geboren 1988 in Berlin, studierte zunächst Kunstgeschichte und Anglistik an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald. Dort schloss sie 2011 ihr B.A.-Studium mit einer Arbeit über Alla Nazimovas Stummfilm „Salomé“ (1923) ab. Für den weiterführenden Master-Studiengang wechselte sie an das kunsthistorische Institut der TU Dresden und verfasste dort 2014 unter der Betreuung von Prof. Jürgen Müller (TU Dresden) und Prof. Wolfgang Holler (Klassik Stiftung Weimar) ihre Abschlussarbeit mit dem Titel „Memory and Desire – die Lysistrata-Illustrationen von Aubrey Beardsley“. Als eine der besten Absolventinnen der Philosophischen Fakultät wurde sie mit der Victor-Klemperer-Urkunde der TU Dresden ausgezeichnet.
Während ihres gesamten Studiums war Lisa Hecht immer wieder als Tutorin tätig und leitete dabei Veranstaltungen zu unterschiedlichsten Themen der älteren und neueren Kunstgeschichte. Außerdem sammelte sie Erfahrungen im musealen Bereich während ihrer Praktika in der Graphischen Sammlung der Klassik Stiftung Weimar sowie der Gemäldegalerie Dresden (2010). Weiterhin war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Zuge der Ausstellung „Will Grohmann – Im Netzwerk der Moderne“ (Lipsiusbau Dresden, 2012/13) und der XX. Internationalen Sommerakademie in Plauen (2013) tätig. Seit April 2015 ist sie Stipendiatin der a.r.t.e.s Graduate School in Köln (Klasse 3) und promoviert an der Universität zu Köln unter der Betreuung von Prof. Dr. Ekaterini Kepetzis und Prof. Dr. Hanjo Berressem.

Kontakt: lisahecht(at)freenet.de

 

Titelbild: Aubrey Beardsley: The Toilet für Alexander Popes Rape of the Lock, 1896 (Brian Reade: Aubrey Beardsley, London, 1967, plate 406) // Portraitfoto: Patric Fouad