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Dissertationsprojekt von Maria Angelina Bollati

Musica humana und musica mundana von Cusanus bis Kopernikus: eine Analyse des Begriffes „Harmonie” in den Bereichen Philosophie der Musik, Astronomie und Medizin zwischen 1400 und 1550 (Arbeitstitel)

Musica humana und musica mundana gelten als Begriffe, die auf eine lange Geschichte von Entwicklungen und Wandlungen hindeuten. Im Wesentlichen bezeichnen sie die Erforschung des Menschen in einem harmonischen Zusammenhang und der Weltharmonie, d. h. die proportionierte Bewegung der Planeten und Gestirne, den harmonischen Wechsel der Jahreszeiten und die Zusammenfügung der Elemente der Welt.
Eine erste genaue philosophische Behandlung dieser Themen kam bei der pythagoreischen Schule vor -unter den Namen „Harmonie der Seele“ und „Harmonie der Welt“- und seitdem fanden diese Konzepte in der Geschichte die Beachtung von vielen Denkern, z.B. von Platon in der Antike, Boethius im frühen Mittelalter und Kepler in der Neuzeit. Erst bei Boethius erhielten sie am Anfang des Mittelalters die Bezeichnungen musica humana und musica mundana und auf diese Weise wurden sie in die damalige christliche Welt überliefert. Wegen des erneuerten und starken Einflusses des Aristoteles verloren sie aber ab dem 13. Jahrhundert an Bedeutung und kamen sogar in Verruf.
Meine Arbeit positioniert sich auf diesem Punkt und versucht, die Weiterentwicklung der Konzepte musica humana und musica mundana zwischen 1400 und 1550 zu bestimmen und sie in Verbindung mit den entstehenden Wissenschaften -und zwar mit der Medizin und der Astronomie- zu bringen. Sehr wichtig ist es, zu beachten, dass es hier trotz der Begrifflichkeiten erst sekundär um Musik geht, denn der Faden, welcher die Leitbegriffe und die zu untersuchenden gewählten Themen verbindet, ist die Harmonie. Es ist außerdem die Absicht, auf den Paradigmawechsel zwischen Mittelalter, Renaissance und Neuzeit durch den aufgezeigten Entwicklungsprozess hinzuweisen. Derselbe wird durch die Analyse der Gedankensysteme einflussreicher Denker dieser Zeit wie Cusanus, Ramos de Pareja, Gaffurius, Ficino, Agrippa, Giorgi und Copernicus durchgearbeitet, die sich mit unterschiedlichen Wissensgebieten befassten.

 

Kurzbiographie

Maria Angelina Bollati studierte Philophie an der Universität Tucumán (Universidad Nacional de Tucumán- Argentinien), wo sie 2013 mit dem Thema Prästabilierte und Musikalische Harmonie ihr Studium abgeschlossen hat. Dort war sie ab 2009 Mitarbeiterin des Studienzentrums der Neuzeit (Centro de estudios modernos); außerdem war sie als studentische Hilfskraft bei der Lehrstuhl Logik dieser Universität zwischen 2011 und 2013 tätig. Neben ihr Studium lernte sie Musik im Konservatorium der Provinz Tucumán sowie bei der Kammermusiksgruppe Camerata Lazarte, mit der sie Konzerte geführt hat. 2013 kam sie nach Deutschland als DAAD Stipendiatin mit dem Austauschprogramm ISAP-ASPLA zwischen die Universitäten Köln und Tucumán. Seit 2015 promoviert sie bei der a.r.t.e.s. Graduate School for the Humanities Cologne unter Betreuung von Prof. Dr. Andreas Speer und Prof. Dr. Frank Hentschel zur musica humana und musica mundana als Analyse des Begriffes Harmonie in kosmologischen und menschlichen Sinne im Zeitabschnitt 1400–1550.

Kontakt: angelinabollati(at)gmail.com

 

Publikationen

Religión y armonía universal en el sistema leibniciano, in: Actas del VI Coloquio Internacional de Religión y Sociedad, Universität Tucumán 3/2013.

Música, emotividad y catarsis, in: Juri, A. (Hg.): Cuestiones de arte, estética y psicoanálisis. El mono armado, Buenos Aires 2011.

 

Vorträge

„Marsilio Ficino, el rol del lenguaje en la práctica teúrgica“, 22./23. September 2016, XVII Jornadas de filosofía del NOA, filosofía, razón y crítica en el Bicentenario, Universidad Nacional de Tucumán, Argentinien.

„Cosmos, Hombre y música: magia y hermetismo en la filosofía de Marsilio Ficino“, 17. Juni 2016, Primer Congreso del Centro de Estudios Modernos, Universidad Nacional de Tucumán, Argentinien.

„Kosmische Harmonie, Magie und Naturphilosophie in der Schrift Anselmis ‚De Musica‘“, 03. Juni 2016, Gemeinsames Forschungskolloquium zur Musik vor 1600 der Institute für Musikwissenschaft Weimar-Jena und Mainz.

 

Titelbild: The music of the spheres (Wikipedia: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:The_music_of_the_spheres.jpg, gemeinfrei) // Portraitfoto: Patric Fouad