zum Inhalt springen

Dissertationsprojekt von Thomas Blanck

Mobilisierte Sinne. München und Fiume im Ausnahmezustand (1918–1922) (Arbeitstitel)

Mein Forschungsprojekt untersucht politische Mobilisierungsprozesse nach dem Ende des Ersten Weltkriegs in Fiume – dem heute kroatischen Rijeka – und München. Beide Städte erlebten in der unmittelbaren Nachkriegszeit einen radikalen Herrschaftswechsel. In München gelangten sozialistische Räte an die Macht, in Fiume übernahm eine Gruppe von Freischärlern unter Führung des Dichters Gabriele D’Annunzio die Herrschaft. Kennzeichnend für die kurz bestehenden Regime war zum einen, dass ihre Existenz von der fehlenden Handlungsfähigkeit der jeweiligen Zentralregierungen abhing. Zum anderen waren zahlreiche Protagonisten beider Revolutionen Künstler und Literaten. Mit D’Annunzio, Kurt Eisner, Ernst Toller und den italienischen Futuristen traten Akteure auf den Plan, deren politische zugleich auch ästhetische Programme waren. Das Projekt konzeptualisiert den politischen, sozialen und ästhetischen Ausnahmezustand der Nachkriegszeit als Möglichkeitsbedingung veränderter sinnlicher Mobilisierungs- und Herrschaftspraktiken im städtischen Raum. In komparativer Perspektive zwischen einem zentraleuropäischen und einem mittelosteuropäischen Stadtraum trägt das Projekt nicht nur zum Verständnis der europäischen Zwischenkriegszeit bei, sondern fragt auch nach den Veränderungen sensorischer Ordnungen in der Transitionsphase nach dem Ersten Weltkrieg. Nicht zuletzt geht es dem Projekt darum, politische Kommunikationsformen im Spannungsfeld von Teilhabe und Ideologie zu erforschen.

 

Kurzbiographie

Thomas Blanck, geboren 1987 in Bremen, Abitur in Bonn, anschließend Zivildienst in Rom. Studium an der Freien Universität Berlin und der Roma Tre in Rom, gefördert durch das Evangelische Studienwerk Villigst. 2011 B.A. Italienstudien, 2014 M.A. Public History. Seit April 2015 Stipendiat bei a.r.t.e.s.

Kontakt: thomas.blanck(at)fu-berlin.de

 

Publikationen

Rezension zu: Classen, Constance (Hg.): A Cultural History of the Senses, 6 Bde., London 2014–15, in: H-Soz-Kult, 17.06.2016 (www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-24520).

Mit Daniel Morat: Geschichte hören. Zum quellenkritischen Umgang mit historischen Tondokumenten, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht, 65, 2015.

Versöhnung und Faschismus. Die „Via della Conciliazione“ oder: Städtebau in Rom unter Mussolini, in: Winrich C.-W. Clasen / Eberhard Hauschildt / Wolfram Kinzig (Hg.): Rom für Bildungsbürger. Ein Lese- und Bilderbuch, Rheinbach 2014, S. 53–60.

Rezension zu: Birdsall, Carolyn: Nazi Soundscapes. Sound, Technology and Urban Space in Germany, 1933–1945, Amsterdam 2012, in: H-Soz-u-Kult, 25.04.2014 (http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2014-2-064).

 

Vorträge

„Mobilisierte Sinne. München und Fiume im Ausnahmezustand, 1918–1922“, 12. Dezember 2016, Seminar für Neuere Geschichte, Universität Tübingen.

„The Beauty of Speed – the End of History? Futuristic Conceptions of Time, Acceleration, and the Past“, 16. September 2016, Cambridge AHRC DTP Conference „Time and Temporality“, University of Cambridge.

 

Lehrveranstaltungen

SoSe 2014: Arbeitskurs „Die Geschichte der Sinne in der Moderne“, Historisches Institut, Universität zu Köln

 

Titelbild: Revolutionäre Soldaten auf Patrouillenfahrt in München, 1919 (Quelle: Bundesarchiv Koblenz / Wikipedia) // Portraitfoto: Patric Fouad