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Aktuelle Lehrveranstaltungen im a.r.t.e.s.-Modul

 

Sommersemester 2018

Ringvorlesung: Medien der Fremderfahrung. Grenzerkundungen zur Ausstellung >Bewegliche Mythen< (in Kooperation mit dem Global South Studies Center, KOLUMBA und der Kunsthochschule für Medien)
Dozent: Jun.-Prof. Dr. Martin Zillinger (in Kooperation mit Anja Dreschke und Barbara von Flüe)

Termin: Mittwochs, 17.45-19.15 Uhr, Beginn: 18.04.2018
Raum: Hörsaal XII (Hauptgebäude, Albertus Magnus Platz)

Das Werk des Ethnologen, Filmemachers und Kurators Michael Oppitz (*1942) lässt sich nicht einfach einordnen. Aufgewachsen am Rhein entfloh Oppitz wie andere „vaterlose Gesellen“ (Buchloh) der Nachkriegsgeneration bald nach der Schule der „Enge des Bekannten“. Die akademische Welt eröffnete sich so im Modus des Reisens. Sozialisiert in Berkeley, ausgebildet in Köln und Bonn und orientiert nach Paris führten ihn zunächst Feldforschungen nach Nepal. In seiner jahrzehntelangen Beschäftigung mit den kleinen Völkern des Himalaya wandte er sich dem Studium sozialer Ordnungen zu und sammelte lokale Mythen. Über die Grenzen der Wissenschaft hinaus bekannt wurde Oppitz durch das Film-Epos „Schamanen im Blinden Land“. Darin dokumentierte er in außergewöhnlicher Weise die komplexen rituellen Praktiken bei den Magar. Die Verhandlungen ritueller Innen- und Außenräume in kosmologischen Vorstellungen und die visuelle Aufarbeitung ritueller Erfahrungen in lokalen Wissenswelten und religiösen Topographien stießen auch in der rheinischen Kunstszene der 1970iger Jahre auf großes Interesse. Nicht nur in dieser Zeit loteten Projekte mit Künstlern wie Lothar Baumgarten neue Darstellungs- und Wissensformen aus. Bis heute findet Oppitz immer wieder neue Formen der künstlerisch-ethnographischen Arbeit, etwa wenn er den schamanistischen Flug im Himalaya mit Hilfe eines Helikopters und seines Langzeit-Informanten für eine Installation und Ausstellung im Jahr 2011 nachvollzogen hat.

Anlässlich der Ausstellung zur Arbeit von Michael Oppitz, die ab Mitte Juni 2018 in KOLUMBA zu sehen sein wird, nimmt diese Vorlesungsreihe seine Auseinandersetzung mit der „fremden Fremderfahrung“ des Schamanismus zum Ausgang, um über künstlerische und wissenschaftliche Befremdung der Welt nachzudenken. Vorträge zu Themen aus Wissenschaft, Kunst und Film erörtern Medien der Fremderfahrung im Umfeld des Werkes von Michael Oppitz. Dabei kommen nicht Gesellschaften in den Blick, die fremd attribuiert und dadurch „verändert“ werden sondern ein Modus der Welterfahrung, der immer auch die eigene Positionalität verfremdet und sichtbar macht. Über das Erleben anderer Gesellschaften und die Aufarbeitung dieser Erfahrung mit Hilfe von Film oder Ethnographie, ebenso wie über die Verfremdung des Eigenen in religiösen Praktiken, in der Kunst oder der wissenschaftlichen Distanznahme verändert relationale Fremdheit nicht nur den Blick auf ein Außen, sondern auch auf das Eigene - und wird nicht zuletzt medial einem Publikum vermittelt. Die Auseinandersetzung mit der Forschung von Michael Oppitz sowie der Kunst- und Wissenschaftsszene der 70iger Jahre soll dieser Erfahrung der Inversion nachspüren. Dabei wird auch ein Stück (bundesrepublikanischer) Nachkriegsgeschichte im Rheinland sichtbar und ein Stück Globalgeschichte in der westdeutschen Provinz diskutiert.


ACHTUNG: Die Vorlesung findet an unterschiedlichen Orten in den beteiligten Institutionen statt! Zeiten und Räume werden bei der ersten Sitzung in Hörsaal XII am 18.04.2018 kommuniziert.


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Kolloquium: Materialwerkstatt: Masterkolloquium im a.r.t.e.s. Research Master-Programm
Dozenten: Jun.-Prof. Dr. Thiemo Breyer, Prof. Martin Zillinger

Termin: 09. Juli 2018 (Blockveranstaltung)
Raum: 3. A06 (Gebäude 210b, Aachener Str. 217, 3. OG rechts)

Die Materialwerkstatt gibt den Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Research Master-Programms die Möglichkeit, die Themen ihrer Abschlussarbeiten in einem interdisziplinären Kontext vorzustellen und zu diskutieren. Hinweis: Wir empfehlen allen Teilnehmer*innen mindestens einmal während der Masterphase an der Materialwerkstatt teilzunehmen. Die Veranstaltung wird in der Regel in jedem Semester angeboten. Nur nach Rücksprache und in besonderen Ausnahmefällen kann die aktive Teilnahme an der Veranstaltung als Kolloquium für das a.r.t.e.s. Modul angerechnet werden.

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Seminar: Ding und Dinglichkeit
Dozenten: Jun.-Prof. Dr. Thiemo Breyer, Ralph Lange

Termin: Donnerstags, 12.00-13.30 Uhr, Beginn: 12.04.2018
Raum: 0.B01 (Gebäude 210b, Aachener Str. 217, EG links)

Der Themenkomplex von „Ding und Dinglichkeit“ ist nicht nur ein klassisches Problemfeld der Philosophie und Kunstgeschichte, sondern seit ca. 20 Jahren zunehmend ein dynamisches Leitmotiv der Forschung unterschiedlicher geistes- und kultur-wissenschaftlicher Fächer. Vor dem Hintergrund des „material turn“ strebt das Seminar einen themenorientierten, interdisziplinären Dialog an, der sich durch das Aufeinandertreffen kanonischer Ressourcen mit aktuellen Ansätzen entfalten soll. In mehreren thematischen Feldern wird sich Annäherung an das Phänomen des Dings bewegen:1.    technikanthropologisches Feld: Genauso wie die Phänomene von Zeit und Raum, kann Dinglichkeit über seine objektive Messbarkeit erschlossen werden. Der Umgang des Menschen mit der Materialität der Welt und ihrer Objekte, die kulturelle und technische Bearbeitung und Erschaffung neuer Dinge (z.B. Werkzeuge) sowie die Differenzierung unterschiedlicher Dinge nach ihren physischen Beschaffenheiten können auf ihre anthropologischen Grundlagen hin befragt werden. Woraus besteht ein Ding, unter welchen Voraussetzungen muss es welche Materialität vorweisen und wie verhält sich dies zur vermeintlichen Immaterialität geistiger Prozesse?2.    phänomenologisches Feld: Dinge sind zugleich subjektiv erlebbar und prägen die lebensweltliche Erfahrung. Je nach individueller Prägung und soziokultureller Einbettung werden Dinge unterschiedlich erlebt und mit Sinn aufgeladen. Zeugnisse hiervon gibt es bereits bei den ionischen Naturphilosophen, den ersten ärchäologischen Zeugnissen menschlicher Innovation und selbst bei den einsetzenden Weltdarstellungen in künstlerischer und narrativer Form. Individuelle und kollektive Expressivität durch Besitz von und Streben nach Dingen haben von der Antike bis heute einen breitgefächerten Niederschlag in philosophischen Auseinandersetzungen gefunden.3.    sozialtheoretisches Feld: Dinge reflektieren soziale Beziehungen – ausgehend von diesen Dingen wird in verschiedenen Gruppen bis hin zu ganzen Gesellschaften deren Konstitution auf Objekte und deren Materialität zurückgeführt. In einem praxeologischen Schritt soll danach gefragt werden, wie sich der kontinuierliche und diskontinuierliche Gebrauch von Dingen auf ihre Materialität – oder die ihnen inhärente Immaterialität – auswirken.4.    kulturtheoretisches Feld: Die Vorstellungen von Materialität und Immaterialität sind nicht nur ein wichtiger Bestandteil von lebensweltlichen Wahrnehmungs- und Ordnungsstrukturen, sondern auch symbolischer Systeme – man denke nur an den Ausdruck der Spiritualität oder Religiosität, der sich in Dingen manifestieren kann. Durch beispielhafte Vergleiche unterschiedlicher Kulturen lassen sich Vorstellungen und Verständnisse der symbolischen Materialisierung und Materialität erarbeiten und deren jeweiliger Einfluss auf teleologische Lebensentwürfe und pragmatische Lebensgestaltungen aufdecken.5.    wissenschaftstheoretisches und hermeneutisches Feld: Auf einer Metaebene wird es für die interdisziplinäre Verständigung im Seminar wichtig sein, die Wirkungsgeschichte bestimmter Dingvorstellungen im Sinne der im Seminar vertretenen Fachtraditionen nachzuzeichnen und die eigenen hierdurch geprägten theoretischen und methodologischen Vorverständnisse mit Blick auf die Vielzahl von Modellen kritisch zu hinterfragen. Hierfür werden einzelne Sitzungen eingeplant, in denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ihren Fächern berichten können. Link zu Veranstaltung bei KLIPS

Graduate Reading Group:Politische Emotionen
Dozent: Jun.-Prof. Dr. Thiemo Breyer

Termin: Donnerstags, 14:00–15:30 Uhr, Beginn: 12.04.2018
Raum: 0.B01 (Gebäude 210b, Aachener Str. 217, EG links)

Die Graduate Reading Group (GRG) widmet sich in diesem Semester dem Thema „Politische Emotionen“. Vor dem Hintergrund des sog. „affective turn“ in den Geistes- und Kulturwissenschaften fragen wir nach der Relevanz der Emotionen für politische Einstellungen und Handlungen. Gibt es genuin politische Gefühle (wie etwa das Ressentiment)? Oder kann allen Gefühlen, sofern sie nicht (nur) als Privaterlebnisse von Subjekten, sondern als auf Sozialität angelegte und öffentliche Prozesse gedacht werden, eine politische Komponente zugesprochen werden? Wie werden Gefühle in konkreten politischen Situationen instrumentalisiert (z.B. durch Demagogik) und wie habitualisieren sich Individuen gefühlsmäßig in politischen Systemen? Diese und weitere Fragen sollen anhand klassischer und aktueller philosophischer und interdisziplinärer Ansätze zur Emotionsforschung untersucht werden.Nachdem die GRG im letzten Sommersemester unter dem Titel „Historische Emotions-forschung“ die geschichtliche Dimension der Gefühle untersucht hat, widmen wir uns dieses Mal der politischen Dimension. Die Themen ergänzen sich sehr gut, eine Teilnahme an der früheren Veranstaltung ist aber nicht erforderlich. Es besteht die Möglichkeit zum Schreiben einer Hausarbeit für das RM-Modul.Link zu Veranstaltung bei KLIPS