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Dissertationsprojekt von Caroline Wiese

Legitimationsstrategien im zeitgenössischen Musiktheater
(Arbeitstitel)

Ein Blick auf die gegenwärtige Musiktheaterlandschaft im deutschsprachigen Raum eröffnet ein facettenreiches Bild: Auf den Spielplänen der Opernhäuser dominiert einerseits das traditionelle Opern- und Operettenrepertoire, andererseits ist dieses jedoch durchsetzt von unterschiedlichen Inszenierungsstilen und wird beispielsweise auch durch Uraufführungen abendfüllender Auftragswerke in großer Besetzung sowie Vorstellungen kleiner experimenteller Formen ergänzt.
Das Musiktheater gehört aufgrund des aufwändigen Apparats zu den teuersten Kunstformen der Gegenwart und steht wegen staatlicher Subventionierung häufig in der öffentlichen Kritik, zumal die Aufführungen nur von einem geringen Anteil der Bevölkerung besucht werden. Außerdem wird Musiktheater oft als museal, verstaubt und lebensfremd beurteilt und befindet sich etwa seit den 1920er Jahren verstärkt unter ästhetischem und zunehmend auch wirtschaftlichem Rechtfertigungsdruck. Dieser Legitimationsdruck schlägt sich in verschiedenen Spezialdiskursen nieder: Beispielsweise finden seit den 1960er Jahren regelmäßig Symposien zum Musiktheater statt, die den Stand der Gattung(en) reflektieren und problematisieren. Bemerkenswert sind auch zahlreiche Äußerungen von Komponisten aus der Szene der Neuen Musik, die sich – trotz der vermeintlichen Dichotomie von Neuer Musik und Oper – mit dem Musiktheater auseinandersetzen. Hinzu kommen fortlaufende Interpretationen und Bedeutungszuschreibungen zu etabliertem Bühnenrepertoire durch die Inszenierungsarbeit verschiedener Regisseure.
Grundlage der Untersuchung bildet eine exemplarische Auswahl von Ereignissen des zeitgenössischen Musiktheaters, wobei das Korpus aus Texten zu Ur- bzw. Erstaufführungen sowie zugehörigen Wiederaufnahmen besteht; der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf einer wissenssoziologischen Analyse der Spezialdiskurse, welche um die jeweiligen Ereignisse konstruiert werden. Innerhalb der betrachteten Diskurse lassen sich deutliche Wissensformationen erkennen, die explizit als Legitimationsstrategien fungieren oder implizit als solche gedeutet werden können. Zu solchen Strategien gehören u.a. ästhetische Urteile zur musikalischen und szenisch-konzeptionellen Qualität einer Aufführung, der verfassungsrechtlich verankerte Freiheitsanspruch der Kunst, der sich zum Beispiel im Autonomiegedanken einer Regieleistung manifestiert, oder auch die Verknüpfung einer gesellschaftspolitischen Dimension mit dem Dargebotenen. Ziel der Arbeit ist es, Legitimationsstrategien freizulegen, die für einzelne Gattungen des Musiktheaters oder auch gattungsübergreifend wirksam werden und den zeitgenössischen Musiktheaterdiskurs bestimmen.

 

Kurzbiographie

Caroline Wiese studierte Musikwissenschaft, Jura und BWL in Bonn und Vancouver. Ihr Dissertationsprojekt zu Legitimationsstrategien im zeitgenössischen Musiktheater wird von Prof. Dr. Frank Hentschel und Prof. Dr. Peter W. Marx betreut. Sie verfolgt Ihr Promotionsvorhaben seit April 2014 als Kollegiatin der a.r.t.e.s.-Graduiertenschule und ist darüber hinaus Stipendiatin der Stiftung der Deutschen Wirtschaft. In ihrer Freizeit widmet sie sich der Imkerei.

Kontakt: c.wiese(at)posteo.de

 

Titelbild: Opernkarte (Foto: Caroline Wiese) // Portraitfoto: Patric Fouad