zum Inhalt springen

Dissertationsprojekt von Moritz Heck

Prozesse der Juridifizierung sozialer Beziehungen und politischer Mobilisierung in Bolivien (Arbeitstitel)

Der Umgang mit kultureller Diversität ist ein Thema, das in Gesellschaften weltweit diskutiert wird. Verhandlungen über die Frage, welche Merkmale kulturellen Minderheiten zugrunde liegen und worin sich die Grenzen zwischen Gruppen (z.B. Nationen, Ethnien und ‚Kulturen‘) konstituieren, sind darin zentral. In der Regel sind mit diesen Fragen Verteilungskämpfe verbunden, die anhand von Ressourcenzugängen und Rechtsansprüchen konkretisiert werden. Zwar wurden die ‚Gruppismen‘, die diesen Debatten zugrunde liegen, vor allem von Seiten einer konstruktivistisch argumentierenden Ethnologie kritisiert, die Kritik ändert jedoch nichts daran, dass Gruppenkonzeptionen und -grenzen in gesellschaftspolitischen Diskursen und politischen Anwendungsfeldern große Wirkmächtigkeit besitzen, vor allem dann, wenn sie als scheinbar objektive Kategorien in kodifizierter Form Einzug in rechtliche Dokumente und Institutionen halten. Seit in Bolivien im Jahre 2009 eine neue Verfassung verabschiedet wurde stehen indigenen und afrobolivianischen Menschen umfassende Sonderrechte zu, die sowohl den Zugang zu Ressourcen, als auch neu geschaffene Mechanismen der Selbstverwaltung und der politischen Partizipation und Repräsentation betreffen. Als Folge dieser gesetzlichen Neuerungen ergeben sich neue Interaktionskontexte zwischen offiziell anerkannten Gruppen und bestehende Beziehungen zwischen Gruppen werden neu verhandelt – sowohl auf der Ebene alltäglicher Interaktionen, als auch in Prozessen der politischen Mobilisierung und Positionierung und im Hinblick auf den Zugang zu staatlichen Förderinitiativen. Im Kontext dieser jüngsten Veränderungen untersucht das geplante Forschungsprojekt Verläufe der Juridifizierung, und nimmt dabei vor allem in den Blick, welche Überlappungen und Abgrenzungsprozesse zwischen Kategorisierungen sozialer Zugehörigkeit in der Folge rechtlicher Fixierungen ablaufen. Ausgehend von den Alltagserfahrungen afrobolivianischer AkteurInnen wird der Frage nachgegangen, welche Folgen rechtliche Setzungen und gesetzliche Regelungen auf die Art und Weise haben, wie Menschen Zugehörigkeiten, Interaktionen und soziale Beziehungen interpretieren. Des Weiteren wird untersucht, inwiefern rechtliche Setzungen und damit verbundene Ressourcenzugänge Praxen und Strategien der (Selbst)Positionierung und damit in Verbindung stehende politische Organisationsformen und Mobilisierungsstrategien beeinflussen.

 

Kurzbiographie

Moritz Heck, geboren 1985, studierte Ethnologie und Spanisch an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, wo er sein Studium (M.A.) im Jahre 2013 abschloss. Danach arbeitete er bis 2014 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Ethnologie in Freiburg. Seit 2014 ist er Kollegiat an der a.r.t.e.s. Graduate School for the Humanities Cologne und promoviert unter Betreuung von Prof. Dr. Michaela Pelican, Prof. Dr. Barbara Potthast und Prof. Dr. Heike Drotbohm (Johannes Gutenberg-Universität Mainz) im Fach Ethnologie (finanziert durch ein Promotionsstipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes).

Kontakt: moritz_heck(at)hotmail.com

 

Vorträge

„Between diasporic identifications and the ethnicization of blackness: The Movimiento Afro in ‚plurinational‘ Bolivia“, 24.–28. Juni 2015, Konferenz „Mobilsing Memory: Creating African Atlantic Identities“, Collegium of African American Research, Liverpool Hope University.

 

Lehrveranstaltungen

SoSe 2014: Seminar „Praxisorientierte Methodenlehre“, Institut für Ethnologie, Universität Freiburg.

SoSe 2014: Seminar „Einführung in die Wirtschaftsethnologie“, Institut für Ethnologie, Universität Freiburg.

 

Titelbild: Comunidad Afroboliviana Cala Cala (Foto: Moritz Heck)