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Dissertationsprojekt von Danijel Matijevic

Skulpturale Mimikry (Arbeitstitel)

Das Promotionsprojekt „Skulpturale Mimikry“ (Arbeitstitel) beschäftigt sich mit Mimikry als kulturwissenschaftlichem und ästhetisch-philosophischem Konzept vor dem Hintergrund zeitgenössischer Kunst und ihrer skulpturalen Praxen seit den 1960er Jahren. Seit dem frühen 20. Jahrhundert stellt die Beschäftigung mit Mimikry immer wieder die Fragwürdigkeit von Konzepten wie Identität und Ähnlichkeit heraus und unterminiert mit nichtsemiotischen Dimensionen dabei die Eindeutigkeit semiotischer Relationen von Zeichen und Bezeichnetem, von Vorbild und Abbild. Vor diesem Hintergrund steht die Annahme, dass der Begriff der Mimikry geeignet ist, relevante Phänomene zeitgenössischer Kunst freizulegen, deren Entwicklung sich wesentlich aus der ästhetischen Situation moderner Plastik speist. Die Plastik allgemein charakterisiert sich nämlich in der Geschichte ihrer Diskursivierung als spezifische Gattung einer gleichsam selbstreferenziellen Gegenwärtigkeit wie dinglichen Realpräsenz. Diese für die post/moderne Plastik als wesentlich zu bezeichnende Diskrepanz zwischen autonomem Objekt und körperlicher Affektivität liegt im Kern einer ästhetischen Ambiguität, die das Projekt mit dem Begriff der Mimikry nicht etwa zu tilgen, sondern dialektisch aufzugreifen versucht. Damit soll eine neue Perspektive auf relevante Charakteristika post/moderner Kunst (zwischen Repräsentation und Präsentation, referenzieller Zeichenhaftigkeit und korporaler Performativität, Evidenz und Affekt) ebenso wie auf die derzeit virulenten Debatten um Materialität, Affektivität und Leiblichkeit eröffnet werden - Debatten, die unter dem Stichwort des ‚nichtsemiotisierbaren Rests‘ geführt werden. Es ist vor allem der Begriff der Präsenz, der sich hier als korrelative Gegengröße zum Zeichenhaften darstellt und durch die Dimensionen der Materialität und Körperlichkeit bevorzugt mit den formal autonomen Arbeiten korreliert, die sich im Bereich der Plastik befinden.

 

Kurzbiographie

Danijel Matijevic, geboren 1985, studierte Kunstgeschichte, Philosophie und Psychologie an der LMU München mit Unterstützung des Max-Weber-Programms Bayern. Währenddessen Tätigkeiten als Teaching Assistant am kunsthistorischen Institut der LMU und Studium an der Universität Kyoto als JASSO-Stipendiat. In seiner Magisterarbeit beschäftigte er sich mit Georges Batailles ‚informe‘ als philosophischer Denkfigur der Formlosigkeit, die er anhand der Arbeiten Rachel Whitereads und im Kontext der nachsechziger Kunst als ästhetische Kategorie der Unbestimmtheit untersuchte. Im April 2014 begann er sein Promotionsstudium an der a.r.t.e.s. Graduiertenschule.

Kontakt: dmatijev(at)smail.uni-koeln.de

 

Publikationen

The Make-Believe of Mimesis - Kendall Waltons Theorie bildlicher Darstellung und Repräsentation im Kontext aktueller bildwissenschaftlicher Debatten, in: Zeitschrift für Ästhetik und Allgemeine Kunstwissenschaft 60 [1] (2015), S. 135–149.

Anri Sala, Edi Rama. Creating Space Where There Appears to Be None, in: Flash Art 289 (2013), S. 117.

 

Titelbild: Claes Oldenburg carries Giant Toothpaste Tube (1964) through the streets of London, 1966 (Foto: Hans Hammarskiöld), via Third Rail Quarterly // Portraitfoto: Patric Fouad