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Dissertationsprojekt von Melina Teubner

Hidden Atlantic: Sklavenschiffsbesatzungen zwischen Afrika und Amerika im 19. Jahrhundert (Arbeitstitel)

Das Dissertationsprojekt untersucht den transatlantischen Sklavenhandel zwischen verschiedenen Orten an den afrikanischen Küsten und Brasilien im 19. Jahrhundert. Besonders die Lebenswirklichkeiten und Handlungsspielräume der niedereren Besatzungsmitglieder an Bord von Sklavenschiffen im Zeitraum zwischen etwa 1800 und 1860 stehen im Mittelpunkt der Untersuchung. Hierzu sollen sowohl einzelne Lebenswege als auch transatlantische Netzwerke rekonstruiert werden und der Frage nach dem Status dieser Personen, der häufig zwischen dem von Freien und Gefangenen changierte, nachgegangen werden. Darüber hinaus werden Arbeitsbereiche ausgewählter Professionen in den Blick genommen werden, um zu erhellen, welche Rolle diese Menschen, häufig selbst Sklaven bzw. ehemalige Sklaven, für das Gelingen der Überfahrten und für die Konstruktion transatlantischer Räume und Netzwerke spielten. Zudem soll die Analyse die Rolle dieser Akteure rund um den Transfer von Nahrungsmitteln und Medizinal-Praktiken durch Sklavenschiffe in den Blick nehmen. Der genannte Zeitraum bietet sich besonders für eine Untersuchung an, da der Übergang vom legalen in den illegalen Sklavenhandel, der an den Beginn des 19. Jahrhunderts fällt, zu Änderungen des Geschäftes und einer sehr starken Zunahme an Sklavenschiffen nach Brasilien führte. In dem Projekt wird also der sogenannte ‚Hidden Atlantic‘ (verborgener Atlantik nach dem Verbot des Sklavenhandels durch Großbritannien und andere Mächte ab 1807) aus einer globalhistorischen Perspektive erforscht, wobei besonders der Südatlantik in den Blick genommen werden soll, der in vorliegenden Forschungen eher unterrepräsentiert ist. Die verwendeten Quellen umfassen dabei Archivbestände insbesondere in Lissabon, Rio de Janeiro, Kew und Luanda.

 

Kurzbiographie

Melina Teubner, geboren 1986, studierte Iberische und Lateinamerikanische Geschichte, Mittlere und Neuere Geschichte sowie Romanistik/Portugiesisch an der Universität zu Köln und an der Universidade Federal do Ceará (Brasilien). Für Ihre Abschlussarbeit mit dem Titel „Sklavenschiffsköche. Eine Untersuchung der Hilfskräfte im brasilianischen Sklavenhandel des 19. Jahrhunderts“ forschte sie, gefördert durch das PROMOS-Programm des DAAD, in Archiven in Rio de Janeiro. Die Arbeit wurde mit dem Georg-Rudolf-Lind Förderpreis für Lusitanistik ausgezeichnet. Unter Betreuung von Herrn Prof. Dr. Michael Zeuske, Frau Prof. Dr. Stefanie Gänger und Herrn Prof. Dr. Martin Becker promoviert sie als a.r.t.e.s-Stipendiatin zu Besatzungen auf Sklavenschiffen im verbotenen Sklavenhandel des 19. Jahrhunderts. Zudem arbeitet Melina Teubner seit Januar 2014 als wissenschaftliche Hilfskraft im Kompetenzteam Hochschuldidaktik der Fachhochschule Köln. Ihre Forschungsinteressen umfassen Globalgeschichte, Geschichte des transatlantischen Sklavenhandels und Ernährungsgeschichte mit Schwerpunkt auf dem Ende des 18. und dem 19. Jahrhundert.

Kontakt: mteubner(at)smail.uni-koeln.de

 

Titelbild: Negras Vendedoras da Angu, Viagem Pitoresca e Historica ao Brasil (Foto: Jean Baptiste-Debret) // Portraitfoto: Patric Fouad