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Dissertationsprojekt von Verena Limper

Elternsache – Eine Dinggeschichte der Familie in Deutschland und Schweden (ca. 1900–1980) (Arbeitstitel)

In meiner Dissertation möchte ich die Familiengeschichte Deutschlands und Schwedens im 20. Jahrhundert neu perspektivieren, indem ich den Fokus auf speziell für Kinder und Eltern hergestellte Gegenstände lege. Meine Arbeit will den Spuren dieser Produkte folgen und fragt zum einen danach, welche Konzepte von Elternschaft und Kindheit in ihre Herstellung einflossen. Zum anderen untersucht sie, wie Gegenstände familiäre Beziehungen gestalten und verändern konnten. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Ernährung und Erziehung von Kleinkindern und den dafür hergestellten Produkte, konkret: Flaschennahrung, Säuglingsflaschen und Sauger sowie andere Utensilien, die benötigt wurden, um die Nahrung zuzubereiten und in den Säugling damit zu füttern. In Anlehnung an die Akteur-Netzwerk-Theorie verstehe ich Familie als Netzwerk aus Menschen, Dingen und Konzepten. Ziel des Projektes ist es, anhand konkreter Praktiken, wie dem Füttern mit der Flasche, zu analysieren, wie sich das Verhältnis von Müttern, Vätern, Säuglingen und anderen Akteuren (z. B. Kinderärzten, Psychologen, der Nahrungsmittelindustrie, Marketing etc.) im 20. Jahrhundert veränderte. Die Formierung dieser Netzwerke untersuche ich in zwei nationalen Kontexten, Deutschland und Schweden. Der Vergleich dient dazu zu analysieren, ob und wie Dinge in Abhängigkeit vom geschichtlichen Kontext unterschiedlich wirkmächtig sind.

 

Kurzbiographie

Verena Limper (Jahrgang 1985) studierte Geschichte und Anglistik an der Universität Bielefeld und an der Uppsala Universitet, Schweden. Berufliche Praxis während des Studiums sammelte sie als Praktikantin am Upplandsmuseet in Uppsala und am DHI in London sowie als Studentische Hilfskraft an den Lehrstühlen für die Geschichte der Frühen Neuzeit und die Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts in globaler Perspektive an der Universität Bielefeld. Im Sommersemester wechselte sie an die Universität zu Köln, wo sie zunächst als Wissenschaftliche Mitarbeiterin arbeitete und einen Arbeitskurs zur Familiengeschichte im Europa des 20. Jahrhunderts leitete. Seit dem Wintersemester 2013/2014 wird sie durch a.r.t.e.s gefördert; zunächst durch ein Stipendium zur Promotionsvorbereitung, dann seit April 2014 als a.r.t.e.s Promotionsstipendiatin (Klasse 5). Ihre Arbeit wird betreut durch Prof. Dr. Ulrike Lindner.

In der schwedischen Zeitung Sydsvenskan erschien 2015 der Artikel "Pappor verkar ha matat sina barn redan i början av 1900-talet" ("Väter scheinen schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts ihre Kinder gefüttert zu haben") über Verena Limpers Forschung in Schweden.

Kontakt: limperv(at)uni-koeln.de

 

Publikationen

Die Säuglingsflasche. Dinghistorische Perspektiven auf Familienbeziehungen in der Bundesrepublik Deutschland und in Schweden (1950–1980), in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History 13 (2016), S. 442-465. http://www.zeithistorische-forschungen.de/3-2016/id=5396

 

Vorträge

"Säuglingsernährung als gendered practice. Die Geschichte der Flaschennahrung für Säuglinge im 20. Jahrhundert"
26. Juni 2016: Vortrag im Rahmen einer Forschungswerkstatt des gFFZ Genderdimensionen in der Ernährung des Kleinkindes, Frankfurt am Main

"Die Säuglingsflasche. Dinggeschichtliche Perspektiven auf Familienbeziehungen in der Bundesrepublik Deutschland (1950–1980)"
02. Juni 2016: Georg-Eckert-Institut, Braunschweig

"The Periphery of Europe at the Forefront of Modernization? Swedish Paediatricians and  their Relationship with Germany in the First Half of the 20th Century"
31. Mai 2016: European Social Science History Conference Valencia, Panel: Modernization and Infant Health in Europe during the Nineteenth and Twentieth Centuries, Valencia Spanien

"Parenting – Parents' things. An object history of the family in Germany and Sweden (1910–1980)"
05. Mai 2015: Vortrag im Rahmen des Kolloquiums des Uppsala STS, Uppsala Universitet Schweden

"Objects in a comparative perspective. The case of the bottle feeding in Sweden and Germany (1900–1945)"
02. März 2015: Vortrag im Rahmen des Kolloquiums für Transnationale Geschichte, Lund Universitet, Schweden

"The gendered life of things? Säuglingsnahrung in der BRD und Schweden nach 1950"
28. November 2014: Vortrag im Rahmen des Workshops „Ich sehe was, was du nicht siehst“. Neue Perspektiven auf die Zeit- und Geschlechtergeschichte in Köln

"Projektvorstellung: Elternsache – Eine Dinggeschichte der Familie in Deutschland und Schweden (ca. 1900–1980)"
08. Juli 2014: Vortrag im Rahmen des Kolloquiums Neuere und Neueste Geschichte / Geschlechtergeschichte, Ruhr Universität Bochum

"Familiengeschichte mit Latour schreiben? Das Säuglingsfläschchen als (Mit)Gestalter von Vater-Mutter-Kind-Beziehungen (1945–1980)"
27. Februar–01. März 2014: Vortrag im Rahmen der Tagung "Dominanz durch Dinge? Zum Verhältnis von sozialen Asymmetrien und Materialitäten aus historischer Perspektive", XXXII. Tagung des Arbeitskreises Geschichte + Theorie, Berlin

 

Titelbild: Duiza Sauger, Deutsches Hygiene Museum, Inv.-Nr. 2000/50.1-2 (Foto: Verena Limper) // Portraitfoto: Patric Fouad