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Dissertationsprojekt von Adrian Robanus

Tierkonzeptionen in den Romanen Christoph Martin Wielands und Johann Carl Wezels (Arbeitstitel)

In meinem Dissertationsprojekt erforsche ich den Stellenwert von Tierkonzeptionen in ausgewählten Romanen Christoph Martin Wielands und Johann Carl Wezels mit besonderem Blick auf ihr Verhältnis zu anthropologischem Wissen. Im Einzelnen sind das Wielands Romane Die Geschichte des Agathon, Der goldne Spiegel und Die Abderiten und Wezels Belphegor, Robinson Krusoe und Lebensgeschichte Tobias Knauts, des Weisen, sonst der Stammler genannt. Die Dissertation wird einen Beitrag zur Erforschung von Wissensfigurationen in der Literatur der Aufklärung leisten. Eine solche Herangehensweise macht eine kulturgeschichtlich-interdisziplinäre Perspektive unabdingbar. Es geht darum, Tiere als Grenzfiguren des Menschen in den Blick zu nehmen, Tierkonzeptionen in verschiedenen Wissensfeldern zu beschreiben und die poetischen Mechanismen ihrer Erzeugung zu untersuchen. Denn Tiere nehmen im aufklärerischen Denken eine wichtige Funktionsstelle ein. In den meisten anthropologischen Entwürfen der Aufklärung ist der Bezugspunkt für die Bestimmung dessen, was der Mensch ist, das Tier: Zum Beispiel Tier plus Sprache, Tier plus Verstand oder Tier plus aufrechter Gang. Der Mensch wird demnach als exzeptionelle Kreatur beschrieben und seine einzigartige Stellung in der Ordnung der Lebewesen herausgestellt. Tiere als Grenzfiguren erweisen sich als wichtiger und unerlässlicher Bestandteil des Nachdenkens über das Wesen des Menschen und seiner Vergesellschaftung. Ob Epistemologie, Anthropologie oder politische Theorie – überall finden sich Tiermetaphern an zentraler Stelle. Ich werde anhand dieser Themenfelder die mit den Tieren verknüpften, jeweils spezifischen Argumentationsmuster in den ausgewählten Romanen untersuchen. Insgesamt geht es also in der geplanten Untersuchung um die Analyse des Tier-Mensch-Verhältnisses im aufklärerischen Wissensfeld zwischen Naturkunde, Literatur, Anthropologie und politischer Philosophie innerhalb ausgewählter Romane Wielands und Wezels.

 

Kurzbiographie

Adrian Robanus, geboren 1988, studierte von 2006 bis 2013 Germanistik und Geschichte an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Im akademischen Jahr 2010/11 absolvierte er im Rahmen des Erasmus-Austauschprogramms einen Auslandsaufenthalt an der University of Cambridge (St. John’s College). Von 2009 bis 2013 war er Stipendiat der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, wo er von 2010 bis 2012 das Ressort „Stipendiaten“ der Stipendiatenzeitung „freiraum“ leitete. Sein Studium schloss er mit einer Magisterarbeit zum Thema „Sexualität in der Geschichte des Agathon“ ab. 2013 erhielt er den ersten Preis des vierten internationalen Essay-Wettbewerbs der Goethe-Gesellschaft. Von 2013 bis 2014 war er als Lehrbeauftragter am Lehrstuhl für neuere deutsche Literaturgeschichte der Universität Würzburg tätig. Im Rahmen einer Erasmus-Kurzzeitdozentur unterrichtete er im März 2014 an der Università di Bologna. Er ist seit April 2014 Stipendiat der a.r.t.e.s. Graduate School for the Humanities Cologne (Klasse 3) und promoviert an der Universität zu Köln unter der Betreuung von Prof. Dr. Nicolas Pethes (Universität zu Köln), Prof. Dr. Udo Friedrich (Universität zu Köln) und Prof. Dr. Roland Borgards (Universität Würzburg). Seit November 2015 ist er wissenschaftliche Hilfskraft am IDSL I der Universität zu Köln bei Prof. Dr. Günter Blamberger, dem Direktor des Internationalen Kollegs Morphomata. Seine derzeitigen Forschungsschwerpunkte liegen auf den Cultural and Literary Animal Studies (CLAS) und der Literatur- und Kulturgeschichte des 18. Jahrhunderts.

Kontakt: adrian.robanus(at)hotmail.de

 

Publikationen

Stillen – frühkindliche Diät – Fleischkonsum. Die Konstruktion natürlicher Ernährung in Emile oder Über die Erziehung. In: Elisabeth Hollerweger, Anna Stemmann (Hg.): Narrative Delikatessen. Kulturelle Dimensionen von Ernährung. Siegen 2015, S. 201–212.

Die Ermutigung, „falsch lesen, falsch leben zu dürfen.“ Kleists alternative Anthropologie? Über: Tim Müller, Der souveräne Mensch. Die Anthropologie Heinrich von Kleists. In: Kleist-Jahrbuch 2014, S. 199 –204 (Rez.).

Gedichtetes Leben? Müssen bei der Interpretation von Goethes Gedichten biographische Kontexte berücksichtigt werden? In: Goethe-Jahrbuch 2013, S. 298–306 (Beitrag zum vierten internationalen Essay-Wettbewerb der Goethe-Gesellschaft).

 

Vorträge

Goethes „Über den Zwischenkiefer der Menschen und der Tiere“ (1784) (15.09.2015). Impulsreferat im Panel „De/Institutionalisierung von Tierwissen II” im Rahmen der Tagungswoche „Tier Wissen Ausstellen. Strategien der Zusammenführung wissenschaftlicher und kuratorischer Praxis“ auf Gut Siggen (14.–20.09.2015).

Zwischen Literatur, Naturgeschichte, Anthropologie und Politik: Tierwissen in Romanen Christoph Martin Wielands und Johann Carl Wezels (23.07.2015). Projektvorstellung in der Sommerschule „Politik der Natur“ der DFG-Forschergruppe „Natur in politischen Ordnungsentwürfen: Antike ‒ Mittelalter ‒ Frühe Neuzeit“ in München (21.–24.07.2015).

„Vernunftähnliches“ oder „unendliche Kluft“? Die anthropologische und poetische Funktion von Goethes Tieren in „Satyros“, „Die Wahlverwandtschaften“ und „Metamorphose der Tiere (27.05.2015). Vortrag auf dem Symposium junger Goetheforscher im Rahmen der Hauptversammlung der Goethe-Gesellschaft (Weimar, 27.–30.05.2015).

Ernährung als kultureller Zeichenträger in der Aufklärung. Am Beispiel von Émile, Robinson Krusoe und Wahlverwandtschaften (19.09.2014). Vortrag im Rahmen der Tagung „Du bist, was du isst - Kulturelle Dimensionen von Ernährung“ (Siegen, 18.–20.09.2014).

Die diskursübergreifende politische Dimension von Tiermetaphern in der Aufklärung: Am Beispiel der Naturgeschichte (04.07.2014). Vorstellung eines Kapitelentwurfs im Rahmen des 9. Studientags für Literatur und Wissenschaftsgeschichte des MPI für Wissensschaftsgeschichte Berlin (04.07.2014).

 

Lehrveranstaltungen

Sommersemester 2015

Proseminar am Institut für Neuere Deutsche Literaturgeschichte I an der Universität zu Köln: „Der anthropologische Roman der Aufklärung“.

 

Titelbild: Chodowiecki, Daniel Nikolaus: "Büffon's Naturgeschichte. Erster Theil", Illustration (Bild: zeno.org) // Portraitfoto: Patric Fouad