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Dissertationsprojekt von Sascha Klein

Frontiers in the Sky – The Skyscraper as Actor-Network in the Modernist and Postmodern New York Novel (Arbeitstitel)

Als eine der wohl prominentesten Ikonen der amerikanischen Kultur, die vielfach auch als der einzige genuin amerikanische Beitrag zur Weltarchitektur bezeichnet worden ist, wird der Wolkenkratzer traditionell als Symbol für den Triumph der Moderne oder aber deren Scheitern gelesen. Doch hinter der strahlenden Aura seiner symbolischen Prominenz liegt ein architektonischer und sozialer Raum versteckt, dem in der Wissenschaft bislang wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde.
Bei all ihrer heroischen Monumentalität stellen Wolkenkratzer genauso wenig wie andere Gebäude statische Strukturen dar, sondern erscheinen vielmehr als fortwährende Prozesse, in denen eine ebenso große wie variable Anzahl an menschlichen, technischen und diskursiven Akteuren stets aufs Neue mit ihren verschiedenen Handlungsprogrammen aufeinandertreffen. Ganz im Sinne der Akteur-Netzwerk Theorie, die mir als wichtigstes theoretisches Werkzeug dient, möchte ich in meiner Promotionsarbeit die ganze Fülle an sozialen Akteuren – und das sind eben nicht nur Menschen – betrachten, die bei der Formierung und Stabilisierung des Netzwerks Wolkenkratzer sowie jenem ganzer Hochhausräume wie etwa im Falle Manhattans beteiligt sind. Dabei wird mein besonderes Interesse den Übersetzungsprozessen innerhalb dieser Akteur-Netzwerke gelten: Welche Akteure sind jeweils beteiligt und in was übersetzten sie sich gegenseitig, wenn sie sich zum Akteur-Netzwerk Wolkenkratzer verbinden? Und welche Arten von Räumen entstehen dabei in der Abgeschiedenheit des Himmels? Warum und wann können sie uns einerseits als “die weiten Räume eines menschengemachten Wilden Westens, eine Frontier im Himmel” (Rem Koolhaas) entgegen und anderseits als geradezu panoptische Kontroll- und Disziplinarräume erscheinen? Im Hinblick auf diese Dialektik von Freiheit und Kontrolle, von Utopie und Dystopie lässt sich schließlich erhellen, warum diese prominenten Gebäude zum steten Bezugspunkt für eine ganze Reihe moralischer Diskurse wurden – und das vom biblischen Turmbau zu Babel bis hin zu zeitgenössischen Interpretationen der Ereignisse des 11. Septembers 2001.
Nirgendwo anders begegnet einem ein so früher und radikaler Hochhausraum als auf dem im Herzen New Yorks gelegenen Manhattan Island. Viele große New York Romane erweisen sich als höchst aufschlussreich mit Blick auf die komplexen sozio-technischen Netzwerke sowie die mannigfaltigen Übersetzungsprozesse innerhalb des architektonischen Labors Manhattan. Der Korpus meiner Primärquellen setzt sich demnach aus einer Anzahl moderner und postmoderner Romane des 20. und frühen 21. Jahrhunderts zusammen. Meine Analyse dieser Romane will dabei vor allem den einzelnen Akteuren samt ihren Handlungsprogrammen nachspüren und nachverfolgen, wie das Netzwerk Wolkenkratzer fortwährend Hybridisierungsprozesse unter seinen menschlichen, technischen und diskursiven Akteuren anstößt. Hier wären sodann die Stilmittel und Erzähltechniken auszumachen, mit welchen die Romane diese komplexen Prozesse fassbar machen und weiterhin zu ergründen, wie sich diese Prozesse ebenso wie die Techniken ihrer Darstellung von der literarischen Moderne zur Postmoderne hin verändern.
Der kritische Ansatz der Akteur-Netzwerk Theorie sowie Michel Foucaults Konzept der Heterotopien werden mir dabei helfen, eine nur scheinbar wohlvertraute architektonische Ikone theoretisch neu zu fassen und ihre prägende Rolle im sozialen Feld zu ermessen. Dabei möchte ich über konventionelle Lesarten des Wolkenkratzers als eines kulturellen Symbols hinausgehen und die zuvor genannten Theorien und Konzepte für die Analyse von Großstadttexten im Allgemeinen nutzbar machen. Im Zuge meiner Analysen werde ich mich immer wieder auf einige zentrale architekturtheoretische Texte, aber auch auf solche philosophischen Abhandlungen beziehen, die in ihren Diskussionen des Modernen bzw. Postmodernen auf prominente Wolkenkratzer rekurrieren. So möchte mein Promotionsvorhaben nicht zuletzt einen fruchtbaren Dialog zwischen so unterschiedlichen Disziplinen wie den Literatur- und Kulturwissenschaften, der Soziologie und der Architekturtheorie anstoßen.

 

Kurzbiographie

Sascha Klein, geboren 1988, hat an der Universität zu Köln Anglistik und Geschichte mit dem Schwerpunkt auf US-amerikanischer Literatur- und Kulturwissenschaft studiert. Sein Studium schloss er im Sommersemester 2013 mit dem Mastergrad ab. Im Wintersemester 2013/14 kam er als promotionsvorbereitender Stipendiat an die a.r.t.e.s. Graduate School for the Humanities Cologne, in die er im April 2014 als Stipendiat aufgenommen wurde. Von 2012 bis 2014 war er als Tutor am Historischen Seminar beschäftigt und ist seit dem Sommersemester 2014 Lehrbeauftragter am Englischen Seminar der Universität zu Köln.
Seine Dissertation widmet sich dem Hochhaus im amerikanischen Großstadtroman des 20. und 21. Jahrhunderts und steht unter der Betreuung von Prof. Dr. Hanjo Berressem (Amerikanische Literatur), Prof. Dr. Norbert Finzsch (Anglo-Amerikanische Geschichte) und Prof. Dr. Norbert Nußbaum (Architekturgeschichte).
Seit 2011 ist er ehrenamtlich für den Kunstverein artrmx e.V. tätig, wo er in den vergangen Jahren maßgeblich an der Organisation des CityLeaks Urban Art Festivals beteiligt war. Auch jenseits des Festivals organisiert er regelmäßig Street Art Führungen durch Köln.

Kontakt: sklein(at)smail.uni-koeln.de

 

Publikationen

„Nam June Paik", Franzen, Brigitte und Miriam Lowack (Hrsg.), Videoarchiv 01: Die Amerikaner, Ludwig Forum für Internationale Kunst, Aachen, 2014, S. 14–19.

Scherer, Anne, Street Art Cologne, KiWi Köln, 2014. (Redaktionelle Mitarbeit)

 

Vorträge

""This is free public information & we are moving it your way!" – Alternative News-Making in the American Guerilla TV Movement of the 1960 and 70s"
29. Mai 2015: Vortrag im Rahmen der 62. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Amerikastudien (DGfA|GAAS), Universität Bonn, 28.–31. Mai 2015

 

Lehrveranstaltungen

Sommersemester 2014

Übung: "Screen Dreams: Television and Video in 1970s and 1980s American Culture", Englisches Seminar I, Universität zu Köln

 

Titelbild: Flatiron Building, New York City, ca. 1902–05, postcard published by the Detroit Photographic Company, Beinecke Rare Books & Manuscript Library, Yale University (Foto: Wikipedia) // Portraitfoto: Patric Fouad