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Dissertationsprojekt von Hanns Christian Schmidt

Transmediale Topoi – medienübergreifende Erzählwelten in seriellen Narrativen (Arbeitstitel)

Das Projekt „Transmediale Topoi – medienübergreifende Erzählwelten in seriellen Narrativen“ trägt einer jüngeren Entwicklung in unserer hochgradig vernetzten Medienlandschaft Rechnung: der Darstellung von Geschichten, Figuren und Welten über ihr eigentliches Ursprungsmedium (etwa einem Roman, einem Spielfilm oder einem Computerspiel) hinaus, wobei neue Medien miteinbezogen werden, die eigene ästhetische Qualitäten und Rezeptionsangebote mitbringen. Zwar handelt es sich bei einer medienübergreifenden Darstellung durchaus um kein völlig neues Phänomen, wie etwa ein Blick auf die Überlieferungsgeschichte von Jesus und der Welt des katholischen Glaubens (oder auch Thor und der Welt der nordischen Mythologie) zeigt. Dass sich diese klassischen Adaptionsformen aber innerhalb eines – zumindest graduellen – Wandels sowohl in der Quantität als auch in der Qualität transmedialer Medienangebote zunehmend verändert haben, lässt sich inzwischen anhand ganz unterschiedlicher Kontexte beobachten. Vor diesem Hintergrund mag es denn auch kaum überraschen, dass die Medienwissenschaft sich in den letzten Jahren der soziokulturellen Relevanz dieser transmedialen Phänomene zunehmend bewusst geworden ist. Das Dissertationsprojekt „Transmediale Topoi“ konzentriert schließlich auf die medienwissenschaftliche Verortung dessen, was der amerikanische Medienwissenschaftler Henry Jenkins einmal als den „transmedialen Ansatz“ beschrieben hat (und bislang theoretisch nicht weiter ausgeführt worden ist): dem Erschaffen von Erzählwelten („world building“), die mit mehreren transmedialen Iterationen – also gewissermaßen „in Serie“ – angereichert und ausgestaltet werden. Bemüht man sich, diesen Ansatz durch die Überführung auf bestehende Theoriefelder fruchtbar zu machen, deuten sich interessante Forschungsaussichten an. So scheint der TV-Kontext etwa, der das Konzept der Serie als sein wesentliches Strukturmerkmal für sich vereinnahmt, hier als eine Art ästhetischer Impulsgeber zu fungieren. In Computer- und Videospielen liegt schließlich durch ihre Möglichkeit der Exploration von und Interaktion mit virtuellen Welten ein Schlüsselmerkmal, das in der Arbeit besondere Berücksichtigung finden soll.

 

Kurzbiographie

Hanns Christian Schmidt studierte Literatur-Kunst-Medien und Geschichte an der Universität Konstanz, absolvierte einen Erasmusaufenthalt in Durham (UK) und beendete 2013 das Studium des Masterstudiengangs Medienwissenschaft an der Universität Tübingen. Während des Studiums arbeitete er als Tutor und studentische Hilfskraft und engagierte sich in diversen Forschungsprojekten – etwa zum Thema Werbung und Produktplatzierungen in Videospielen, das auf der Jahrestagung der European Communication Research and Education Association (ECREA) vorgestellt wurde.

2013 wurde Hanns Christian Schmidt wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Medienkultur- und Theater, seit 2014 ist er Stipendiat der a.r.t.e.s. Graduate School for the Humanities Cologne. Derzeit arbeitet er an seinem Dissertationsprojekt über transmediale Erzählwelten in seriellen Formaten und Franchiseverbünden, daneben lehrt und publiziert er zu den Themen Transmedialität, Serialität, Computerspielen und der Konzeptionen von Storyworlds.

Kontakt: schmidt.c(at)uni-koeln.de

 

Publikationen

(im Erscheinen) Hooked on a Feeling. Mixtapes von Früher und kommerzialisierte Mediennostalgie. In: Abend, Pablo; Bonner, Marc; Görgen, Katharina; Weber, Tanja (Hrsg.): Just little bits of history repeating. Medien | Nostalgie | Retromanie

(im Erscheinen) Transmedialität. In: Beil, Benjamin; Hensel, Thomas; Rauscher, Andreas (Hrgs.): Lehrbuch Game Studies. Einführung in die Theorie, Ästhetik und Dramaturgie der Videospiele

Der große böse Wolf in New York. Zur Konstruktion medienübergreifender Abenteuerwelten im Computerspiel. In: Eming, Jutta; Schlechtweg-Jahn, Ralf (Hrgs.): Aventiure und Eskapade. Erzählstrategien des Abenteuerlichen vom Mittelalter zur Moderne. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2016.

Rezension zu: Marie-Laure Ryan & Jan-Noël Thon (Hrgs.): Storyworlds Across Media. Toward a Media-Conscious Narratology. Lincoln/London: 2014. In: Zeitschrift für Medienwissenschaft: Online. http://www.zfmedienwissenschaft.de/online/storyworlds-across-media

Übersetzung: Bogost, Ian: Das Ende der Gamer. In: Beil, Benjamin; Freyermuth, Gundolf S.; Gotto, Lisa (Hrsg.): New Game Plus. Perspektiven der Game Studies. Genres – Künste – Diskurse, Bielefeld: transcript, 2015.

Do You Like Hurting Other People? Retro-Reflexivität in Hotline Miami. in: Beil, Benjamin; Bonner, Marc; Hensel, Thomas (2014): Computer|Spiel|Bilder. Glückstadt: vwh.

Origami Unicorn Revisited. „Transmediales Erzählen“ und „Transmediales Worldbuilding“ im The Walking Dead-Franchise. In: Beil, Benjamin; Thon, Jan-Noël; Sachs-Hombach, Claus: Medienkonvergenz und transmediale Welten (Image. Zeitschrift für interdisziplinäre Bildwissenschaft, Heft 20/Juli 2014).

Rezension zu: Gundolf S. Freyermuth, Lisa Gotto (Hrgs.): Bildwerte. Visualität in der digitalen Medienkultur [Reihe: Bild und Bit], Bielefeld (transcript) 2012.

 

Vorträge

"Transmedial Ways of Worldmaking. Zombies, Aliens, and Lego Bricks." im Rahmen der Konferenz Clash of Realities. 7th International Conference on the Art, Technology and Theory of Digital Games, TH Köln, 15.11.2016.

"Kill Kill Kill – Die – Repeat. Pixelblut und Retrorausch in Hotline Miami." Im Rahmen des Workshops "Meta Games & Meta Gaming Medien spielen – zu intermedialen Umwidmungen des Computerspiel(en)s" der Universität zu Köln, 18.06.2015

"Participatory Narratives. ‚Mitmachgeschichten‘ zwischen Literatur und Spiel." Im Rahmen des Seminars Participatory Culture, 19.5.2015

"Lensflares of Literacy. Inter,- Trans-, and Remedial Approaches to Doug Dorst’s and J.J.Abrams’s S"
27. Februar 2015: Vortrag im Rahmen der Konferenz “Experimental Narratives. From the Novel to Digital Storytelling”, University of London

"Es war einmal in einem konvergenten Point’n’Click-Adventure. Wiederholung und Exploration in The Wolf Among Us. "
27. Oktober 2014: Vortrag im Rahmen der Doktoranden-Ringvorlesung des Netzwerks "Medien|Projekt", Universität zu Köln

"Building Better Worlds. Transmediale Chronotopien in Ridley Scotts Alien-Franchise"
08. Juli 2014: Vortrag im Rahmen der Veranstaltung „Worldbuilding”, Universität zu Köln

"Transmedia Worlds… and Zombies"
13. Mai 2014: Vortrag im Rahmen des Workshops “Game Studies & Creatice Production”, Universität Utrecht

"Tie In & Tie Off – Digitale Spiele in konvergenten Medienumgebungen"
12. April 2014: Vortrag im Rahmen der Jahrestagung der AG Games, Leuphana Universität Lüneburg

"They Are Everywhere!’ – The Walking Dead and Transmedia Worldbuilding"
24.–28. Februar 2014: Vortrag im Rahmen der Winter School “Transmedial Worlds in Convergent Media Culture”, Graduiertenakademie Universität Tübingen

"Transmedia Television and Transmedial Intermediality"
25. Oktober 2013: Vortrag (mit Jun.-Prof. Dr. Benjamin Beil) im Rahmen der Konferenz der International Society for Intermedial Studies (ISIS), Sapienta Hungarian University of Transylvania

 

Lehrveranstaltungen

Wintersemester 2014/15

Seminar: "Convergent Media Cultures in a Globalized World", International & European Studies Course-Program, Universität Tübingen, 04.–26. November 2014

Sommersemester 2014

Seminar: "Introduction to Media Cultures in a Globalized World", im Rahmen des International & European Studies Course-Programs der Universität Tübingen

Workshop (mit Jun.-Prof. Dr. Benjamin Beil und Dr. Tanja Weber): "Understanding Transmedia", Institut für Medienkultur und Theater, Universität zu Köln

Wintersemester 2013/14

Seminar: "Transmedia Storytelling", Institut für Medienkultur und Theater, Universität zu Köln

Seminar (mit Jun.-Prof. Dr. Benjamin Beil): "Digital (Gaming) Cultures. An Introduction", Institut für Medienkultur und Theater, Universität zu Köln

 

Titelbild: Der Bau von transmedialen Welten ist häufig ein spielerischer und experimenteller Prozess (Foto: Hanns Christian Schmidt) // Portraitfoto: Patric Fouad