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Dissertationsprojekt von Sema Karataş

Ambitus – oder: Die unklare Grenze des Zulässigen. Ein historischer Kommentar zu Ciceros Rede pro Cn. Plancio (Arbeitstitel)

Im Jahr 54 v. Chr. verteidigte Cicero den wegen ambitus angeklagten homo novus Cn. Plancius vor den Richtern der quaestio de sodaliciis. Auslöser für die Anklage war die Niederlage des M. Iuventius Laterensis bei der Wahl zum Ädil im Jahr 54 v. Chr. Die Prozessführung für den Verteidiger Cicero sollte sich aufgrund seiner persönlichen Beteiligung an der Wahlkampagne für Plancius einerseits und seiner freundschaftlichen Beziehungen sowohl zum Ankläger wie auch zum Angeklagten andererseits schwieriger und facettenreicher gestalten als andere Prozessreden. Unter diesen Bedingungen wurde Cicero dazu gezwungen, auf eine Verteidigungsstrategie zurückzugreifen, die er zuvor kaum gebraucht hatte, nämlich seinen Mandanten zu verteidigen, ohne die Ankläger öffentlich, politisch und moralisch zu diskreditieren. Erschwerend kam hinzu, dass die Anklage sich nicht auf eine der bis 55 v. Chr. verabschiedeten ambitus-Gesetze, sondern auf die kurz vor Prozessbeginn erlassene lex Licinia de sodaliciis gestützt hatte. Der Ausgang des Prozesses ist nicht überliefert, die nachträgliche Veröffentlichung der Prozessrede legt allerdings nahe, dass Cicero Erfolg hatte und einen Freispruch erzielen konnte.
Ciceros Plädoyer für seinen Klienten stellt in jedem Fall ein Musterbeispiel einer Verteidigungsrede in einem ambitus-Prozess dar und ist darüber hinaus eine der wichtigsten Quellen zur lex Licinia de sodaliciis. Die Prozessrede eröffnet unterschiedliche Untersuchungsmöglichkeiten, die innerhalb der Verteidigungsrede für Plancius verknüpft sind und Einblicke in den politischen Alltag und auf den Zustand der Institutionen der römischen Republik Mitte der fünfziger Jahre gewähren.

Die Ziele der Dissertation bestehen demnach in der Analyse und Auswertung der ciceronischen Rede – die Nutzung historischer Stoffe, Beispiele und Anspielungen in und zur politischen Kultur der römischen Republik durch den Redner – sowie im Erfassen, Bewerten und Einordnen von ambitus und seinen Auswirkungen auf das politische Leben. Eine historisch analytische Skizze zur Entstehung und Entwicklung der Ädilität als Exkurs soll zum einen dazu dienen, die Verortung dieses Amtes vorzunehmen und seine Relevanz in der Ämterhierarchie herauszuarbeiten. Zum anderen fungiert sie als möglicher Ansatzpunkt für die Darstellung des Phänomens ambitus als strafrechtlicher Tatbestand.

 

Kurzbiographie

Sema Karataş, geboren am 01.03.1985 in Ankara/Haymana, studierte an der Universität zu Köln die Fächer Geschichte, Philosophie und Erziehungswissenschaften, mit dem Schwerpunkt auf Antike Geschichte und Philosophie. Ihr Staatsexamen erlangte sie im Sommersemester 2013 mit ihrer Arbeit „ambitus – oder: Die unklare Grenze des Zulässigen. Ein historischer Kommentar zu Ciceros Rede pro Cn. Plancio“.
Seit April 2014 verfolgt sie als Stipendiatin der a.r.t.e.s Graduiertenschule (Klasse 1 - Dynamiken des Wissens und der Gesellschaften in vormodernen Kulturen) ihr Promotionsvorhaben unter der Betreuung der Professoren Prof. Dr. K.-J. Hölkeskamp (Universität zu Köln), Prof. Dr. P. Schenk (Universität zu Köln) und Prof. Dr. W. Blösel (Universität Duisburg/Essen).
Während ihres Studiums konnte Sema Karataş bereits als studentische Hilfskraft und Tutorin an den Lehrstühlen der Alten Geschichte, des Philosophischen Seminars und dem Lehrstuhl für Medienpädagogik und Mediendidaktik der Universität zu Köln zahlreiche Erfahrungen sowohl in der Lehre als auch in der Struktur und Organisation der Institute sammeln. Von Januar bis Dezember 2014 arbeitete sie als Wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl von Prof. Dr. W. Ameling. Das Jahr 2015 über arbeitete sie als Wissenschaftliche Hilfskraft für Prof. Dr. Hölkeskamp und führte unter anderem die redaktionellen Arbeiten an dem im August 2015 erschienen Sammelband "Raum und Performanz: Rituale in Residenzen von der Antike bis 1815" durch. Seit 2016 geht sie ihrer Tätigkeit am Lehrstuhl von Herrn Hölkeskamp nach und hat die Redaktion der in Kürze zu erscheinenden Publikation "Libera Res Publica" inne.

Kontakt: sema.karatas(at)uni-koeln.de

 

Vorträge

"Ambitus in the Late Roman Republic and the quaestio de sodaliciis: The Forensic Case of Cn. Plancius"
03. April 2017: Vortrag in der Reale Istituto Neerlandese (KNIR), Rom

"The Integration of Domi nobiles at Rome: a Case Study "
12. Dezember 2015: Vortrag im Rahmen des Kolloquiums "Herrschaft, Hegemonie oder Anarchie: Rom und Italien, ca. 180–30 v. Chr." am Historischen Institut, Universität zu Köln

"New Men in the Roman Senate 139 B.C. – A.D. 14 – or: Wiseman reloaded"
03.–05. Oktober 2015: Vortrag im Rahmen des 5. Walter de Gruyter-Seminars "Local Response to Global Change in the Ancient World", Wittenberg

"Ambitus – oder: Die unklare Grenze des Zulässigen. Ein historischer Kommentar zu Ciceros Rede pro Cn. Plancio"
14. Januar 2015: Vortrag im Rahmen des Althistorischen Kolloquiums am Historischen Institut, Universität Duisburg/Essen

"'ambitus' – oder: Die unklare Grenze des Zulässigen. Ein historischer Kommentar zu Ciceros Rede 'pro Cn. Plancio'"
11. September 2014: Vortrag im Rahmen der Tagung "Darmstädter Diskussionen", 6. Interdisziplinäres Doktorandenkolloquium zu antiken Kulturen", Technische Universität Darmstadt

 

Titelbild: Forum Romanum, Rom (Januar 2013). Die Rostra (Rednerbühne) befindet sich neben dem Septimus Severus Bogen. Zu sehen hier der halbkreisförmige Rückteil der Rednerbühne (Foto: Sema Karataş) // Portraitfoto: Patric Fouad