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Vergangene Lehrveranstaltungen im a.r.t.e.s.-Modul

 

Sommersemester 2017

Ringvorlesung: "Was ist Anthropologie? (II) Die Frage nach dem Menschen und seinem Selbstverständnis in den Wissenschaften"
Dozenten: Jun.-Prof. Dr. Thiemo Breyer, David Sittler

Termin: Dienstags, 17:45–19:15 Uhr, Beginn 25. April 2017
Raum: S01 (Neues Seminargebäude)

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Die Ringvorlesung bietet einen Einblick in die Vielfalt anthropologischer Fragestellungen in den Wissenschaften. Dabei kommen theoretische und empirische Ansätze gleichermaßen zum Tragen, um die Relevanz anthropologischen Wissens für die Selbstverständigung des Menschen zu erörtern. Die Veranstaltung wendet sich an die Studierenden im a.r.t.e.s. Research Master-Programm ebenso wie an alle interessierten Hörerinnen und Hörer der Philosophischen Fakultät und eine breitere Öffentlichkeit.

Programm:
25.04. David Sittler (Köln): "Was ist medienhistorische Anthropologie?"
02.05. Peter Marx (Köln): "Maskenrausch und Totentanz: Zu Genese und Aporien der Kölner Theaterwissenschaft"
09.05. Johannes Schick & Mario Schmidt (Köln): "Was ist interdisziplinäre Anthropologie? Eine Gegenstandsbestimmung zwischen Philosophie und Ethnologie"
16.05. Jörg Zirfas (Köln): "Was ist pädagogische Anthropologie?"
23.05. Christoph Lange (Köln): "Tier-Mensch-Interaktionen: Zur performativen Komposition des modernen Arabischen Pferdes als 'Living Sculptures'"
30.05. Marie Louise Herzfeld-Schild (Köln): "Anthropologie und Ästhetik"
13.06. Renate Girmes (Magdeburg): "Cultural Engineering"
20.06. Adi Efal-Lautenschläger (Köln): "Post-imagism with a human(ist) figure"
27.06. Jos de Mul (Rotterdam): "Was ist philosophische Anthropologie?"
04.07. Oliver Müller (Freiburg): "Die anthropologischen Tiefenstrukturen des Transhumanismus"
11.07. Dorothea E. Schulz (Köln): "Was ist Medienanthropologie?"
18.07. Volker Schürmann (Köln): "Faire Exzentriker. Personalität im Sport"
25.07. Philipp Steinkrüger (Köln): "Anthropologie und Utopie"

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Kolloquium: "Masterkolloquium im a.r.t.e.s. Research Master Programm"
Dozenten: Jun.-Prof. Dr. Thiemo Breyer, Jun.-Prof. Dr. Martin Zillinger

Termin: Freitag, 10:00–18:00 Uhr, 23. Juni 2017 (Blockveranstaltung)
Raum: 3. A06 (Gebäude 210b, Aachener Str. 217, 3. OG rechts)

Die Materialwerkstatt gibt den Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Research Master-Programms die Möglichkeit, die Themen ihrer Abschlussarbeiten in einem interdisziplinären Kontext vorzustellen und zu diskutieren. Hinweis: Wir empfehlen allen Teilnehmerinnen und Teilnehmer mindestens einmal während der Masterphase an der Materialwerkstatt teilzunehmen. Die Veranstaltung wird in der Regel in jedem Semester angeboten. Nur nach Rücksprache und in besonderen Ausnahmefällen kann die aktive Teilnahme an der Veranstaltung als Kolloquium für das a.r.t.e.s. Modul angerechnet werden.

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Seminar: "Zeit und Zeitlichkeit"
Dozent: Jun.-Prof. Dr. Thiemo Breyer

Termin: Donnerstags, 16:00–17:30 Uhr
Raum: 0.B02 (Gebäude 210b, Aachener Str. 217, EG links)

Nach dem großen Erfolg der letztjährigen Doktoranden-Sommerschule in Cambridge zum Thema „Zeit und Zeitlichkeit“, soll nun auch für die Research Master ein gleichnamiges Seminar angeboten werden, das diesen für die Geisteswissenschaften zentralen Themenkomplex beleuchtet. Dabei werden klassische philosophische Ressourcen mit aktuellen kulturwissenschaftlichen Ansätzen verknüpft. In folgenden thematischen Feldern bewegt sich die Annäherung an das Phänomen der Zeit:

1. technikanthropologisches Feld: Zeit kann als objektiv messbares Phänomen behandelt werden und Menschen haben unterschiedlichste instrumentelle Umgangsformen mit der Zeit entwickelt. Welche Medien der Registrierung und Einteilung von Zeit wurden entworfen?

2. phänomenologisches Feld: Zeit ist ebenso ein subjektiv erlebtes Phänomenon. Von Augustinus bis Husserl gibt es eine reichhaltige philosophische Literatur zu der Frage, wie wir Zeit wahrnehmen, warum die Zeit z. B. mal schneller und mal langsamer vergeht und warum sie somit nicht mit der objektiven Zeit der Uhren übereinzustimmen scheint.

3. sozialtheoretisches Feld: Zeit strukturiert soziale Beziehungen, von einfachen Verabredungen bis hin zu wiederkehrenden Ritualen, gesetzlichen Feiertagen oder ähnlichen kollektiven Vereinbarungen. Wie lassen sich soziale Rhythmen und das Verhältnis von Kontinuität und Diskontinuität bestimmen?

4. kulturtheoretisches Feld: Zeitvorstellungen sind ein wichtiger Bestandteil der symbolischen Welten von Kulturen. Hier wird die vergleichende Frage wichtig, welche kulturellen Modelle in ihrer jeweiligen historischen Spezifik überliefert sind? Welche Vorstellungen haben sich Menschen vom Wesen der Zeit gemacht (z. B. linear vs. zyklisch) und welche Implikationen hat/te dies für ihre Lebensgestaltung?

5. wissenschaftstheoretisches und hermeneutisches Feld: Auf einer Metaebene wird es für die interdisziplinäre Verständigung im Seminar wichtig sein, die Wirkungsgeschichte bestimmter Zeitvorstellungen im Sinne von Fachtraditionen nachzuzeichnen und die eigenen hierdurch geprägten Vorverständnisse mit Blick auf die Vielzahl von Modellen kritisch zu hinterfragen.

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Seminar: "Postkoloniale Theorie"
Dozent: Jun.-Prof. Dr. Martin Zillinger

Termin: Dienstags, 14:00–15:30 Uhr, Beginn 25. April 2017
Raum: 3. A06 (Gebäude 210b, Aachener Str. 217, 3. OG rechts)

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben sich die politischen, ökonomischen und wissenschaftlichen Institutionen des globalen Nordens vervielfältigt, und scheinen lokale Praktiken und Wissensformen scheinbar alternativlos zu re-formatieren. Die entsprechenden institutionellen Verkettungen und „traveling formats“ definieren und gestalten soziale, materielle und diskursive Praktiken im globalen Maßstab – und setzen auf beispiellose Weise standardisierte Wissensformen und Artefakte, Kooperations- und Arbeits- und Wirtschaftsformen durch. Zu einem Zeitpunkt, an dem die politischen Fliehkräfte den globalen Norden zunehmend zu desintegrieren scheinen, und neue ‚global player’ im globalen Süden erstarken, scheint es angeraten zu sein, sich noch einmal die Debatten vor Augen zu führen, die über die letzten Jahrzehnte als „postcolonial theory“ die vermachtete Verflechtungsgeschichte der europäischen Kolonialisierung thematisiert haben. In diesem Seminar wollen wir uns ausgehend von Klassikern der postkolonialen Debatte auch mit den Debatten beschäftigen, die sie in den unterschiedlichen Disziplinen losgetreten haben – in der Philosophie, der Kunstgeschichte, der Geschichts- und Literaturwissenschaft oder der Ethnologie und anderer in unserem Seminar beteiligten Disziplinen. Während wir uns dabei die wichtigsten Konzepte dieser Theoriedebatten aus Werken von Autoren wie Franz Fanon, Edward Said, Homi Bhabha, Gayatri Chatravorky Spivak, Partha Chatterjee und Dipesh Charkrabarty und Anne Laura Stoler gemeinsam erschließen wollen (Auswahl werden wir gemeinsam festlegen), werden wir uns in einer abschließenden Blocksitzung exemplarisch die Diskussionen vorstellen, die diese Autorinnen und Autoren in unseren jeweiligen Disziplinen ausgelöst haben.

Das Seminar findet 14tägig statt und verlangt die Bereitschaft, kontinuierlich größere Textmengen vorzubereiten. Die Sitzung am 6. Juni wird durch die Teilnahme an einem ausgewählten Panel der Global South Study Konferenz (7–9. Juni) ersetzt.

Weitere Termine: 9. und 23. Mai, 13. und 27. Juni, 11. und 18. Juli 2017

Für die Blocksitzung sind der 7. und 8. Juli freizuhalten.

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Seminar: "Atmosphärenforschung"
Dozentin: Dr. Marie Louise Herzfeld-Schild

Termin: Mittwochs, 12:00–13:30 Uhr
Raum: 0.B02 (Gebäude 210b, Aachener Str. 217, EG links)

Seitdem Hermann Schmitz und Gernot Böhme den Begriff der Atmosphäre als quasi-objektives Außen der menschlichen Gefühle in den Blick genommen haben, hat insbesondere in Phänomenologie, Ethnologie, Medien-, Literatur-, Kunst- und Musikwissenschaften das Interesse für Atmosphärisches laufend zugenommen. Dabei werden Schmitz’ und Böhmes Atmosphärenkonzepte als Beschreibungsinstrumente für unterschiedliche kulturelle und ästhetische Kontexte erprobt und erweitert. Darüber hinaus liefern sie methodische Vorschläge für analytische Zugänge zu den eher ephemeren Aspekten der Lebenswelt, die sich zwar einer genauen Beschreibung entziehen, dafür aber emotional umso deutlicher Kontur annehmen.
Das Seminar möchte ausgehend von Schmitz’ und Böhmes grundlegender Forschung der Bedeutung von Atmosphären in unterschiedlichen kulturellen, medialen und ästhetischen Kontexten nachgehen und im interdisziplinären Diskurs Chancen und Grenzen des Atmosphärenbegriffs aufzeigen.

Einführende Grundlagentexte:
Böhme, Gernot (2006): Architektur und Atmosphäre. München/Paderborn: Fink
Ders. (1998): Anmutungen: Über das Atmosphärische. Ostfindern: Edition Tertium
Ders. (1995): Atmosphäre: Essays zur neuen Ästhetik. Frankfurt a.M.: Suhrkamp
Heibach, Christiane (ed.) (2012): Atmosphären: Dimensionen eines diffusen Phänomens. München/Paderborn: Fink
Schmitz, Hermann (2014): Atmosphären. Freiburg/München: Alber

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Seminar: "Ernst Kapps Grundlinien einer Philosophie der Technik (1877): Wissenschaftsgeschichte anhand von Begriffsentwicklung und Kontroversen "
Dozenten: Dr. Adi Efal-Lautenschläger, David Sittler

Termin: Freitags, 14:00–15:30 Uhr
Raum: Lounge des Research Labs (Gebäude 210b, Aachener Str. 217, 2. OG links)

Das Seminar konzentriert sich auf ein Close-Reading des Buches Grundlinien einer Philosophie der Technik (1877) von Ernst Kapp. Das Angebot richtet sich hauptsächlich an Studierende, die sich besonders für neuere Wissens- und Wissenschaftsgeschichte oder Erkenntnistheorie interessieren. Von Kapps Texten ausgehend, möchten wir uns kritisch mit der Geschichte der deutschen Technikphilosophie befassen. Das bedeutet Begriffsgeschichte aufzuarbeiten und zwar mit zwei Zielen: erstens eines besseren Verständnisses zeitgenössischer Technik-Diskurse und Diskussionszusammenhänge um Kapp herum. Zweitens einer Arbeit an gegenwärtigen Begriffen in den aktuellen Kontroversen in der Technikphilosophie.

Philologisch sowie begriffs- und konzeptgeschichtlich betrachtet, wollen wir uns gemeinsam die Frage stellen: von wo aus, wie und wohin hat sich die Technikphilosophie als eigene philosophische Gattung entwickelt? Welche intellektuellen Strömungen waren in diesem Prozess, während und seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts involviert? Wie und was können Schriften der Technikphilosophie aus dieser Zeit zu unseren aktuellen technischen Fragenstellungen beitragen?

Die Studierenden sollen zusätzlich zur Diskussionsbeteiligung in der Form aktiv zum Seminar beitragen, dass Sie jeweils als Einleitung der Sitzungen Abschnitte des Buches für die Diskussion aufbereiten oder in einem Impulsreferat ein zentrales Konzept Kapps in eigenen Worten erklären.

Entsprechende Hausarbeitsthemen werden in Einzelgesprächen gemeinsam mit den Studierenden erarbeitet, um eine fruchtbare Verbindung zwischen der kollektiven Lektüre Kapps und den eigenen fachspezifischen Forschungsinteressen zu gewährleisten.

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Seminar: "Utopien"
Dozenten: Dr. Mario Schmidt, Dr. Philipp Steinkrüger

Termin: Dienstags, 12:00–13:30 Uhr
Raum: 3. A06 (Gebäude 210b, Aachener Str. 217, 3. OG rechts)

Beschreibungen idealer und von der gegenwärtigen Situation radikal unterschiedener Formen sozialen Zusammenlebens finden sich in vielen Gesellschaften. Sie werden sowohl in philosophischen und literarischen Texten als auch in religiösen Mythen dargestellt. Utopien, so scheint es, übten zu allen Zeiten großen Einfluss auf die Reflektion über unsere Gesellschaft aus und formten unser Denken.

Das Seminar verfolgt zwei Ziele: zum einen werden wir herausarbeiten, welche Formen Utopien annehmen können, welche grundsätzliche Eigenschaften sie besitzen und ob es strukturelle Ähnlichkeiten zwischen ihnen gibt. Zum anderen fragen wir, zu welchen Zwecken Utopien außerhalb und innerhalb der Wissenschaften verwendet wurden und verwendet werden können. Letztere Frage ist rezent insbesondere in der Ethnologie explizit aufgeworfen worden. Ethnologen versuchen einerseits, Utopien als epistemologisches Instrument zu etablieren, andererseits zielen einige Ethnologen darauf ab, die Kraft von Utopien für eine tatsächliche Neugestaltung der Gesellschaft fruchtbar zu machen (z. B. Viveiros de Castro).

Das Seminar nimmt hierfür eine breite Auswahl von Utopien (bei längeren Texten in Ausschnitten) in den Blick. Wir werden sowohl klassische Utopien (z. B. Platons Staat, Montaignes Über Kannibalen, Moores Utopia, Skinners Walden Two und Le Guins The Day Before the Revolution) lesen, aber auch Texte aus dem Bereich der Anthropologie besprechen, die üblicherweise nicht zum Kanon utopischer Texte gezählt werden (z. B. Clastres’ Staatsfeinde, Kramers und Sigrists Sammelband Gesellschaften ohne Staat, Worsleys Arbeiten zu melanesischen Cargo-Kulten und Stover und Harrisons Apeman, Spaceman).

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Wintersemester 2016/17

Kolloquium: "Wissenschaftliche Kontroversen und aktuelle Forschungen"
Dozent: Jun.-Prof. Dr. Martin Zillinger

Termin: Mittwochs, 10:00–11:30 Uhr, Beginn 26. Oktober 2016
Raum: 3. A06 (Gebäude 210b, Aachener Str. 217, 3. OG rechts)

Das Kolloquium richtet sich an die Teilnehmer*innen des a.r.t.e.s Research Master-Moduls und ist insbesondere für diejenigen verpflichtend, die im WS 2016/17 einsteigen. Es bietet ein Diskussionsforum, um unterschiedliche disziplinäre Perspektiven und Interessen zu reflektieren und um Themen, Theorien und Methoden interdisziplinärer Forschung zu erschließen und einzuüben. Das Kolloquium wird vom a.r.t.e.s. Research Lab organisiert und bietet die Gelegenheit, die dort betriebenen Forschungen kennenzulernen und mit den beteiligten Wissenschaftler*innen ins Gespräch zu kommen.

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Kolloquium: "Masterkolloquium im a.r.t.e.s. Research Master-Programm"
Dozent: Jun.-Prof. Dr. Thiemo Breyer

Termin: Freitag, 16. Dezember 2016
Raum: N.N.

Die Materialwerkstatt gibt den Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Research Master-Programms die Möglichkeit, die Themen ihrer Abschlussarbeiten in einem interdisziplinären Kontext vorzustellen und zu diskutieren. Hinweis: Wir empfehlen allen Teilnehmer*innen mindestens einmal während der Masterphase an der Materialwerkstatt teilzunehmen. Die Veranstaltung wird in der Regel in jedem Semester angeboten. Nur nach Rücksprache und in besonderen Ausnahmefällen kann die aktive Teilnahme an der Veranstaltung als Kolloquium für das a.r.t.e.s. Modul angerechnet werden.

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Seminar: "Evidenzstile – Modi der Erkenntnisgenerierung in den Geisteswissenschaften (Seminar im a.r.t.e.s. Research Master-Programm)"
Dozent: Jun.-Prof. Dr. Thiemo Breyer

Termin: Dienstags, 14:00–15:30 Uhr, Beginn 25. Oktober 2016
Raum: 0.B02 (Gebäude 210b, Aachener Str. 217, EG links)

Das Seminar versteht sich als Einführung in die Wissenschaftstheorie der Geisteswissen-schaften mit besonderem Fokus auf die unterschiedlichen Arten und Weisen, in denen die auch bei a.r.t.e.s. versammelten Disziplinen ihre Methoden jeweils entwickeln und einsetzen, um fachspezifische Erkenntnisse zu erzeugen. Was ist beispielsweise der typische Erkenntnisgegenstand der Literaturwissenschaft oder der Kunstgeschichte? Wie gelangt ein Philosoph zu einem gesicherten Argument? Welche Evidenz wird von einer historischen Quelle oder einem archäologischen Relikt verbürgt? Im Sinne der „Transformationen des Wissens“ sollen insbesondere Paradigmenwechsel, Trends und Turns der letzten Jahrzehnte in den Humanities in den Blick genommen werden, u.a. die zunehmende Verwendung formal- und naturwissenschaftlicher Methoden, die damit einhergehende Verschiebung von Erkenntnisinteressen, die Digitalisierung oder das Problem der Übersetzung. Gemeinsam mit den Research Mastern sollen Themenschwerpunkte erarbeitet werden, um eine Methodenreflexion auf die im Seminar vertretenen Fächer zu ermöglichen.

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Seminar: "Institutionalisierte Krisen. Neapolitanische Rituale in historischer und sozialanthropologischer Perspektive. (Seminar mit Exkursion)"
Dozent: Dr. Ulrich van Loyen

Termin: Blockseminar und Exkursion
Raum: N.N.

Ein “von Teufeln bewohntes Paradies” nannten Jesuitenmissionare Neapel im 16. Jahr-hundert, wo sie zwar viele Kultausübungen, aber nur wenig christliche Religion zu entdecken glaubten. Fünfhundert Jahre später hat sich in der Außenwahrnehmung nur das “Paradies” überlebt, Neapel hingegen ist ein (Produktions-)Zentrum religiöser Aktivität geblieben. Die “paganen” Zuschreibungen einmal beiseitegelassen, gilt dies vor allem für evangelikale und charismatische Religiösität, ebenso für die Aneignung tradierter Kulte durch Hinduismus und Buddhismus. Und natürlich für die vielen Formen katholischer Spiritualität, in denen sich eine lange Geschichte sozialer Erfahrung sedimentiert hat. “Mediatoren” (Seher, Heiler, wundertätige Priester) spielen darin analog zur Politik eine bedeutende Rolle und können gar unternehmerisches Potenzial entfalten. Das geschieht unter dem Vesuv nicht immer konfliktfrei.
Das Seminar wird den für seine ekstatischen Szenen und seinen “amoralischen Familismus” berühmt-berüchtigten Kult der “Madonna dell’Arco” erschließen und vor Ort analysieren, zudem zwei weitere “Devotionen” betrachten, die für Geschichte und Selbstbild dieser mehrfach gefährdeten mittelmeerischen Metropole bezeichnend sind (“San Gennaro” und die “Anime sante del purgatorio”). Wir wollen nach der Funktion der entsprechenden Rituale für die neapolitanische Gesellschaft fragen und uns darüber dieser Gesellschaft ein Stück weit nähern. Zugleich wollen wir uns Rechenschaft ablegen, welche Art von Erkenntnis uns dieser Zugang überhaupt gestattet.

Italienischkenntnisse sind von Vorteil, aber keine Voraussetzung. Forschungsliteratur wird den Teilnehmern in einem Reader bereitgestellt.

Die Veranstaltung setzt sich zusammen aus zwei vorbereitenden Sitzungen in Köln im Dezember und in der vorletzten Semesterwoche sowie eine darauffolgende fünftägige Exkursion über die Ostertage 2017.
Die genauen Termine werden zum Semesterstart bekannt gegeben.

Zur Einführung empfohlene Literatur: Salvatore Pisani, Katharina Siebenmorgen (Hgg.), Neapel. Sechs Jahrhunderte Kulturgeschichte, Berlin: Reimer 2009, sowie Alfred Sohn-Rethel, Das Ideal des Kaputten. Hrsgg. und mit einem Nachwort von Carl Freytag, Bremen 1990.

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Graduate Reading Group: "Interdisziplinäre Anthropologie"
Dozenten: Jun.-Prof. Dr. Thiemo Breyer, Jun.-Prof. Martin Zillinger

Termin: Mittwochs, 12:00–13:30 Uhr, 14-täg., Beginn 19. Oktober 2016
Raum: 3. A06 (Gebäude 210b, Aachener Str. 217, 3. OG rechts)

Konzept: Die Graduate Reading Group richtet sich an alle interessierten Master-Studierenden, Doktorand*innen (inklusive „Pre-Docs“), Postdoktorand*innen und Professor*innen – das heißt an alle bei a.r.t.e.s. repräsentierten Gruppen. Die Lesegruppe versteht sich als ein konzentriertes Diskussionsforum unter Peers. Das Ziel ist, sich über die intensive Lektüre ausgewählter Texte gemeinsam einen Theoriebestand und die damit verbundene geistesgeschichtliche Tradition zu erarbeiten. Die Leitung sorgt dabei für den organisa-torischen Rahmen, insbesondere die Vorauswahl der Texte, moderiert die Diskussion und führt in das Thema und die jeweils diskutierten Texte ein.
Die Graduate Reading Group soll zusätzlich über Klips als Lehrveranstaltung im a.r.t.e.s. Research Master-Programm angeboten werden, sodass interessierte Studierende auch die Möglichkeit zur „Verbuchung“ haben. Entsprechende Prüfungsleitungen werden von der Leitung der Lesegruppe nach den üblichen Regularien und in Abstimmung mit den Modulverantwortlichen abgenommen.
Thema: Die Lesegruppe widmet sich im Wintersemester 2016/2017 einschlägigen Texten zu einer interdisziplinären Anthropologie. Das genaue Programm wird im KLIPS-Portal bekannt gegeben.

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Sommersemester 2016

Ringvorlesung: "Körpertechniken – Imaginationstechniken"
Dozenten: Dr. Johannes Schick, Dr. Nina Engelhardt

Mittwoch, 17:45–19:15 Uhr (wöchentlich, 20.04.–20.07.2016)
S22, Neues Seminargebäude

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Unsere Vorlesungsreihe widmet sich dem Zusammenspiel von Körper, Technik und Imagination. Der Körper als „erstes und natürlichstes Instrument des Menschen“ (Mauss 2010) liefert hierfür den Ausgangspunkt: Bereits elementarste menschliche Praktiken sind gleichzeitig technisch sowie sozial und liefern daher auch den Hintergrund vor dem die Imagination arbeitet. Körpertechniken vereinen daher körperliche Fähigkeiten („skills“), sozial vermittelte Gewohnheiten und bestimmte mentale Zustände wie z.B. der Gemütsruhe oder der Aufmerksamkeit. Besonders deutlich wird das komplexe Geflecht von körperlich-leiblicher, technischer und imaginativer Arbeit im Erfinden neuer Techniken, die Praktiken ermöglichen, die vorher nur „geträumt oder imaginiert“ werden konnten. So bestand beispielsweise der Traum des Menschen vom Fliegen schon lange vor seiner tatsächlichen Realisierung, die wiederum zunächst auf Nachahmung körperlicher Praktiken des Vogelfluges beruhte.
Der Zusammenhang von Körpertechnik und Imaginationstechnik wird aber nicht nur im Austausch des Menschen mit technischen Objekten konkret, sondern verweist auch auf die Tradition der religiösen Mystik. Dort versteht man unter Imaginationstechniken, Techniken die es Personen erlauben in andere körperliche und mentale Zustände zu gelangen. Auch hier durchdringen sich körperliche mit mentalen Praktiken.
Die konkrete Ausgestaltung von Körper- und Imaginationstechniken unterlaufen daher die strenge Trennung von Körper und Geist, obwohl sie gleichzeitig jeweils versuchen entweder vom Körper auf den Geist oder umgekehrt einzuwirken. Die Vorlesungsreihe will sich daher diesem komplexen Verhältnis in einem interdisziplinären Rahmen widmen und folgende Fragen diskutieren:

  1. Wie gestalten sich die rekursiven Prozesse zwischen Körper- und Imaginationstechniken?
  2. Inwiefern trägt die imaginative Tätigkeit der Literatur und der bildenden Künste dazu bei, dass Neues – über die disziplinären Grenzen hinaus – ge- und erfunden wird?
  3. Wie generieren vermeintlich rein körperliche Techniken Vorstellungen?
  4. Worauf lässt sich der Begriff der Imaginationstechnik überhaupt anwenden?

Graduate Reading Group: "Die Existenzweise technischer Objekte"
Organisation: a.r.t.e.s. Lab

Dienstag, 10:00–11:30 Uhr (14-tägig, Beginn: 12.04.2016)
bei a.r.t.e.s. Research Lab, 2. OG, Aachener Str. 217

Gilbert Simondons bekanntestes Werk zu den Existenzweisen technischer Objekte nimmt historisch wie systematisch eine zentrale Stelle in der Technikphilosophie und Technikanthropologie in Frankreich ein. Zum einen setzt es die Tradition, die ausgehend von Bergson, Mauss und Leroi-Gourhan die Technik im Ausgang von körperlichen Praktiken denkt und sie auf die Ursprünge des Sozialen zurückführen will, zum anderen entwickelt Simondon in Auseinandersetzung mit der Kybernetik eine Technikphilosophie, die die Eigenständigkeit technischer Objekte betont. Seine Kritik an der Kybernetik und die Entwicklung eines nicht-reduktiven Informationsbegriffs, die auch für die gegenwärtige Diskussion von höchster Relevanz sind (u.a. bei Bruno Latour und Bernhard Stiegler), werden in dieser klassischen Reading Group Schritt für Schritt nachverfolgt.

Konzept:
Die Lesegruppe richtet sich an alle interessierten Master-Studierenden, Doktorand/inn/en (inklusive „Pre-Docs“), Postdoktorand/inn/en und (Junior-) Professor/inn/en – das heißt an alle bei a.r.t.e.s. repräsentierten Gruppen. Die Lesegruppe versteht sich als ein konzentriertes Diskussionsforum unter Peers. Das Ziel ist, sich über die intensive Lektüre ausgewählter Texte gemeinsam einen Theoriebestand und die damit verbundene geistesgeschichtliche Tradition zu erarbeiten. Die Leitung sorgt dabei für den organisatorischen Rahmen, insbesondere die Vorauswahl der Texte, moderiert die Diskussion und führt in das Thema und die jeweils diskutierten Texte ein.
Die Graduate Reading Group soll zusätzlich über Klips als Lehrveranstaltung im a.r.t.e.s. Research Master-Programm angeboten werden, sodass interessierte Studierende auch die Möglichkeit zur „Verbuchung“ haben. Entsprechende Prüfungsleitungen werden von der Leitung der Lesegruppe nach den üblichen Regularien und in Abstimmung mit den Modulverantwortlichen abgenommen.

Graduate Reading Group: "Historische Emotionsforschung"
Dozenten: Jun.-Prof. Dr. Thiemo Breyer, Dr. Marie Louise Herzfeld-Schild

Mittwoch, 12:00–13:30 Uhr (14-tägig, Beginn: 13.04.2016)
bei a.r.t.e.s., Raum 3.A06, 3. OG., Aachener Str. 217

Emotionen haben Konjunktur – nicht nur in den naturwissenschaftlichen Disziplinen, sondern seit mehreren Jahren auch in den Sozial- und Geisteswissenschaften. So nehmen etwa interdisziplinäre Forschungsverbünde zur „History of Emotion“ in Berlin, London oder Australien die Geschichtsmächtigkeit und Geschichtsträchtigkeit von Emotionen aus überwiegend kultur-, sozial- oder auch wissenschaftsgeschichtlicher Perspektive in den Blick.
Die zahlreichen Ansätze zur Erforschung der Emotionen haben jedoch u.a. aufgrund unterschiedlicher Forschungsinteressen mittlerweile (nicht nur zwischen den Natur- und Geisteswissenschaften, sondern auch innerhalb der verwandten Disziplinen) zu einem Methoden- und Begriffspluralismus geführt, der ein gemeinsames Sprechen über Phänomene der Affektivität und Emotionalität kompliziert gemacht hat. Die Graduate Reading Group bietet interessierten Research Master-Studierenden und Doktorand/inn/en eine interdisziplinäre Plattform, um verschiedene Emotionstheorien aus Geschichte und Gegenwart kennenzulernen, unterschiedliche methodische Zugänge zu diskutieren, Begriffsbestimmungen zu erproben und die Chancen und Grenzen der verschiedenen Ansätze an Beispielen aus der eigenen Forschung auszuloten.

Die Reading Group ist inhaltlich offen konzipiert. Auf die Forschungsinteresse der Teilnehmer/inn/en gehen wir ein und gestalten das Programm gemeinsam. Folgende Schwerpunktthemen, die sich durchaus gegenseitig durchdringen, können sich hierfür anbieten:

  • Emotion und Empathie
  • Emotion und Medialität
  • Emotionen und Performativität
  • Emotion und Moral/Recht/Normativität
  • Emotion und Macht

Seminar: "Individuum und Kollektiv"
Dozent: Jun.-Prof. Dr. Thiemo Breyer

Mittwoch, 10:00–11:30 Uhr (wochentlich, Beginn: 13.04.2016)
bei a.r.t.e.s., Raum 0.B02, EG, Aachener Str. 217

"Begriffe wie Kollektiv und Individuum […] können heute kaum noch unbelastet gebraucht werden" – so mahnt die Philosophin Karen Gloy. Vorbelastet sind die Begriffe ihrer Ansicht nach, weil sie allzu schematische Kategorisierungen begünstigen, im Kulturvergleich etwa die Einteilung in individualistische vs. kollektivistische Gesellschaftsformen. Doch was verstehen wir überhaupt unter einem Individuum und was unter einem Kollektiv? In welchem Verhältnis stehen beide Begriffe zueinander und wie sind sie benutzt worden, um menschliche Phänomene zu beschreiben? Diese Fragen sind für die unterschiedlichsten disziplinären Diskurse in den Geistes- und Kulturwissenschaften von zentraler Bedeutung. Im Ausgang von der grundlegenden Sozialität des Menschen (die schon mit dem aristotelischen zóon politikón angesprochen wird), ist eine wichtige sozialpsychologische Fragestellung, wie das Individuum überhaupt zu einem solchen wird und wie es sich als solches erlebt. Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe ist entscheidend für die Herausbildung einer individuellen Identität: Wir übernehmen mehr oder weniger bewusst Vorstellungen, Überzeugungen und Handlungsmuster von anderen, wir lernen die Sprache, die in unserem Umfeld gesprochen wird, und wir definieren uns als Teil einer Gemeinschaft, womit immer auch eine Abgrenzung von anderen einhergeht. Die vielfältigen Prozesse von Inklusion und Exklusion sind Gegenstand u.a. der soziologischen und ethnologischen Forschung. Kann man sich ein Individuum in Isolation, also ohne solche Zugehörigkeit überhaupt vorstellen? Ist ein Kollektiv andersherum betrachtet lediglich eine Kollektion, also eine Ansammlung von Individuen, oder ist es mehr als die Summe seiner Teile? Diese Fragen können auch geschichtswissenschaftlich in den Blick genommen werden, wenn man sich für die Formen und Ausdrucksweisen von Individualität als historisch wandelbarem Phänomen interessiert. So sind Individualismus und Individualisierungsstreben häufig als Merkmal der Moderne bezeichnet worden. Ein historischer Blick verbindet sich wiederum mit einem psychologischen, wenn man sich fragt, wann und unter welchen Bedingungen ein Kollektiv zu einer Masse, also einer undifferenzierten Menge wird, in der die beteiligten Individuen aufgehen und nicht mehr als solche erkennbar sind. Wie verändert ein solches Aufgehen in der Masse die Erlebnisweise beteiligter Subjekte? In welchen gesellschaftlichen und politischen Konstellationen ist die Masse ein relevanter Akteur? Zwischen den beiden theoretischen Extremen eines solipsistischen Einzelsubjekts und einer amorphen Masse erstreckt sich ein ganzes Spektrum unterschiedlicher Formen und Mischformen des Individuellen und Kollektiven, das es interdisziplinär auszuloten gilt. Im Seminar kommen zu diesem Zweck unterschiedliche historische und aktuelle Positionen aus Philosophie, Psychologie und Kulturwissenschaften zu Wort. In erkenntnistheoretischer Absicht soll dabei auch der Dualismus von Individuum und Kollektiv selbst kritisch hinterfragt werden. Welche Erkenntnismöglichkeiten werden durch ihn eventuell verbaut? Handelt es sich um eine falsche Dichotomie? Was sind relevante Grauzonen und Übergänge? Gezielt werden deshalb auch solche Ansätze einbezogen, die eine unhintergehbare Zirkularität von individuellen und kollektiven Anteilen in der Entwicklung von Personen und Personengruppen betonen.

Seminar: "Ontologien der Lebenswelt: Lifeworlds & ontological turn"
Dozenten: Emanuele Caminada, Dr. Mario Schmidt

Montag, 16:00-17:30 Uhr (wöchentlich, Beginn: 11.04.2016)
bei a.r.t.e.s., Raum 0.B02, EG, Aachener Str. 217

'Lebenswelt' ist der einzige Begriff der Phänomenologie Husserls, der in den Sozial- und Kulturwissenschaften fächerübergreifend rezipiert und intensiv diskutiert wurde. Der gelungene Neologismus ist jedoch unabhängig von Husserls Methodologie nicht angemessen zu verstehen. Letztlich versucht Husserl mit dem Begriff die menschliche Welt wie sie vor jeder theoretischen Konzeptualisierung in der und durch Praxis strukturiert ist zu beschreiben und kategorial zu erfassen.
Husserl verwendet den Begriff dabei sowohl im Singular als auch im Plural: im Singular bezeichnet er die universal gültige und im Plural die kulturrelative Struktur der Erfahrung und ihrer Kategorien. Gegenwärtige Ansätze des sogenannten ontological turn in der Ethnologie verstehen den Begriff der Ontologie ähnlich: Der Ethnologe, der sich einer fremden Kultur oder Situation annähert, versucht, die dieser Kultur oder Situation eigene Ontologie anhand ihrer kategorialen Denkformen zu verstehen. Damit versucht er, eine Welt mit Rückgriff auf ihre grundlegenden Prinzipien zu rekonstruieren, den common sense dieser Kultur nicht aus der Empirie seiner Erfahrung, sondern aus ihrer kategorialen Struktur zu erfassen.
In der gegenwärtigen Ethnologie wird der Begriff jedoch meistens im Plural verwendet (exemplarisch im Jacksons lifeworlds) und die methodologische Frage nach dem Zusammenhang von universalen und regionalen Strukturen in den Hintergrund gestellt zugunsten der Proklamation einer existentialistischen Anthropologie, in der die Diskussion und Darstellung von stark situationsabhängigen Gefühlen, Sinneswahrnehmungen und körperlichen Erfahrungen die ethnologische Ausarbeitung der kategorialen Grundannahmen nahezu verdrängt haben.
Im Seminar soll im Ausgang von Husserls Ontologie der Lebenswelt die methodologische Tragweite des Begriffs vor dem Hintergrund seiner Verwendung im Singular wie im Plural hervorgehoben werden sowie auf seine Aktualität in der Auseinandersetzung um den ontological turn in der Kulturanthropologie, eingegangen werden. Zentrale Punkte werden dabei sein:

  • die wissenschaftstheoretische Vorgeschichte des Begriffs Lebenswelt
  • Ziel und Methode der konkreten Ontologie der Lebenswelt bei Husserl
  • Husserls Auseinandersetzung mit der Frage nach der fremden Ontologien und Logik im Ausgang von seinem Briefwechsel mit Lucien Lévi-Bruhl
  • Schütz‘ Fortführung der Untersuchung der Strukturen der Lebenswelt und seine Rezeption in der Ethnologie. Lifeworlds: Michael Jacksons existentialistische Interpretation des Lebensweltbegriffs
  • Ansätze innerhalb des gegenwärtigen ontological turn (Martin Holbraad, Morten Axel Pedersen, Eduardo Viveiros de Castro)
  • Methodologischer Vergleich zwischen dem Verständnis von Ontologie, Erfahrung und Kategorien im Husserls Lebenswelttheorie und in dem ontological turn.

Die Diskussion wird sich im Seminar vor allem auf Beispiele der die vergleichenden und auf Invarianten gerichteten, begriffsbildenden Methode in der ontologischen Analyse konkreter kultureller Phänomene konzentrieren.

Blockseminar: " Einführung in qualitative Datenanalysesoftware"
Dozent: Reinhard Messerschmidt

Block, Vorbesprechung am 07.07.2016, 18:00 Uhr
Ort wird noch bekannt gegeben

Qualitative Datenanalyse (QDA) und entsprechende Software wie Atlas.ti, MaxQDA oder NVivo wird in verschiedenen disziplinären und methodischen Kontexten immer häufiger verwendet, um textuelle, bildliche oder audiovisuelle Daten systematisch zu untersuchen. Das Blockseminar bietet eine überblicksartige Einführung in die prominentesten Softwarepakete, mit dem Ziel deren unterschiedliche Akzentsetzung gemeinsam projektorientiert herauszuarbeiten. Im Einklang mit den Forschungsvorhaben der Teilnehmer/innen werden in der Vorbesprechung am 07.07.2016 inhaltliche Schwerpunkte definiert, im Rahmen derer sowohl spezifische Anwendungen der jeweiligen Programme als auch allgemeinere Themen wie Datenformate, Zusammenstellung von Dokumentenkorpora, Grounded Theory oder Mixed Methods behandelt werden können. Voraussetzung für die Teilnahme sind Interesse und Vorkenntnisse im Bereich der qualitativen Forschung sowie die Bereitschaft zur aktiven Mitarbeit. Der genaue Termin nach Ende der Vorlesungszeit wird in der Vorbesprechung gemeinsam festgelegt.

Die Vorbesprechung findet statt am Donnerstag, den 07.07.2016, 18:00 Uhr. Für die Teilnahme ist der Besuch der Vorbesprechung obligatorisch.
Die Blockveranstaltung wird in Absprache mit den Teilnehmenden am Ende des Sommersemesters stattfinden und kann ggf. als Teil des a.r.t.e.s. Moduls (Seminar) verbucht werden.
Die Veranstaltung richtet sich NachwuchswissenschaftlerInnen aller Qualifikationsstufen (Masterstudierende, Promovierende, Postdocs).

 

Wintersemester 2015/16

Kolloquium: Materialwerkstatt
Dozent: Jun.-Prof. Dr. Thiemo Breyer

Die Materialwerkstatt gibt den Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Research Master-Programms die Möglichkeit, die Themen ihrer Abschlussarbeiten in einem interdisziplinären Kontext vorzustellen und zu diskutierien.

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Seminar: Materialität und Technik: Interdisziplinäre Zugänge
Organisation: Dr. Johannes Schick

Die Geistes- und Kulturwissenschaften beschäftigten sich in den letzten Jahren insbesondere mit zwei theoretischen turns: mit dem material turn und dem practice turn, die unter anderem in der Akteur-Netzwerk-Theorie zu einer Heuristik wissenschaftlichen Arbeitens zusammengeführt wurden. Die Symmetrisierung menschlicher und nicht-menschlicher Elemente als Träger von Handlungsinitiative hat den Blick für die sozio-technische Gestaltung von Handlungszusammenhängen (agencements) geschärft und wichtige Impulse für eine Neubestimmung des Verhältnisses von Natur-, Geistes- und Kulturwissenschaften geliefert. Damit einher geht eine Neubestimmung des Verhältnisses von Dingen, Zeichen und Menschen, die Gegenstand heftiger wissenschaftlicher Kontroversen ist. Ein zentrales Forschungsdesiderat dieses Kontroverse ist die epistemologische und anthropologische Frage nach der Bedeutung von Dingen und Materialität für die Konstitution des Menschen und menschlicher Praxis. Das Seminar sucht die Anfänge dieser Debatte bei Henri Bergson und versucht sich daran, sie über Marcel Mauss, Leroi-Gourhan und Gilbert Simondon bis hin zu Susan Leigh Star und Bruno Latour nachzuzeichnen.

Seminar: Tabu. Wissensgeschichte eines Gerüchts
Dozent: Dr. Ulrich van Loyen

Seit den polynesischen Fahrten James Cooks ist das Tabu als numinoses Verbot zum Inbegriff der primitiven Religion und Denkweise avanciert, zugleich haben Anthropologen, Historiker und Soziologen bis Mitte des 20. Jahrhunderts die eigenen europäischen Archaismen vor dem Horizont des Tabu universalisiert. Wurde das Tabu ursprünglich als ein Sprachakt festgehalten, mit dem ein Ding oder eine Person unmittelbar der eigenen Sphäre zugehörig erklärt wurde, wobei die Beobachter lange darüber verhandelten, ob die Kraft, die diesen Sprachakt verbürgte, personen- oder aktionsgebunden war, so versuchte man später, im Tabu einen Vorläufer des von Berührungsverboten umgebenen „Heiligen“ zu rekonstruieren, das erst durch die Aufklärung geistig und moralisch geläutert worden sei. Die Debatten über das Tabu halfen, moderne westliche Ansprüche gegenüber fremden Kulturen (im Kontext des Kolonialismus) gleichzeitig mit solchen über innere Fremde (etwa während der preußisch-nationaldeutschen „Reinigung“ von Judentum und Katholizismus, aber auch im viktorianischen England) zu formulieren sowie die Geschichte des Christentums als Weg vom (ritualisierten) Kult zur (aufgeklärten) Kultur zu plausibilisieren. Nicht zufällig erfolgen deshalb Neuüberlegungen zum Tabu im Exil im Zweiten Weltkrieg durch jüdische Intellektuelle: das offenkundige Ende des westlichen Kulturevolutionismus erlaubt, das Phänomen des Tabu und der damit verbundenen Verhaltensweisen als Einstieg in eine „Soziologie der Gefahr“ zu verwenden, „for it is a major fact of human existence that we are not able and never were able, to express our relations to values in other forms than those of danger behaviour.“ (F.B. Steiner) Wenngleich mit dem Ende der „grand recits“ (Lyotard) ähnlich dem „Totemismus“ auch das „Tabu“ seine heuristische Bedeutung einbüßt, bleibt das Faszinosum dieses Begriffs und der mit ihm assoziierten Praktiken gerade in der Populärkultur erhalten. Deshalb wollen wir im Seminar einerseits der verwinkelten Geschichte und den Debatten des „Tabu“ nachspüren, andererseits seine Produktivität innerhalb künstlerischer Aneignungen reflektieren, wo wie im Kino das Tabu die Magie des Unsichtbaren wie auch das Versprechen, das Unsichtbare zur Darstellung zu bringen, in sich schließt. Können aus solchen Aneignungen möglicherweise Schlüsse auf das Phänomen gezogen werden, an denen die Texte vorbeigehen? Aus diesem Grund werden wir in uns in einer Blocksitzung mit Spielfilmen zum Thema befassen.

Seminar: Totem, Kategorie und Klassifizierung: Ethnologie und Philosophie in Frankreich
Dozenten: Dr. Johannes Schick / Mario Schmidt

Gibt es eine longue durée der Ontologie in den Kulturwissenschaften oder muss man tatsächlich von einem ontological turn im Sinne einer tatsächlichen Wende sprechen? Diese Frage soll ausgehend von der Faszination, die die sozialen Klassifizierungssysteme australischer Aborigines (bekannt geworden durch die Arbeiten von Spencer und Gillen vom 19. in das 20. Jh.) auf französische Intellektuelle ausgeübt haben, formuliert werden. Was hat Henri Bergson, Emile Durkheim, Marcel Mauss und Claude Lévi-Strauss an dem „Totemismus“ der Australier philosophisch, sozialtheoretisch und ontologisch gereizt? Neben der Lektüre der Texte der Franzosen, die größtenteils auf Deutsch vorliegen, sollen auch die Arbeiten Spencer und Gillens in Auszügen gelesen werden. Zudem soll durch eine Lektüre der Arbeit Phillipe Descolas aufgezeigt werden, inwieweit diese Debatte im ontological turn wieder aufgenommen wird.

Kolloquium: Kolloquium im a.r.t.e.s. Research Master-Programm: „Wissenschaftliche Kontroversen und aktuelle Forschungen“
Dozent: Jun.-Prof. Dr. Thiemo Breyer

Das Kolloquium richtet sich an die Teilnehmer*innen des a.r.t.e.s Research Master-Moduls und ist insbesondere für diejenigen verpflichtend, die im WS 2015/16 einsteigen. Es bietet ein Diskussionsforum, um unterschiedliche disziplinäre Perspektiven und Interessen zu reflektieren und um Themen, Theorien und Methoden interdisziplinärer Forschung zu erschließen und einzuüben. Das Kolloquium wird vom a.r.t.e.s. Research Lab organisiert und bietet die Gelegenheit, die dort betriebenen Forschungen kennenzulernen und mit den beteiligten Wissenschaftler*in­nen ins Gespräch zu kommen.

Seminar: Graduate Reading Group zur klassischen Wissenssoziologie
Dozent: Emanuele Caminada / Dr. Stefan Niklas

Konzept:
Die Lesegruppe richtet sich an alle interessierten Master-Studierenden, Doktorand*innen (inklusive „Pre-Docs“), Postdoktorand*innen und (Junior-) Professor*innen – das heißt an alle bei a.r.t.e.s. repräsentierten Gruppen. Die Lesegruppe versteht sich als ein konzentriertes Diskussionsforum unter Peers. Das Ziel ist, sich über die intensive Lektüre ausgewählter Texte gemeinsam einen Theoriebestand und die damit verbundene geistesgeschichtliche Tradition zu erarbeiten. Die Leitung sorgt dabei für den organisatorischen Rahmen, insbesondere die Vorauswahl der Texte, moderiert die Diskussion und führt in das Thema und die jeweils diskutierten Texte ein. Die Graduate Reading Group soll zusätzlich über Klips als Lehrveranstaltung im a.r.t.e.s. Research Master-Programm angeboten werden, sodass interessierte Studierende auch die Möglichkeit zur „Verbuchung“ haben. Entsprechende Prüfungsleitungen werden von der Leitung der Lesegruppe nach den üblichen Regularien und in Abstimmung mit den Modulverantwortlichen abgenommen.

Thema:
Die Lesegruppe widmet sich im Wintersemester der Tradition der klassischen Wissenssoziologie, die in den 1920er Jahren aufkam und vor allem mit den Namen Max Scheler und Karl Mannheim verbunden ist. Wir wollen dabei zunächst die Problem- und Fragestellung der Wissenssoziologie innerhalb der „Kölner Konstellation“ um Max Scheler verstehen, um uns dann den zum Teil heftig geführten Kontroversen zuzuwenden, die Karl Mannheims Version der Wissenssoziologie ausgelöst hat. Darüber hinaus wollen wir die parallel in Frankreich entstehende Soziologie der Erkenntnis insbesondere von Émile Durkheims heranziehen, um uns zu fragen, inwiefern sich hier Berührungspunkte mit dem Projekt der Wissenssoziologie oder Kontrast dazu finden.

 

Sommersemester 2015

Seminar: Kulturphilosophie
Dozent: Jun.-Prof. Dr. Thiemo Breyer

Was ist „Kultur“? Diese zentrale Frage geisteswissenschaftlicher Forschung wurde von Philosophen auf unterschiedlichste Weise beantwortet. Bevor sich die „Kulturphilosophie“ als mehr oder weniger eigenständige philosophische Denkrichtung etabliert hat, gab es zahlreiche Theorien, die sich beispielsweise in anthropologischer oder in ethisch-moralischer Hinsicht mit dem Phänomen und dem Begriff der Kultur auseinandersetzten. Kulturphilosophie im spezielleren Sinne hat mindestens drei Hauptaufgaben oder Anwendungsbereiche: (1) als formale Disziplin bildet sie eine Wissenschaftstheorie aus und befragt die methodologischen und konzeptuellen Grundlagen der Kulturwissenschaften, (2) als materiale Disziplin widmet sie sich der Analyse konkreter kultureller Prozesse, Strukturen und Äußerungsformen, (3) als kritische Disziplin stellt sie ein zeitdiagnostisches Regulativ dar und befasst sich mit der Kritik bestehender gesellschaftlicher, politischer und kultureller Verhältnisse und Tendenzen. Das Seminar soll anhand historischer und aktueller Positionen in die wichtigsten Kulturbegriffe und Problemstellungen der Kulturphilosophie einführen. Humanistisch-aufklärerische (Rousseau, Herder), lebensphilosophische (Simmel), erkenntnistheoretische (Cassirer), psychoanalytische (Freud) und hermeneutische (Ricœur, Geertz) Positionen werden ebenso diskutiert wie Erweiterungen des klassischen Spektrums durch neuere Ansätze in der Medientheorie (Schwemmer) oder der Evolutionsanthropologie (Tomasello).

Seminar: Durkheim und Mauss – Die Ausarbeitung einer ethnologischen Philosophie
Dozent: Jun.-Prof. Dr. Martin Zillinger

Emil Durkheim ist als Gründungsvater der französischen Soziologie, Marcel Mauss als Gründer der französischen Sozialanthropologie in die Geschichte eingegangen. Viel zu wenig wird ihre Arbeit jedoch als Teil eines in der Geschichte der Geisteswissenschaften einmaligen Kollektivexperiments rezipiert, eine empirisch verankerte Kategorienlehre zu entwerfen und die europäische Philosophiegeschichte zu revidieren. Im Selbstverständnis Émile Durkheims und seiner zahlreichen Schüler und Kollegen (Marcel Mauss, Henri Hubert, Stefan Czarnowski, Marcel Granet u.a.) ist die französische Soziologie und ihre ethnologische Wendung zur Sozialanthropologie als ein philosophischer Entwurf entstanden, der sich in seiner konstitutiven Phase explizit als ein philosophisches Unternehmen zur Aufhebung der Philosophie deklarierte und sich insbesondere durch Marcel Mauss zu einer ethnographischen Umsetzung verpflichtete. Die Wirkungsgeschichte dieses Unternehmen ist enorm und lässt sich in bis heute fortwirkenden Debatten der Sozialanthropologie, Wissenssoziologie und Wissenschafts- und Technikforschung nachvollziehen. In diesem Seminar wollen wir uns mit diesem radikalen Projekt vertraut machen und gemeinsam Schlüsseltexte aus dem Umkreis dieser beiden Denker lesen. Ein Ziel wird dabei sein, die Texte gegenüber der an Ihnen heute häufig geäußerten Kritik abzuklopfen: Durkheims Kritik des Pragmatismus lässt sich auch als eine Kritik an Latour lesen, Mauss‘ philosophische Erweiterung der aristotelischen Kategorienlehre als Kritik an der Writing Culture Debatte und phänomenologischen Ansätzen in der Philosophie. Es sollen dabei vor allem programmatische Texte und kurze, aber prägnante Einzelstudien gelesen werden (u.a. Durkheims Pragmatismusvorlesung, Mauss‘ Handbuch der Ethnographie, Mauss und Durkheims Klassifikationsaufsatz, Mauss‘ Arbeiten zu Geld). Auf die Literatur von Sekundärquellen wird verzichtet. Besonderes Augenmerk wird dabei auf der Frage des Verhältnisses von Philosophie und Ethnologie liegen, die in rezenten Debatten über Ontologie erneut ins Zentrum rückten.

Kolloquium: Materialwerkstatt
Dozent: Jun.-Prof. Dr. Martin Zillinger

Die Materialwerkstatt gibt den Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Research Master-Programms die Möglichkeit, die Themen ihrer Abschlussarbeiten in einem interdisziplinären Kontext vorzustellen und zu diskutierien.

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Wintersemester 2014/15

Vorlesung: Theorien der Entwicklung von Wissen
Dozent: Dr. Matthias Schloßberger

Die Vorlesung gibt einen Überblick der klassischen Theorien der Entwicklung von Wissen. Am Beginn steht der Versuch einer Bestimmung des Verhältnisses von klassischer Erkenntnistheorie und "sozialer" Erkenntnistheorie. Im weiteren Verlauf sollen dann die verschiedenen Theorieangebote zunächst in einer systematischen Perspektive vorgestellt werden (kumulative, revolutionäre und dialektische Modelle). Danach gilt es dann die einzelnen Schulen; Bewegungen, Ansätze etc., vorzustellen: Ideengeschichte, historischer Materialismus, Wissenssoziologie, Geschichtsphilosophie, Konstruktivismus, Diskurstheorie, Theorie des kommunikativen Handelns, Historismus.

Seminar: Theorien der Intersubjektivität
Dozent: Dr. Matthias Schloßberger

Das Seminar stellt die erkenntnistheoretische Frage: was machen wir, wenn wir die Erfahrung eines Anderen machen, in den Mittelpunkt. Ausgehend von Descartes werden die Positionen von Lipps, Dilthey, Carnap, Husserl, Scheler, Stein u. a. behandelt. Es soll insbesondere darum gehen, axiomatische Annahmen der behandelten Positionen freizulegen und zu untersuchen, welche Theorietradition das Problem in einer Weise rekonstruiert, die auch mit unserer alltäglichen Erfahrung in Einklang zu bringen ist.

Seminar: Medien und Öffentlichkeit
Dozent: Jun.-Prof. Dr. Martin Zillinger

In diesem Seminar wollen wir uns mit der Mediengeschichte gesellschaftlicher Öffentlichkeit auseinandersetzen. Vor dem Hintergrund klassischer Theorieentwürfe, die wir uns zu Struktur und Gestaltung von Öffentlichkeit erarbeiten wollen, werden wir diskutieren, wie Öffentlichkeit durch zunehmend kooperativ gestaltete Medien neu konfiguriert wird (Facebook, Twitter, web 2.0.) und dieser Prozess angemessen reflektiert werden kann. Wie nicht zuletzt die revolutionären Umwälzungen während des Arabischen Frühlings gezeigt haben, erleichtern digitale Medien die Mobilisierung von Akteuren vor Ort und im transnationalen Raum. Doch gilt dies nicht nur für zivilgesellschaftliche Kräfte, die sich für demokratische Reformen einsetzen, auch extremistische Gruppierungen nutzen Medien, um eine pluralistische Gesellschaft zu bekämpfen und Öffentlichkeit für ihre Belange herzustellen. In beiden Beispielen erweist sich Öffentlichkeit für bestimmte Akteursgruppen als ein unbestimmter Raum, der adressiert wird, um Legitimationsstrategien zu testen und Kooperationspartner zu finden. Obgleich in dieser Perspektive ein normativer Begriff von Öffentlichkeit kritisch hinterfragt wird und miteinander verwobene Öffentlichkeiten in den Blick genommen werden, kommen die entsprechenden Diskussionen häufig nicht über einen Begriff von Öffentlichkeit als Kommunikationsraum hinaus. Medien werden in diesem Zusammenhang als Kommunikationskanäle thematisiert. Gerade digitale Medien müssen jedoch als kooperative Praktiken untersucht werden, die sich in und durch unterschiedliche Medientechniken konstituieren – und von bestimmten Akteuren eingerichtet, kontrolliert, gestaltet und verwaltet werden. Das zunehmende Misstrauen, das sich gegenüber kommerziellen oder staatlichen, medientechnisch gelenkten Öffentlichkeiten einstellt, wirft tiefgreifende Fragen für unser Verständnis von Öffentlichkeit und ihre (medientechnischen) Kooperationsbedingungen auf, die wir historisch-systematisch sowie komparativ medien-ethnologisch diskutieren wollen.

Kolloquium: Interdisziplinäress Kolloquium
Dozent: Jun.-Prof. Dr. Martin Zillinger

Das Kolloquium richtet sich an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des a.r.t.e.s. Research Master-Programms. Es bietet ein Diskussionsforum für Studierende und Promovierende der beteiligten Fächer, um ihre unterschiedlichen disziplinären Perspektiven und Interessen zu reflektieren und um Themen, Theorien und Methoden interdisziplinärer Forschung kennenzulernen und zu diskutieren. Das Kolloquium arbeitet in enger Verbindung mit den Forschergruppen „Transformations of Knowledge“ und „Transformations of Life“ der a.r.t.e.s. Research Labs und bietet die Gelegenheit, die dort betriebenen Forschungen kennenzulernen und mit den beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ins Gespräch zu kommen.

Kolloquium: Materialwerkstatt
Dozent: Jun.-Prof. Dr. Martin Zillinger

Die Materialwerkstatt gibt den Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Research Master-Programms die Möglichkeit, die Themen ihrer Abschlussarbeiten in einem interdisziplinären Kontext vorzustellen und zu diskutieren.

 

Sommersemester 2014

Ringvorlesung: Was ist Anthropologie? Die Frage nach dem Menschen und seiner Praxis in den Wissenschaften
Organisation: Jun.-Prof. Dr. Martin Zillinger

Die Frage nach dem Menschen wird in den unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen unterschiedlich gestellt. Doch so verschieden die Fragestellungen, die Medien ihrer Vermittlung und die Strategien ihrer Beantwortung auch sein mögen, in allen Wissenschaften hat es Versuche gegeben, die Lehre vom Menschen an seiner Praxis zu überprüfen oder aus seiner Praxis heraus zu entwickeln. Welche methodischen und theoretischen Probleme ergeben sich aus einer Theoriebildung, die menschliche Praxis in ihrem Facettenreichtum berücksichtigen will – oder gar die Praxis allen Elementen und Kategorien vorordnet? Vertreterinnen und Vertreter aus den anthropologischen Wissenschaften stellen Versuche vor, menschliche Praxis als Eck- und Prüfstein der Theoriebildung in den Blick zu nehmen und präsentieren ihre eigenen Forschungen.

Seminar: Verkörperung
Dozent: Jun.-Prof. Dr. Thiemo Breyer

In den Diskussionen der Philosophie des Geistes und der Kognitionswissenschaften hat das Konzept der Verkörperung bzw. des embodiment in den vergangenen zwei Jahrzehnten zu einer tiefgreifenden Wende geführt. Mit den Forschungen zur verkörperten Kognition wurde das vorherrschende Symbolverarbeitungsparadigma und der auf Descartes zurückgehende Repräsentationalismus in der Theorie des Mentalen einer grundlegenden Revision unterworfen. Während die Ansätze der klassischen Kognitionswissenschaft von in sich abgeschlossenen informationsverarbeitenden Systemen ausgingen, in denen sensorischer Input und motorischer Output mit angeborenen oder erworbenen Algorithmen verrechnet werden, betont der Verkörperungsansatz die Rolle der peripheren leiblichen Verarbeitung sowie die Eingebettetheit des kognitiven Systems in eine ökologische und soziale Umwelt. Kritisiert wurde im Zuge dessen auch der naturalistische Reduktionismus in der Neurowissenschaft und Neurophilosophie. Nicht mehr das Gehirn wurde nun als genuiner Ort der Kognition oder des Geistigen thematisiert, sondern der ganze Organismus in seiner Beziehung zur Umwelt und seiner Angelegtheit auf intersubjektive Kommunikation. Damit verbunden war auch ein vermehrter Rückbezug auf drei wichtige Denkrichtungen des 20. Jahrhunderts, nämlich auf die Phänomenologie, den Pragmatismus und die Philosophische Anthropologie. In dem Seminar wird zunächst der Verkörperungsgedanke historisch situiert. Dann werden einige Grundthesen der drei genannten philosophischen Richtungen vorgestellt. Schließlich wird der aktuelle Verkörperungsdiskurs skizziert. Dabei werden das Paradigma der 4E Cognition und der Begriff der Artikulation ins Zentrum gerückt. Hierdurch soll zum einen die Relevanz des Verkörperungstrends für unser Verständnis des Menschen und und zum anderen die methodologischen Implikationen des Körperdenkens für die Geistes- und Kulturwissenschaften erörtert werden.

Seminar: Ethnologie und Praxistheorie
Dozent: Jun.-Prof. Dr. Martin Zillinger

Seit Bronislaw Malinowskis »Die Argonauten des westlichen Pazifik« gilt die Feldforschung als zentrale Methode der Ethnologie. Zwar entsprach sein stationärer Feldaufenthalt bei den Trobriandern der empirischen Wende in den ethnologischen Wissenschaften der Jahrhundertwende – doch der Einsatz der »Argonauten« muss nicht nur als Gründungsakt der modernen Ethnologie spektakulär genannt werden. Die Methode der teilnehmenden Beobachtung etabliert die Grundzüge einer Theoriebildung, in der die Praxis allen beteiligten Elementen und Kategorien vorgeordnet ist. Die neuesten Versuche in der internationalen Anthropologie, die empirische Forschung wieder in das Zentrum der ethnologischen Theoriearbeit zu rücken, beweisen die Aktualität dieser Position – und erweisen zugleich die anspruchsvolle Herausforderung, die in der ethnographischen Beschreibung als Eckstein der Theoriebildung liegt. In diesem Seminar wollen wir klassische Texte der Ethnologie lesen, mit ausgewählten Positionen der Theoriegeschichte in einen Dialog bringen und auf ihren Beitrag für eine Praxistheorie überprüfen. Dieses Lektüreseminar richtet sich an fortgeschrittene Studierende und steht thematisch im Dialog mit der Ringvorlesung "Was ist Anthropologie? Die Frage nach dem Menschen und seiner Praxis in den Wissenschaften". Als Grundlage zur Diskussion dient uns neben der berühmten Einleitung Malinowskis in die »Argonauten« der Einsatz der Ethnomethodologie. Weitere Literatur wird zu Beginn des Seminars bekannt gegeben.

Kolloquium: Materialwerkstatt
Dozent: Jun.-Prof. Dr. Thiemo Breyer

Die Materialwerkstatt gibt den Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Research Master-Programms die Möglichkeit, die Themen ihrer Abschlussarbeiten in einem interdisziplinären Kontext vorzustellen und zu diskutieren.

 

Wintersemester 2013/14

Seminar: Wissen über die Welt. "Area Studies" und Globalisierungsgeschichte
Dozent: Jun.-Prof. Dr. Martin Zillinger

Seitdem die »Area Studies« in den 40er und 50er Jahren des 20. Jahrhunderts gegründet wurden, haben sie eine wechselhafte Geschichte durchgemacht. Insbesondere in den USA zur Analyse von »Feind-Erkennungs-Gebieten« zur Kriegsführung gestaltet und gebraucht wurden sie im Zuge fortlaufender globaler Verflechtungen weltweit an Universitäten eingerichtet und immer wieder entlang politischer Interessen finanziert. Regionalstudien sind jedoch auch »Erkenntnisgebiete«, Laboratorien interdisziplinärer Forschung, in denen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus allen Fachgebieten daran arbeiten, Wissen in und über unterschiedliche Weltgegenden zu generieren, zu testen, aber auch zu universalisieren und zu dezentrieren. In Vorbereitung auf die Jahrestagung der a.r.t.e.s Graduiertenschule 2014 wollen wir uns mit der Frage beschäftigen, wie Regionen in die Welt gebracht werden, und mit welchen Methoden Wissen transportabel gemacht und für gültig erklärt wird. »Area Studies«  führen vor Augen, das Wissen perspektivisch generiert wird und sich die Welt an verschiedenen Orten unterschiedlich darstellt. Sie können uns daran erinnern, dass Wissen und Lebensformen einen Ort und materielle Grundlagen haben – und zugleich immer als Teil einer Verflechtungsgeschichte verstanden werden müssen.

Interdisziplinäres Kolloquium
Organisation: Jun.-Prof. Dr. Martin Zillinger

Das Kolloquium bietet ein Diskussionsforum für Studierende und Promovierende der beteiligten Fächer, um ihre unterschiedlichen disziplinären Perspektiven und Interessen zu reflektieren und um Themen, Theorien und Methoden interdisziplinärer Forschung kennenzulernen und zu diskutieren. Das Kolloquium arbeitet in enger Verbindung mit den Forschergruppen "Transformation of knowledge" und "Transformation of life" des im Aufbau befindlichen a.r.t.e.s Research Labs und bietet die Gelegenheit, die dort betriebenen Forschungen kennenzulernen und mit den beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ins Gespräch zu kommen.