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Forschungsprojekt von Dr. Susanne Schregel

Eine Geschichte der Intelligenz (Deutschland, Großbritannien, ca. 1880–1990)

Das Forschungsprojekt zielt darauf ab, die Geschichte der »Intelligenz« als die Geschichte einer politisch-sozialen Unterscheidung zu schreiben (Deutschland und Großbritannien, ca. 1880–1990). Das Projekt will zeigen, wie Diskurse um und über »Intelligenz« grundlegende Unterscheidungen modellierten, welche die soziale Differenzierung der modernen Gesellschaft mitbegründeten und ihre politische Ordnung partiell legitimierten beziehungsweise herausforderten. Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen dabei die konkreten Diskurse und Praktiken, mittels derer soziale Anordnungen geschaffen, aufrechterhalten oder in Frage gestellt wurden.

Konkret baut das Projekt auf der These auf, dass der Rekurs auf »Intelligenz« es ermöglichte, in historisch flexibler Weise Unterscheidungen zwischen als intelligent begriffenen Entitäten zu treffen und diese in eine Relation zueinander zu bringen, der oftmals ein Moment der Über- und Unterordnung innewohnte. Diese Anordnungsverhältnisse richteten sich dabei nicht allein auf menschliche Individuen, sondern auch auf weitere Entitäten, denen Intelligenz zu- oder abgesprochen wurde. Somit bietet die Geschichte der Intelligenz methodisch die Möglichkeit, eine Geschichte der sozialen Ungleichheit (zwischen Menschen) weiterzuentwickeln in eine umfassendere Geschichte sozialer Praktiken der Anordnung und Hierarchisierung.

Als Quellenbasis der Studie dienen in erster Linie populärere Publikationen wie etwa Zeitungs- und Zeitschriftenartikel, allgemeinverständlichere pädagogische und psychologische Schriften, Intelligenzberatungs-, steigerungs- und -selbsttestbücher sowie politische Flugschriften und Traktate. Diese sollen es ermöglichen, Intelligenzdebatten im Schnittfeld von wissenschaftlicher, technischer und öffentlich-politisierter Debatte zu erfassen und beschreibbar zu machen.