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DFG-Projekt „Handlung – Operation – Geste“

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Élise Rigot: Grafische Darstellung des Vortrags „‚The Other Side of Intelligence‘: Techniques, Alterity and the Homo faber“ von Johannes Schick

Dr. Johannes Schick, ehemals Postdoktorand im a.r.t.e.s. Research Lab, hat bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft das Projekt „Handlung – Operation – Geste“ eingeworben, das von November 2017 bis Oktober 2020 an der a.r.t.e.s. Graduate School der Universität zu Köln angesiedelt ist. Zur Finanzierung des Projekts stellt die DFG Johannes Schick 273.000 Euro zur Verfügung

Projekt: „Handlung – Operation – Geste: Technologie als interdisziplinäre Anthropologie“

Die gegenwärtige Debatte über das Verhältnis von Natur, Kultur und Technik wird in diesem Projekt anhand einer philosophischen Begriffsgeschichte der Begriffe Handlung, Operation und Geste bearbeitet. Das Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt, das wesentlich durch körperliche, instrumentelle und maschinelle Techniken vermittelt ist, steht im Zentrum der Untersuchung, die ihren Ausgang vom technikanthropologischen Moment der französischen Anthropologie nimmt: der homo faber-Debatte. In Rückgriff auf Mauss’ These, der Körper sei das erste technische Instrument, verschob sich der Fokus innerhalb der französischen Technikanthropologie auf die Frage, wie sich in technischen Objekten menschliche Gesten konstituieren und Operationsketten bilden. Über die Rückführung technischer Objekte auf Gesten sollen Artefakte, Werkzeuge und technische Objekte in ihren ursprünglichen Praxiszusammenhang gestellt, zugänglich gemacht und dadurch verstanden werden. Dies ist bemerkenswert, weil es nur auf Grundlage einer Epistemologie und Ontologie möglich wird, die in den gegenwärtigen Sozial- und Kulturwissenschaften kontrovers diskutiert wird, deren philosophiehistorischen Hintergründe jedoch nur unzureichend aufgearbeitet wurden. Die Kontroverse lässt sich bis in die Anfänge der modernen Sozialwissenschaften zurückverfolgen und entzündet sich am Bergsonschen Begriff des homo faber. Während Durkheim und seine Schüler die Genese der menschlichen Vernunft auf das Soziale zurückführen, verortet Bergson die Genese der Vernunft im Umgang mit der Materie: Der Mensch stellt, indem er die Materie ordnet, einteilt und handhabbar macht, materielle und intellektuelle Werkzeuge her. In Auseinandersetzung mit der gegenwärtigen Technikanthropologie wird das Projekt daher 1) die homo faber-Debatte anhand der Begriffe Handlung, Operation und Geste rekonstruieren, 2) den Bedeutungswandel dieser Begriffe herausarbeiten sowie 3) die in den einzelnen Schritten dieses Wandels häufig impliziten, sich transformierenden ontologischen Vorannahmen thematisieren, um nach den Möglichkeitsbedingungen einer Interdisziplinären Anthropologie zu fragen. Vor diesem Hintergrund wird eine neue Tiefenperspektive auf das Verhältnis von Technik und Gesellschaft gewonnen: Menschliche Handlungsmacht soll weder auf unpersönliche agency reduziert, noch soll das rekursive Potential der technischen Netzwerke, in die sich menschliche Handlungen notwendig einschreiben, unterschätzt werden. Dieses Projekt versucht so, dem Anspruch der Technologie als Humanwissenschaft in der Tradition von Mauss und Haudricourt gerecht zu werden. Dieses Technologieverständnis soll mit dem bei Simondon angelegten Impetus eines technologischen Humanismus in einer interdisziplinären Anthropologie – diesseits von Technophobie oder Technophilie – zusammengeführt werden. Die drängenden Fragen des (Selbst-)Verhältnisses des Menschen zu seinen technischen und nicht-technischen Umwelten können so neu gestellt und aktualisiert werden.

Weitere Informationen:
Dr. Johannes Schick
+49 (0)221 470-1237
johannes.schick(at)uni-koeln.de