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Dissertationsprojekt von Paula Erlichman

Wissensvermittlung in der Frühen Neuzeit: Deutschsprachige Haushaltsratgeber, 1650–1750 (Arbeitstitel)

Tiefgreifende technische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen führten in Europa seit Beginn des 16. Jahrhunderts zu einem enormen Wachstum des Buchmarktes. Während einerseits die Auflagenzahlen einzelner Publikationen stetig anstiegen, entstanden anderseits fortwährend neue literarische Gattungen welche die mannigfaltigen Interessen und Bedürfnisse einer wachsenden Leserschaft zu bedienen versuchten. Eine stark florierende Gattung stellten praktische Handbücher dar, die sich mit ihren Anleitungen und Ratschlägen insbesondere an ein lesefähiges Laienpublikum richteten. Hierzu gehörten vor allem auch voluminöse Handbücher, die sich mit umfangreichen, fast enzyklopädischen Wissenskompendien an frühneuzeitliche Haushalte wandten. Ihr erklärtes Ziel bestand darin, eine möglichst breite Sammlung von praktischen Informationen bereitzustellen, die dem Leser in seinem Alltag unmittelbaren Nutzen bringen sollten. Diese kompendiösen Ratgeber waren dabei hauptsächlich in den jeweiligen Landessprachen verfasst und enthielten Anleitungen zu einem breiten Themenbereich, der hauswirtschaftliche, handwerkliche, landwirtschaftliche, medizinische und auch moralische Ratschläge umfassen konnte.
Das Promotionsprojekt „Wissensvermittlung in der Frühen Neuzeit: Deutschsprachige Haushaltsratgeber, 1650–1750 (Arbeitstitel)“ untersucht die deutschsprachige, anwendungsbezogene Fachliteratur, die auf den Alltagsgebrauch eines Laienpublikums ausgerichtet war, in ihrem wissenschaftlichen, kulturellen, sozialen und politischen Kontext. Die Untersuchung konzentriert sich dabei auf den Zeitraum von ca. 1650 bis 1750 und soll anhand eines festgelegten Samples repräsentativer Handbücher durchgeführt werden. Mit einem umfassenden Ansatz versucht das Dissertationsprojekt erstmals die frühneuzeitliche kompendiöse Ratgeberliteratur für den Haushalt einer Gesamtuntersuchung zu unterziehen. Dabei soll die Veränderung des Genres im Verlauf der Zeit nachgezeichnet werden, die Strategien zur Vermittlung von Wissen herausgearbeitet und gleichzeitig eine breite historische Einordnung der Handbücher vorgenommen werden. Dabei sollen auch Institutionen und Personen, die in der Produktion und Verbreitung dieser Bücher involviert waren, untersucht werden. Indem das Projekt praktische Handbücher als ein Mittel begreift, den epistemologischen Graben zwischen Gelehrten und Ungelehrten zu überbrücken, versucht es einen Beitrag zu unserem Verständnis von Prozessen des Wissenstransfers jenseits geschlossener akademischer Zirkel in der Frühen Neuzeit zu leisten.

 

Kurzbiographie

Bachelorabschluss im Jahr 2011 an der Universität Köln in den Fächer Ethnologie und Kunstgeschichte mit einer Arbeit zu Visionsdarstellungen in einer mittelalterlichen Apokalypse-Handschrift. Anschließend interdisziplinäres Masterstudium in Frühneuzeitstudien an der Universität Edinburgh. Abschluss im Sommer 2012 mit einer Masterarbeit zu Strategien der Wissensvermittlung in der deutschsprachigen Hausväterliteratur (1600–1750).
Berufliche Erfahrungen im Bereich der Koordination von Forschungsförderung, in der Online-Redaktion einer Bundesanstalt und in der Redaktion und Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit einer kunstwissenschaftlichen Zeitschrift.
Seit April 2013 a.r.t.e.s. Stipendiatin in Klasse 5 (Institutions and Practices in Historical Perspective). Das Promotionsprojekt wird von Prof. Dr. Gudrun Gersmann (Universität zu Köln), Prof. Dr. Ulrich Johannes Schneider (Universität Leipzig) und Prof. Susanne Wittekind (Universität Köln) betreut.

Kontakt: paula.erlichman(at)smail.uni-koeln.de

 

Vorträge

„Haushaltsratgeber in der Frühen Neuzeit: Intentionen, Strategien und Nutzung“, 15. November 2014, Workshop „Vom (Be-)Nutzen der Bücher“, Heinrich-Heine Universität Düsseldorf

 

Titelbild: Titelseiten aus: Julius Bernhard von Rohr, Vollständiges Ober-Sächsisches Haußwirthschaffts-Buch, Leipzig 1722 (Foto: Digitalisat der ULB Sachsen-Anhalt, online verfügbar unter: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:gbv:3:1-331494) // Portraitfoto: Roman Oranski