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Dissertationsprojekt von Viviane Taubert

Der Eingang als Entwurfsaufgabe – untersucht an Wohnhauskonzepten des Neuen Bauens (Arbeitstitel)

Das Dissertationsprojekt untersucht Eingänge an Privatvillen der 20er und 30er Jahre in Europa und den USA. In meiner Magisterarbeit habe ich am Beispiel von ausgewählten Privatvillen von Mies van der Rohe bereits feststellen können, dass die analytische Auseinandersetzung mit Form und Funktion des Eingangs essentiell ist für das Verständnis des Hauses. Der Eingang kann somit als ein pars pro toto verstanden werden. Die vordergründig rein funktionale Rolle des Eingangs muss deswegen aufgebrochen und durch weitere Aspekte vertieft werden. Der Eingang lebt immer auch durch das Zusammenspiel von materieller Umsetzung und menschlicher Interaktion. Eingänge können als einladende Empfangshallen dienen, oder aber durch ein mehrstufiges Raumkonzept wie ein Filter nur bestimmten Besuchern Einlass gewähren. Dabei reflektieren sie häufig auch die verschiedenen Arten des Ankommens. Gerade in den 20er und 30er Jahren spielt das Auto dafür eine wichtige Rolle. Viele Vorplätze und Eingänge sind speziell darauf ausgelegt, dass man möglichst dicht an den Eingang heranfahren kann um die Fußwege auf ein Minimum zu reduzieren. Darüber hinaus gab es hier und da sogar direkte Verweise auf den gesellschaftlichen Status der Bewohner am Eingang: ein Londoner Hausherr ließ seine Tür in exakt demselben Gelb lackieren wie sein Rolls Royce, und ein Krefelder Unternehmensvorsitzender präsentierte in der großen Eingangshalle seine Kunstsammlung. Kurzum, die Eingänge der Moderne sind so viel mehr als bloße Löcher in der Wand um hereinzukommen und hinauszugehen.

 

Kurzbiographie

Viviane Taubert, Jahrgang 1986, kam nach einem kurzen Gastspiel an einer schottischen Architekturfakultät zum Studium der Kunstgeschichte, Anglistik und Philosophie an die Universität zu Köln. Während ihres Studiums arbeitete sie viele Jahre lang in der Denkmalpflege im Architekturbüro Strauß & Fischer – Historische Bauwerke in Krefeld und Duisburg, absolvierte Praktika an Museen und war Mitglied des Kuratoriums der Simultanhalle Köln, einer Ausstellungshalle für zeitgenössische Kunst. Sie ist aktuell tätig für das Junge Team des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege, wo sie sich neben ihrem Faible für Architektur des 19. und 20. Jahrhunderts auch um alle anderen Spielarten der Baukunst kümmern kann. Bei a.r.t.e.s. promoviert sie seit dem Sommersemester 2013 unter der Betreuung von Prof. Norbert Nußbaum (Universität zu Köln) und Prof. Iain Boyd Whyte (Edinburgh College of Art). Ihr Promotionsprojekt ist der Forschungsklasse 5, Institutions and Practices in Historical Perspective, zugeordnet.

Kontakt: viviane_huppertz(at)hotmail.com

 

Publikationen

Der Naumburger Dom: Kathedralbauweise der "starken Wand". in: INSITU. Zeitschrift für Architekturgeschichte. 5.2013, Heft 2, S.149–164.

 

Vorträge

"Zum Beispiel ein Beispiel: Vergleiche zwischen Mies van der Rohe und Le Corbusier können nur scheitern – Über Sinn und Unsinn von Beispielen in der Architekturgeschichte"
11. September 2014: Vortrag im Rahmen der Tagung "Exemple-Examplarité/Beispiel-Beispielhaftigkeit", durchgeführt als "Atelier franco-allemand des jeunes chercheurs du CIERA (Centre Interdisciplinaire d'etudes et de recherches sur l'Allemagne)" in Moulin d'Andé (Normandie)

 

Titelbild: Eingang Haus Lange von Mies van der Rohe, Krefeld, 1928–1930 (Foto: Viviane Taubert) // Portraitfoto: Roman Oranski